(ohne titel)

das weite feld und seine auswüchse teil 1. gerade in der drang-
phase ist subkultur auf ihre feuchtfröhlichen auswüchse ange-
wiesen. das klingt dann ausgewiesen etwa so wie sex and crime
im binnenreim. und leuchtet unmittelbar ein. schwieriger teil 2

des sprießes, umgedreht: spießrutenlaufs beim einkauf heiterer
generika (im sinne von: heiter, heiterer etc.) zum sich-berappeln,
um zu zappeln, berappt: 12 euro 90. terminus post plemplem ei-
ner füglichen konsumkritik. der kunde bekundet sich oder auch

nicht. teil 3 entfacht das blanke unbehagen. macht – zwischen
den zeilen – gar überhaupt das unterfangen aus: den garaus ei-
ner wahrlich probaten gesinnung. genommene zangen: in die
/ stimmung: beklommen. nicht gehegt, noch gepflegt. auf ab-

satz angelegt. dann folgt in der regel teil 4. hier: hochzeit, schei-
dung. arkane umgebung, morbide neigung. sprich: zwei drittel
der arbeitnehmer verstehen heute – tag für tag – die welt nicht
mehr. oder eher so: die da oben toben / drum politikum. teil 5

ist somit duktus einer ganzen inneren generation: fluktuation im
wechselstrom = goldfisch. schnell und individuell. und nur da-
mit wir uns recht verstehn: das ist im grunde dasselbe prinzip
wie: der see, die see, das see. inklusive einer prise hildegard knef.

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6 Antworten zu (ohne titel)

  1. rd schreibt:

    endlich semesterferien!

    in bezug auf ‚binnenreim‘ und ähnliche spielereien: „Lampshade Hanging is the writers‘ trick of dealing with any element of the story that threatens the audience’s willing suspension of disbelief — whether a very implausible plot development, or a particularly blatant use of a trope — by calling attention to it… and then moving on.“ weit mehr zu finden auf
    http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/LampshadeHanging

    es wird langsam alt, dieses thematisieren des reims, diese metaebene. das verliert immer mehr an reiz. und das sage ich aus erster hand, denn ich bin immer wieder selbst dazu verleitet, den vers, das gedicht, die zeile, den zeilenbruch etc als solches aufzugreifen. abgesehen davon: hier wirkt das wie eine entschudligung für die gewählte methode.
    es wäre gerade die vermeidung oder besser: auslassung interessant. – auch hier gilt die gleiche kritik wie letztes mal. mehr ein hangeln von reim zu reim, von klang zu klang, manchmal mithilfe keineswegs zwingend wirkender assoziation, denn ein kohärentes ganzes. wo bleibt zb das weite feld mit seinen auswüchsen, wenn die erste zeile vorbei? auch mit der teilung 1 – 5 kann ich nichts anfangen.

    btw. deine gesinnung hat ein n zu viel. wenn absicht: mach was draus. aber bitte ohne brechstange.

    ‚arkane umgebung‘ finde ich fesch.

    schöne grüße.

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    Schön, wieder Gegenwind von dir zu bekommen!

    Was deine Replik ja implizit hauptsächlich beinhaltet, ist die Forderung nach Kohärenz und Konsequenz, will sagen: Struktur. Und gerade dies lässt sich in diesem Text doch offensiv der Reflexion ausgesetzt sehen: Einerseits gibt es durch die 5 Teile, die Assonanzen/Reime und Rhetorisches so eine Art Suggorat und andrerseits ergibt sich eben keine Kohärenz oder nur eine gebrochene, kein Sinn oder nur einen gebrochener. Und dieses Spannungsfeld ist es, was mich interessiert, grob gesagt: diskursive Elemente zu dekontextualisieren, um Diskursivität selbst reflexiv zu halten. Dass ich den Reim nicht verwende, weil ich ihn besonders fresh finde und der Ansicht bin, die Gegenwartslyrik braucht mal wiedern bisschen Klang, kann ich dir versichern – es ist der Effekt der mich in seinem Bann hält: das zusammenpassen des nicht Zusammenpassenden. Das wiederum kann man gut und schlecht machen – so wie das Auslassen als ebenso interessantes Mittel auch -, aber es bleibt für mich (noch) eines der spannenderen Verfahren in der (lyrischen) Arbeit an der Sinnlichkeit.

    Anders gesagt: Wäre es nicht fatal, in der Arbeit am hermeneutisch Erschließbaren, selbst wieder erschließbar sein zu wollen? Und – zweiter Punkt – sollte sich das Interessant-Sein des Textes nicht vielleicht mehr aus von seiner eigenen Stoßrichtung bzw. Konzeptualität speisen als aus dem, was gerade alt oder neu wäre?

