G13 auf Tour feat. Anne Munka

Es ist wieder so weit! Ein bisschen stolz präsentieren wir ein neue Bühnenprogramm, welches wir mit der Musikerin Anne Munka erarbeitet haben. Entstanden ist eine Leseperformance, die sich jeden Abend auf neue Weise zusammenfügt. Als literarische Grundlage dienen eine Reihe von Kettentexten, die 2015/16 in gemeinsamer Arbeit entstanden sind. Nach Auftritten in Heidelberg und Weimar kommen wir nun in den deutschen Nordosten. Checkt das aus, sagt das weiter, kommt vorbei:

02.12.16, 19 Uhr, Dresden, Blaue Fabrik

03.12.16, 19 Uhr, Berlin, Haus für Poesie

Wegen erfahrungsgemäß starker Nachfrage ist gerade für Berlin frühes Erscheinen anzuraten!

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mit Rebecca Ciesielski, Paula Glamann, Anna Hetzer, Tabea Xenia Magyar, Alexander Makowka, Tristan Marquardt, Lea Schneider, Ilja Winther und Anne Munka

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drucker mit durchreiche

ich liebe unseren drucker mit durchreiche
er spuckt täglich weiße servietten aus
man muss nicht aufstehen
und um ihn herumlaufen
um sich zu bedienen

wenn jemand vergisst die funktion
beidseitig drucken einzuschalten
stapeln sich die servietten
besonders sauber
und wir zögern nicht
davon zu essen

an einem uneingeräumten ort
von zu vielen menschen aufgesucht
als gut für ihn wäre

die arbeit ist ein großes provisorium
ist eine unruhestatt
ist ein residuum
wer ihr zuwider läuft
der kehrt bald wieder um
wer ihr den arm hinhält
den walzt es ganz hinab

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Kommentar hinterlassen

Der Berliner Zukunftschor

Am 17. September 2016 feierte der  Berliner Zukunftschor Premiere. Dafür wurden über alle verfügbaren medialen Kanäle zunächst Wünsche gesammelt, die Max, Anna und Tobias Roth dann zu einem Libretto verdichteten. Der Kompnist Daniel Schellongowski hat das ganze dann in Musik übersetzt. Die Aufführung fand anlässlich der 10-Jahres-Feier der Literaturwerkstatt Berlin / Haus für Poesie durch „Unität – Chor für alle am Studentenwerk Berlin“ im Hof der Berliner Kulturbrauerei statt. Folgend die Aufnahme:

Einen Textauszug für das akustische Suchbild:

Mehr öffentliche Parks
und Strände für die Stadt
über jedem Kopf ein Dach
einen Balkon für das duftende Gras
die AfD ohne Kitaplatz

Regenschirme, die man nicht vergisst
Plastiktüten als Sammlerstück
das allgemeine Grundeinkommen
jedem Büro seinen Zimmerbrunnen
für die neue Volksbühne Brecht als Intendant

weniger Amt, mehr Streichelzoo
die Wiederbelebung sterbender Sprachen
bei der nächsten Zeitumstellung die 80er-Jahre
Waltaxis von Spandau nach Köpenick
Großbritannien zurück in die EU

Sternschnuppen, die langsam fliegen
den Ausbruch des ersten Weltfriedens
High Heels für die, die mit uns demonstrieren
mehr Zuckererbsen, mehr Schnee
ein barrierefreies Karussell

einen mehrspurigen Fahrradweg
die Büste von Karl Marx mit Basecap und Bart
Delphine im Landwehrkanal
mehr weibliche Ghostbusters
mehr Übergrößen, mehr Dialekte

weniger Unfälle und mehr Spezialeffekte
mehr Kitaplätze (ohne AfD)
ein Tempelhofer Feld für jeden
einen Turm zu Babel für Berlin
der Himmel darüber als traumafreies Papier.

Veröffentlicht unter Anna Hetzer, Max Czollek, TEXTE | 1 Kommentar

lob des pizzatellers

wie etwas so großes rundes
plötzlich in keramik sinkt
nicht überhängt noch fürchten muss
über bord zu gehen
weil es trocken schwimmt

sieht aus wie angerichtet
nur den rahmen braucht es
und das werk kann an die wand
bzw. auf den tisch und unter augen
unter uns gesagt: die kritisch sind
und nicht viel taugen

wer die pizza aus der hülle isst
der setzt geschirr in übergröße nicht voraus
doch wer den pizzateller schon besitzt
wird auch den pizzaschneider bald gebrauchen

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | 1 Kommentar

kislorod

eine meiner herzklappen wölbt sich
zwischen meridian und damaskus
mit dem wunsch die spekulation
gegen dich zu bündeln
well türme voll glas im aufbau ost
stopf die dumpfen ohren
mit pall mall und grundier den
orgelkasten welcher da heißt
eine kolchose vor dem herrn;
und wenn die noten fehlen
ist der schlüssel ungelenker
formeln eine pistole auf der brust
in der die schwer an filibustern tragenden
violenmäuler und pfeifen sich schellen
bis die korrekte aussprache
die arbeit zu billig sinken lässt
denn wer hat nun von wem abgeschrieben
ringt die bassline um sauerstoff
ein teuflisches intervall lang noch
stehen die füße knietief im dispo
um sich schmeißen die tauben
und aus kreidewäldern waltet
endlich das register

