(ohne titel)

geregelten erlebens. den kopf in schieflage (zerzaust / zerbirst) und
wirken lassen. tätigen auges. die fassung finden / winden, und das ein-
dringen der dinge: erbaulichkeit unter glukoseabbau als seelische tätig-
keit: land schaffen, ergänzen durch sprengung der äußeren grenzen,

will heißen / heißt fürwahr: waldeinsamkeit. noch in den windeln fängt
das kind zu wachsen an: so weit, so wenig hiesig. entbehrt der welt. was
(öko / homöo) gefällt, ist fälligst hier von anklang an: du grünes, patho-
logisches revier(?). dann hypothalamus-erguss. die quellen schon im

vollen gange: schöpflich ist, dass fließt, was floss. floß: das schütteln des
vokabulars. steigung des haars, bis in die spitzen. gänse am werk. galt es
ja, den wald zu stillen. hat ohnehin seit ehedem birksam entleert gewirkt:
kein wild, kein kraut, allein: das nichts, das schnabuliert. wallung sowie

so und in der drüsengegend stimmung: lage ausdrücklich. wie aufhörn,
wenns am besten schrullt. erschlaffung sonder schlaf: halte dich bedeckt,
die mutter gottes wacht. und darauf passt wie eine faust auf die parabel:
sacht vs. schön / der abend kommt, die quellen gehn. das nennen wir

passabel! das lassen wir! anders aber: sternenkleid. nur unter zufuhr der
gesichte. transzendent light. da ist noch etwas wiederholung muss: wald-
einsamkeit. so wieder einmal über sich hinaus gewachsen. es schließt das
lid den kreis. d.h.: gute nacht! – allein der nachwelt usf. sei es vermacht.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter TEXTE, Tristan Marquardt abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu (ohne titel)

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    so und da mich natürlich auch eure Kommentare zu den Änderungen interessieren, hier noch mal, weil es doch noch mal einige geworden sind, die Version des Textes, die ich beim Treffen vorgestellt habe + das fakultativ mitzudenkende Eichendorff-Original:

    geregelten erlebens. den kopf in schieflage (zerzaust / zerbirst) und
    wirken lassen. tätigen auges. die fassung finden / winden, und das ein-
    dringen der dinge: erbaulichkeit unter glukoseausguss, als seelische
    tätigkeit: land schaffen, ergänzen durch sprengung der äußeren gren-

    zen, will heißen / heißt fürwahr: waldeinsamkeit. noch in den windeln
    fängt das kind zu wachsen an: so weit, so wenig hiesig. entbehrt der
    welt. was manchem sprechzusammenhang gefällt, ist -fälligst hier: grünes
    revier. dann hypothalamus-erguss. die quellen schon im vollen gange:

    etwas griff zum stift und floss dahin. floß: das schütteln des vokabu-
    lars. steigung des haars, bis in die spitzen. gänse am werk. galt es doch,
    den wald zu stillen. hat ohnehin seit ehedem seltsam entleert gewirkt:
    kein wild, kein kraut, allein: das nichts, das inspiriert. wallung sowieso

    und in der drüsengegend stimmung: lage ausdrücklich. und aufhörn,
    wenns am besten scheint. erschlaffung sonder schlaf: halte dich be-
    deckt, die mutter gottes wacht. darauf passt: sacht oder schön / der
    abend kommt, die quellen gehn. beides ganz passabel. lassen wir

    gelten. anders aber: sternenkleid. das nur unter zufuhr der gesichte.
    transzendent light. da ist noch etwas wiederholung muss: waldein-
    samkeit. so wieder einmal über sich hinaus gewachsen. es schließt
    das lid den kreis. d.h.: gute nacht! allein der nachwelt seis vermacht.

    ___________

    Waldeinsamkeit,
    Du grünes Revier,
    Wie liegt so weit
    Die Welt von hier!
    Schlaf nur, wie bald
    Kommt der Abend schön,
    Durch den stillen Wald
    Die Quellen gehn,
    Die Mutter Gottes wacht
    Mit ihrem Sternenkleid
    Bedeckt sie dich sacht
    In der Waldeinsamkeit,
    Gute Nacht, gute Nacht! –

    Joseph Freiherr von Eichendorff

  2. kcornils schreibt:

    fakt ist: das rumreiten auf phonetisch ähnlichen sachen in form von nebeneinanderstellen finde ich nur halb so elegant wie zum beispiel: „land schaffen“ – das ist ne gelungene sache, definitiv. wenn es mitschwingt, ohne gesagt zu werden showing vs telling, you know schon. sonst ist es zu viel des gutes und bekalauert eigentlich nur noch sich selbst.
    (ähnlich seh ich das bei clemens‘ texten, wo mich vor allem der endreim stört, bei dir das ständige nebeneinander von minimalpärchen etc. – zu viel, zu prominent und zu sehr in die fresse, ich bin da eher für subtilität.)