  3. rd schreibt:

    interessanter ansatz. der wunsch gerade nach inkohärenz. ich glaube, das ist verdammt schwer. auch in anbetracht der tatsache, da gleichzeitig ein wunsch zb nach sinnlichkeit vorhanden, eine funktionierende syntax, verständliche wörter, die in einem kontext eingebettet eben einen gewissen sinn haben.
    ich kann auch ein espressionistisches gedicht genießen ohne nach einem sinn zu suchen. oder allgemein hermetisches. nun, wie ist es hier? zum teil gibt es eben stellen, die zusammenarbeiten, konsumkritik, kunde, subkultur, arbeitnehmer, politkum; gesellschaftliche topoi / dann natürlich binnenreim, zeilen, terminus, duktus. das gibt was her. und doch franst an vielen stellen was aus.

    reimzwang könnte man auch so verstehen: der reim zwingt eine verbindund zwischen wörtern auf, er ist manipulativ, unehrlich. was nicht unbedingt schlecht ist. ich nutze das ja auch gelegentlich.

    also ja, eine gebrochene.es ist ein interessantes unterfangen, sehr reizvoll. obwohl ich noch nicht weiß, ob ich mich je mit den reimkaskaden, wie du sie hier nutzt, einfreunden werde. vielleicht finde ich mit der zeit auch eine bessere, überzeugendere begründung für mein unbehagen.

    nur am rande: die ersten beiden zeilenbrüche mit der silbentrennung. habe nichts dagegen, aber nicht zweimal hintereinander. das ist unästhetisch in der häufung.

    – – –
    kannst du mir begründen, warum die gegenwartslyrik wieder ein bisschen klang braucht? wieso meinst du, es fehle der klang?

    – – –
    zu dem alt-neu. ein beispiel: ein bekannter von mir nutzt in seinen gedichten, oder nutzte, vermehrt einen doppelpunkt in ‚wort‘, also w:ort, was am anfang sehr spannend wirken, faszinieren. aber bald seinen reiz verlor; es nutzte sich ab. vor allem deswegen, weil es illusorisch ist, einen text nur aus seiner eigenen stoßrichtung betrachten zu wollen, ist er doch eingebettet in einen kontext: unsere leseerfahrungen, unser sprachgefühl, unser wissen, unmöglich, immer tabula rasa und von ganz vorne… es nutzte sich ab, so nett es auch sein mochte. vor kurzem blätterte ich in seinen gedichten und fand eines, ein relativ neues, nur ein paar jahre alt, da stand wieder nur ‚wort‘, ohne den doppelpunkt, und hier, im kontext seiner lyrik wirkte das frisch, anders als seine doppelpunktpenetranz, dieses ort im wort. – bestimmte spielarten verbrauchen sich, können nicht neu sein, wenn so häufig zu einem bestimmten zeitpunkt verwendet. das merke ich auch bei mir. man folgt unbewusst eine zeitgeist, verfällt ungewollt in manierismen.
    und ehrlich: so spannend finde ich den reim als stilmittel nicht, dass ich ihn thematisch hervorgehoben bräuchte.

  4. Tristan Marquardt schreibt:

    Nur ganz kurz, bevor ich mich wieder ausführlicher melde: Das mit dem klang hast du falsch verstanden, war umgekehrt gemeint, das „nicht“ bezog sich auf beide Teilsätze.

  5. rd schreibt:

    stimmt. so hatte ich es auch zuerst gelesen. beim wiederholten hochscrollen nur noch als teil gelesen. also gegessen.

  6. Tristan Marquardt schreibt:

    Also, nun noch mal substantieller. Die von dir angesprochene Schwierigkeit ist es, glaube ich, die mich reizt. Denn ist ja keine Arbeit gegen den Sinn (das wäre Dada und das ist ab einem gewissen Punkt relativ einfach), sondern mit dem Sinn oder besser: am Sinn; an der Frage, in welchen Sprechzusammenhängen Sinn entsteht, warum, welche Funktion er dort hat und was das mit Macht (über das, wer, wann, wie etwas sagen darf/muss, um verstanden zu werden, in das Verstehen integriert oder davon exludiert zu werden) zu tun hat. Und das wiederum hat zentral etwas mit meiner großen Faszination für Lyrik und meiner Arbeit als Lyriker zu tun. Was du zum Beispiel über die expressionistischen Gedichte gesagt hast, finde ich wunderbar: dass einen erst einmal etwas anspricht, ohne das man genau versteht, warum. So geht es mir oft bei Kling-Gedichten: Ich lese sie, finde sie großartig und bin dann ganz enttäuscht, wenn ich sehe, dass letztlich doch nur „etwas gesagt werden wollte“ – nur „lyrisch“. Um es etwas systematischer auszudrücken: Was mich an Lyrik interessiert, ist ihr transgressives (Grenzen jeglicher Art überschreitendes) Potential, dass in „dichter“ Weise für Sprache, Semantik, Stimmung, Eindrücke etc. gelten kann, und das es ermöglicht, ein Angesprochen-Sein und Empfinden jenseits sonstiger Diskurse zu ermitteln. Damit versuche ich reflexiv zu arbeiten: zu fragen, warum wir wie mit Sinn, Sprachzusammenhängen, politischen Inhalten, Sprachwitz usw. usf. umgehen (das ist natürlich oft ein Spiel, aber ernst ist mir Lyrik nun wirklich schon genug). Und das trifft dann wiederum die Frage alt-neu: Hier kommt ja letztlich auch wieder die Diskursivität zu tragen – wann man etwas spannend findet, wann es sich überreizt hat etc. Und das kann man natürlich nicht außer acht lassen, sondern muss wiederum damit arbeiten. Was, wie du schon sagtest, schwierig ist – aber auch schön und inspirierend.

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