arbeit im paradies III

wir gehen da zusammen rein
im aquarium selber merkst du gar nichts
wir steigen auf dehnen uns aus mit der temperatur
folge den blasen nicht in der richtung aber der haltung
schließe die augen und eine neue stunde beginnt

unten im tal glitzert der himmel
schwer wiegt das summen der schienen
auf den umliegenden bergen öffnen sich die wasserhähne
über hände weitergegebene signale
klatschender regen eine jubelnde meute

tausende schauen täglich wie goethe
durch die buchenzweige in die verwinkelten höfe
wären die theater wie imbisse für die wir uns vorbereiten
wo wir aneinanderrücken kein wort zu laut ist
und jeder musik mitbringt

feiern wir feste für alle unerfüllt liebenden
heben sie auf die schultern legen feuer in den warenreihen
zerdrücken die duschgele der scham
legen immer wieder neue kostüme an
fügen früchte zu leuchtenden ketten

wir haben für jesus mitgedeckt dort sitzt er
der anteil von getreide im gras wird höher
wir legen uns unter die traubenapparate auf den dächern
entfernen uns von der roten sonne am abend
die im fallen fahrt aufnimmt

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Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Kommentar hinterlassen

Billie Holiday (DIY)

3 Wochen weg vom Fenster. Von immer
bloß Innenhof. Quadratsommer. Tagen
wie Hausnummern.

Zwischen Ich und Rest ein ausgerolltes
Handtuch. Über Gleisbett. Hauptbahnhof.
Über Los.

Ab hier Staben ziehen aus Funktionsgewölk.
Frottiertes Druckgebiet. Textil und Graphit.
Wird groß.

Das Fenster des Dichters, Innenhof und Quadratsommer, Zertifiziert authentische Aufnahme von A.B. 

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Kommentar hinterlassen

o.T.

Vor Rauch verfärbte Dachschenkel
lässt die Lungen an zu pumpen
das Ritzenmaul füllt sich ganz Stau

radgleich fiepen die Gelenke
hängen frontale Textstellen
beschädigt an leisen Fäden

wir sagen du bleibst verschwunden
bis du nach zwanzig schreiblosen Tagen
zwischen Streichholzwänden abgefärbte

Daumen gegen die Geräte tauscht
in einer Sprache dich zu stellen
stirbt nicht die Wut das Ausland

bei Lesern hysterisch versteckt
hören wir x-mal die Aufnahme
spekulieren über zahnrougen Kopien

ein Skript ganz im Vertrauen
liegen Tapes die Wunden
auf schroff platzende Pfützen

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[paraffin]

um seine tageskippe
zu entsorgen
nutzte er
die alufassungen
von teelichtern
und sah dabei
sein zweites mittel
rausch des tages
nach kaffee
(aus alukapseln)
auf dieselbe art
verschwenderisch

und das wachs
– es war ja nur
paraffin
para fin
[paʁa fɛ̃]
wie paravent
auparavant
on s’expliquait
plus carrément

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Kommentar hinterlassen

auszüge eines lichtkatalogs

marquardt_finalst_auszuge_eines_lichtkatalogs

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die straße 645

was meine schrift sagt
nur noch wäsche hängen
lass dich zutraulich
entschuldige nicht eine andere person
natürlich die frage wie ich hier meine
unmittelbare erfahrung los werde
für die die wiederkommen
und die weitermachen

im schlepptau schlag worte schlag
eine neue sprache für die rippen
was nicht vorkommt auswendig lernen
wir fordern den erhalt der straße 645
wir wünschen uns artenvielfalt
wir schauen in garderobe auf die ölkatastrophe

europa oder meine bedürfnisse
es braucht den abend parallel

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[parkblick]

vor dem parkblick
den es selten
in der stadt gibt
sitzt die mutter
und berichtet
dass ein reha-zentrum
existiere
dessen fenster
alle parkblick
den es selten
in der stadt gibt
haben
dass dies aber
nicht der grund sei
aus dem jener ort
sie interessiere
nein das zentrum
dessen fenster
alle parkblick
den es selten
in der stadt gibt
haben
kombiniere
beide spezialisierungen
von denen sie
und ihre kranke tochter
profitieren
insofern als dass
je eine spezialisierung
eine krankheit
die je eine
von ihnen betrifft
kuriert
neutral gesprochen
therapiert
denn während ihre
krankheit
die der mutter
von der schweren
aber reversiblen
art ist
bleibe ihrer tochter
wenig zeit
mit deren
schwerer krankheit
von der nicht zu
bändigenden art
zu ringen
und da sei
die schwere
aber reversible
krankheit
plötzlich
umso peinigender
über sie die mutter
hergekommen
denn die aussicht
weniger
als wenig zeit
mit ihrer tochter
nur noch zu verbringen
sprenge ihr auch
innerlich
das mark
nach dem was
äußerlich
und plötzlich
über sie die mutter
hergekommen
drum ersuche sie
die möglichkeit
der weiteren behandlung
in dem reha-zentrum
dessen fenster
alle parkblick
den es selten
in der stadt gibt
haben –
und bevor ich mich
verabschiede
spricht sie schon weiter
dass dies aber
nicht der grund sei
aus dem jener ort
sie interessiere

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | 1 Kommentar