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mein weiß llorona

das immanente pochen eines lichts limbische folklore gitarren
schlagen spiegel für meinen wald die wälder mispeln rauschen
gelingen den knollen dem wolkenguss der paarung des wetters
luftkuss holde brise molke fasanzeit pfauen balzen aufschwung
breiten federn treffen sich umgreifen zwei leuchtende psalmen
arme auch augen wo ich ranke um ranke reinige körper blättern
haltung blättert stamm perlt wo rinde rinnsal minh-ao ihr lachen
die blaue brust der pfauen schreie cristiati als gewonnener blues
eines schalentiers der farbe zeit kräuseln sonnen über schmuck
zwei frambonische eiferer wetten um uns wetten mich zweigen
verziehen nicht wolkenbruch seltener fleck des himmels heute

strategie einer verwahrung sakristei legt um kelche messwein
stellt sich haust in jugendlichkeit ikonostase klanglosen stillen
am naos den liturgien am halsansatz kirchenschiff terminalhaar
mein toupet die sehnsucht der hütten jemandes altar gibt vellus
an den wettergrenzen schutzpatron der kirschen absolutes gebot
nostalgien ihres lichts maulbeeren verborgenheit den göttinnen
der ersten die stunden der zweiten organe der dritten die tage
rhythmen intime freuden anstalten erhabene institutionen der
besitz von erhalt diskretion predigt schweigen ferner ansprache
gelübde ich möge dir mein bein leihen meinen fuß borgen möge
deine haltung besetzen dein harz tragen sänften gründen nächste
reflexe felder unserer einwände träge etymologien der einsamkeit

verruchtheit außerhalb des eimers brummen ungeschehen im park
eine aufnahme acht kranke wachsamkeiten im bett der verhältnisse
beet das bittsteller erwartet rastloser reste abspann von vorsätzen
entspannung oder unterhalt ergebnis einer vorläufigkeit die gültig
bleibt schmerzt endet unsere narben zeigt wunder wird wunde sucht
sehnt der einzigen perle der eigenen sucht nützen handelt umtriebe
geschäftigkeit raffende bilanz vertraut sich verlust flaue enttäuschung
schmiegt sich an den horizont der steine wird hart wird stark erhält die
ansichten versprechen von bewegungen eines gleichsamen bestehens
auf passiertem obst den ausrangierten anfängen weicher ablässe weiß
absacker bleiche hoffnung die immerzu glitzernde schleife des schotters

zärtliches blinken licht übersetzt sich setzt sich um den ansatz den zehen
den schuhen treu zu bleiben nicht zu saugen das aufsehen auszustauben
die erregung eingebildeter nisteln in genüsslichkeit abzusitzen haben frei
gestanden die illusion die sie auflas verraten dein rating gehoben weckten
anwandlungen wie zähe nägel feilschten zeugen um tarnung einschulung
gärten pflanzten resistente böen vergingen stumm wo ich anklang meinen
winden die adern des holzes die erfahrung von wald dass alles da war dass
alles hier alles weilt alles nicht wie ich alles weiß wie ich mir alles gebe töne
abschreibungen eines spiegels bruch und ahnung klagt wetterfrosch der sich
alkalisch zählt heiß duscht im regen weiß ergebenheit knospe des äußersten
feigenbaums wachstum und amatur meiner wetterlage derzeit träne an sich

llorona pfütze klare pelzige häutung eines gefallens wird nicht ahnen sittich
uhren waben organischen wein rio rio will nicht trinken nicht stoßen nicht
anstehen geständiges weises taschentuch wir begnadigen keinen eingriff
werden nicht boje eventueller seenöte uns selbst boot motoren gären sind
nicht requiem opfer eigener verwahrung des einzig geltenden verfahrens
kokosnuss möglicher körper letzter bünde werfen aus unserer palmenkrone
rechenschaft gewaltiger zitronen saft eine dreckige guanabana meine göttin
wut sihuanaba und kraft malinche die lotusblüte jedes verhaltens fahlbarkeit
verlor augen aufputsch dünger nasser felder dem hass ein sandstrand kristall
mein weiß llorona nur mir mein weiß verletzte schmutzige liebe condena hat
ein weh tiene pena pucullén mein weiß mir deine witwen mein weiß llorona

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Kommentar hinterlassen

[apus apus]

wer unentwegt mauern untergräbt
efeu holunderstolz wird zu ihnen
selbst fliederwelk edelstein zum
schutz vor ansicht ritterlich beton
fürsten am burggraben in felsiger
fantasie annäherungshindernisse
für alle hänge ungebrannter lehm
klage an meine schreie babylon dir
jerusalem als ein waschbär leben
in trockenen wällen heckenschützen
von reddern auf faulbäume sauber
verlagern sie die freisetzung des auf
enthalts zur erhaltung von scharten
purpurbuchen halten auf gegenhalten
enthauptung von heckenrosen neuer
boden schlehdorn wehrt den seglern
luftbloß solchen langstreckenziehern
bewegen sich immer im recht immer
im gleitflug über die mauser der zeiten
geben wir ihnen thermik stakkato ein
duett dünendorn fassadenbeere mehl

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | 1 Kommentar