    da finde ich die selbstrefl. ebene auch nicht so holzhämmernd.
    das „schöpflich“ anstelle des „etwas griff zum stift“ – ich weiß ja nicht. da würde mir etwas mit griffeln gefallen, denke ich. griffelnde fittiche usw.

    an sich gefällt mir der text durchaus noch, ich sehe da auch keine probleme in der kritik an der romantik bzw. der erlebnis-/naturlyrik. (btw noch mal nachgeschaut: bei tieck gibts die waldeinsamkeit auch, siehe „der blonde eckbert“, was eigentlich schon ne feine geschichte ist), weil a) die meiner meinung nach in der gegenwartsliteratur sowieso wieder grade hart am nerven ist (jedenfalls mich) und b) der gegenvorschlag enthalten ist, formaler natur, was c) natürlich plump sein mag, aber vielleicht wieder dazu anregen sollte, diesen text weiterzdenken/-dichten. wenn du also eine geile gegenkritik aus dem (oder: einem) anderen blickwinkel hättest, wäre das glaube ich ein schöner abschluss, wenn man von abschlüssen sprechen kann.
    insofern ist er ja sowieso noch offen: mit vermächtnissen muss ja was angefangen werden.

    okö – tippfehler?

    ansonsten schliesse ich mit den worten sabine schos aus der neuen bellatriste, weil sie mich an die diskussion erinnerten, die wir im nachhinein führten:

    „Ich steh am Rand, bin Assistenzfigur allerdings betrifft das alle derzeitigen Dichter. Wir sind weder eine Generation noch eint uns etwas, außer ein Hang zu Texten, die keiner wirklich haben will, aber von denen wir nicht lassen können.“

    okay, im nachhinein hat das nicht mehr allzu viel relevanz für die diskussion, aber jetzt hab ich mir die mühe gemacht, das abzutippen.

    • Tristan Marquardt schreibt:

      Um mit Scho anzufangen: Das berührt etwas, was mich und bei uns etwa auch Linus sehr umtreibt. Es geht vielleicht um folgende Frage: Gerade wenn man experimentelle Lyrik macht, beschneidet man sich arg in seinen Möglichkeiten, wenn man so was wie „Allgemeinverträglichkeit“ sich noch zuschreiben lassen möchte, so eine Art Jandltum. Geht man aber den Weg, hermetischer oder vielleicht besser: voraussetzungsreicher zu schreiben, bewegt man sich nicht mehr nur innertextuell in seinen inneren Kreisen. Die Frage ist: Gibt es einen Ausweg oder nicht? Ulf z.B. sagt: Eigentlich nicht. Aber ich bzw. wir sind (noch) der Ansicht, dass vielleicht doch, und zwar wenn man das Textproduzieren mit einer gewissen Form von Performanz verbindet; wenn die Art, wie man die Texte in den „öffentlichen“ Raum trägt, einerseits das Einzelne in einem größeren Konzept kontextualisiert und andererseits so etwas wie Lust daran vermittelt. Im Prinzip stand ja dieser Gedanke irgendwie auch hinter der Lettretage-Lesung und hat da, denke ich, zumindest unter den Nicht-Lyrikern auch gefruchtet. Ilja und ich wollen bei der Kreuzwort-Lesung noch mal einen anderen Weg einschlagen, mal schauen.

      Um das auch noch mal auf den Text zu beziehen: Ich bin mit dir einer Meinung, dass bei „showing vs. telling“ das erste deutlich reizvoller ist, die Frage ist nur, ob, wenn man vornehmlich oder ausschließlich subtil arbeitet, man nicht zu sehr Risiko läuft, zu enigmatisch zu arbeiten bzw. was sich auch verdeutlichen ließe zu verdunkeln. Für mich hat Brechstangen-Assonanz gerade dann ihre Reize, wenn man, sobald man den Kontext miteinbezieht, gar nicht mehr so genau sagen kann, wo die Brechstange überhaupt ansetzt und was sie überhaupt aufbricht („die da oben toben / drum politikum“; „notfalls kanns assonanz“). Wichtig ist mir nur, dass der/die Rezipient/in in einen Prozess eingebunden wird, der am Funktionieren von Sprache und sprachlicher Wahrnehmung der Wirklichkeit(en) arbeitet und vielleicht eher Fragen formuliert, als Alternativen präsentieren zu wollen. Die entscheidende Frage ist nur, wie man das am besten anstellt; inwiefern man sich an Tendenzen der Gegenwartslyrik abarbeitet oder sie ignoriert. Letztlich gilt das auch für die Arbeit am Romantischen in diesem Text.

      ps: öko ist korrigiert

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s