sojus / troubadour

wir haben alles freigelassen auf der türschwelle heute nacht
wir haben die verschlüsse geöffnet die gürtel gegurtet
ich bin nicht vorbereitet gewesen auf deinen geruch

unsere sprünge gehen in halben umlaufbahnen
von einem falschen lampion zum nächsten
mit geduckten tieren am straßenrand und der scheisse von wolken in deinem bart

was kann ich noch sagen?
du bist mir zugefallen wie ein gewitter aus punktwolken
man sollte die koordinaten deiner wangen ins all weitergeben ja

ich klatsche für dein schweres atmen deine schuhe
was du gemacht hast mit meinem gesicht was da sagen
du hallelujah aus dem mund eines okapi

dein schal ist so lang wie die straße und so lang werde ich springen
mit der wackelnden kamera und einer ausgetretenen kippe im mund
und dann zum friedhof und lauschen bei den ferngesprächen

im teleshop wo die fahnen wehen am rand auf der straße
und ich kann mein schweigen nicht mehr halten die sterne nehmen überhand
in einer kneipe küssen dich ein arbeiter und seine frau

und du trägst eine oper aus gerüchen auf dem kopf ich schreibe:
du bist mir zugefallen wie ein gewitter aus punktwolken
schuld sind verdrehte galaxien und fernmasten

zwei drei falsch berechnete krümmungen im kopf

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5 Antworten zu sojus / troubadour

  1. linuswestheuser schreibt:

    da alex und max das ja anscheinend eh schon ‚rausgebracht‘ haben, stelle ich das hier mal zur diskussion. allerdings unter dem vorbehalt, dass ‚privat‘ nicht der titel des gedichts war, sondern der veroeffentlichungsstatus, und zwar weil ich nicht so richtig zufrieden war mit dem text (und nach wie vor nicht bin). aber vielleicht koennt ihr mir ja weiterhelfen. was denkt ihr?

  2. unmittelbarst schreibt:

    Mein erster Eindruck: Da ist eine unglaubliche Masse an abgefahrenen Bildern, und ich finde erst nach mehrmaligem Lesen Anhaltspunkte für eine Struktur. Man erkennt einen nächtlichen Spaziergang oder Weg zu zweit, über den das lyrische Ich aber gleichzeitig auf einer anderen Zeitebene reflektiert und „schreibt“. Die Bilder der Straße (und generell des Stadtviertels), der Nacht und solche, die sich auf Himmel oder Weltall beziehen, kehren wieder und gehen teilweise auch ineinander über, sodass man einen Zusammenhang zwischen ihnen denken kann (z.B. die Sterne und die Straße darunter). Die Atmosphäre des nächtlchen Umehrlaufens in der Stadt und an ihren Orten ist dicht.

    Schwer fällt es mir dann aber, mit den ganzen anderen Bildebenen umzugehen. So absolut wunderbar wie ich „du hallelujah aus dem mund eines okapis“ finde – ich weiß nicht genau, was es in dem Gedicht tut, außer grotesk-großartig zu sein und als Satz für sich Spaß zu machen. Aber vielleicht ist das ja auch mal okay? Es kommt eben darauf an, was genau das Gedicht will.

    Auf jeden Fall wirkt diese Bilderflut erstmal ziemlich psychedelisch und auch beim fünften Lesen wird mir nicht klarer, um wen (oder was) es hier geht. Ist es ein konkretes Gegenüber, ist es ein Autor oder Denker, dessen Werk das lyrische Ich gelesen hat, ist es vielleicht ein bestimmtes Gefühl oder ein Gedankengang oder eine Lebensart oder Denkstruktur, der hier mit „du“ angesprochen wird? Und ist das ein Gedicht, das sich bewusst der Festlegung und dem Verständnis entzieht und vor allem Verrücktheit ausleben will, sich Übermut gönnen will? Dann wäre der letzte Satz sowas wie ein selbstreflektiver Abschluss des vorher Durchgespielten und es würde auch der Menge und Buntheit an surrealen Bildern entsprechen.

    Mehr kann ich aus meinem momentanen Leseverständnis leider nicht ableiten, aber aufgrund deiner Frage gehe ich eher davon aus, dass mit diesem Text noch mehr beabsichtigt ist als nur ein sich-geflasht-fühlen von einer Eindrucks-Wundertüte, oder? Falls es so einen Punkt, so eine andere Ebene noch gibt, komme ich da leider gar nicht hin, vielleicht können die anderen mir helfen? Ich bleibe beim Lesen wirklich auf dieser ganz basalen Ebene hängen; selbst das ja eigentlich hauptsächlich thematisierte Verhältnis zwischen ich und du geht mir irgendwie in dieser ganzen Fülle und Buntheit verloren – durch diese vielen, vielen Bilder stellt sich das mit ihnen ausgestattete Du entweder als äußerst komplex und schwer zu beschreiben dar, oder es entsteht der Eindruck, dass es mehr um die Bilder an sich geht und weniger um das du (was dann irgendwie negativ ist, weil man das Gefühl bekommt, das Du werde als Vorwand für ganz viele, an sich ganz großartige Sprachspiele genommen – dann lieber diese tollen Sprachspiele und Bilder für sich und ohne Aufhängung an dem armen Du).

  3. Tristan Marquardt schreibt:

    Widerspruch: Dieser Text ist enthusiastisch, rasant und kompromisslos und darin großartig. Wenn man mit „wir haben alles freigelassen auf der türschwelle“ einsteigt, dann ist das Tor geöffnet für eine Bilderflut, die gerade davon lebt, dass sie jede einfache Bezugsebene überschießt. Die Bezüglichkeit zwischen Ich und Du vagabundiert ebenso wie die Bezüglichkeit zwischen den einzelnen Bildern, und das hat eine wunderbare Sogwirkung, die auf die tolle Liebes-/Freundschaftsbescheinigung „du bist mir zugefallen“ zueiert: Hier ist eben mächtig Zufall im Spiel, aber gerade das macht, weil man es sich bewusst ist, die Beziehung der Protagonisten genauso reizvoll wie das Lesen. Ich würde sogar noch radikaler sein: Nimm diese „was soll ich sagen“-Ebene und das erste „du bist mir zugefallen“ raus, damit die spontaneitätsschädliche Poetologie ausbleibt und das zweite „du bist mir zugefallen“ umso mehr fetzt.

  4. paulaglamann schreibt:

    hilfestellung zum titel bitte, den versteh ich nicht.

  5. linuswestheuser schreibt:

    naja, ganz kurz gesagt: http://de.wikipedia.org/wiki/Sojus_%28Raumschiff%29, http://de.wikipedia.org/wiki/Trobador. längerfristig muss der aber glaub ich einfach mal weg und ein anderer her, danke für den hinweis.

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