[die unfähigkeit die verhältnisse zu begreifen]

die unfähigkeit die verhältnisse zu begreifen
inmitten von leisigkeit, ach, fanden sie
am hang ein paar chips und warfen sich ein

im vorhang ein ausflug, die provinz legte sich
flach auf die erde, wir trugen dazu ein heimliches
geweih, die kleider, blinkten: prozente und flachs

zum basteln. jemand gebe ihnen eltern, die sich
am halligstrand in den stein eintragen, mit sicher
sitzenden zwickern im bein, jemand schlage ihnen

beizeiten puzzle in die geneigte außenwand,
ein einziges mal zum sammeln, säumen, sublim
in den dummen augen, und wie die liebe

gewonnen wird. es bleibt ja zum anfassen, die
ernsthafte beschäftigung, im wandeln durch
institutionen schleift sich der kleine tod in die falten

und sie sagen dann: so sangen sie und sanken
und der tod ist viel am start. kurzes schweigen.
dann aber zurecht: sea-weed, uh, und zischen!

jemand anderes machte sich zugleich mit einer
pistole zu unserem zeitgenossen. geht das nicht
auch einfacher? nein, das geht es scheinbar nicht,

man lockert einmal den raketenschild, schon stehen
zwei jungs in der fußgängerzone und verursachen
ein herzzerbrechen. die gleichheit ist das, was

wir im grunde gar nicht kennen, wir tun und lassen
die wüstesten stümpfe und die alten reden dummes
zeug. das ganze hat mit dem internet übrigens überhaupt nichts zu tun.

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5 Antworten zu [die unfähigkeit die verhältnisse zu begreifen]

  1. Lea Schneider schreibt:

    viele einzelne stellen gefallen mir sehr, vor allem die paar chips am hang und die ganze strophe mit den eltern. das ende finde ich allerdings nicht so toll; abgesehen davon, dass es mit allem davor nicht viel zu tun hat und eher als geste daherkommt („so, jetzt zitier ich nochmal neue medien an, das geht immer gut, und wenn ichs gar nicht im text verorte, kann ich die leser*innen auch nochmal ordentlich vor den kopf stoßen am schluss“), kommt es nach „die alten reden dummes zeug“ nicht besonders gut (klischee: alte leute können nicht mit computern umgehen etc.). ich finde, wenn man das internet in einem text bringt, dann muss damit schon was interessantes passieren; das sollte nicht einfach als schlagwort dastehen.
    was ich noch nicht richtig verstanden hab, ist der wechsel zwischen wir und sie. stehen sich die beiden antagonistisch gegenüber? haben sie überhaupt eine beziehung zueinander? oder sind sie einfach da, weil der text akteure brauchte und sich dann willkürlich für personalpronomen entschieden hat? diese fragen würden sich mir wahrscheinlich nicht so stark stellen, wenn es nur eine position, also nur ein wir oder ein sie, gäbe, aber so drängt sich die frage nach dem verhältnis der beiden natürlich auf, ohne dass ich sie nach der ersten lektüre sinnvoll beantworten könnte.
    zuletzt hab ich noch überlegt, ob mich der „kleine tod“ da nicht stört, glaube aber, dass ich den eigentlich sehr schön fände, wenn nicht zwei strophen später der zeitgenosse mit der pistole kommen würde – das liegt mir irgendwie auf einer albernen ebene zu nah beieinander, und den satz an sich find ich auch nicht besonders stark. dann kommt auch noch der raketenschild und da stehen dann plötzlich diese waffen ziemlich disparat nebeneinander; da könnte man nochmal ran gehen, finde ich.
    ansonsten aber echt ein schöner text! ich finds auch cool, dass er sich traut, mit einem so starken statement einzusteigen und sich damit verletzlich zu machen, das funktioniert total gut.

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    nur kurz zum internet: ich finde die stelle großartig (mal abgesehen von ihrer form), und zwar, weil sie so wie die karikatur eines ceterum censeo daher kommt. als müsse man nach der äußerung problematischer sachverhalte im 21. jahrhundert immer noch betonen, dass es auch noch andere probleme als das internet gibt. so als anti-schlagwort. find ich großes tennis. mit tennis hat das ganze übrigens überhaupt nichts zu tun.

    • Lea Schneider schreibt:

      hm, ich verstehe, dass dir das verspielte gefällt, aber deine argumentation kommt mir nicht so einleuchtend vor. wird das internet im 21. jahrhundert immer als problem betont? wenn ja, ist das bisher an mir vorbei gegangen und bliebe so oder so in seiner gestenhaftigkeit etwas arrogant, weil es sich so anmaßt, den „normalen“ diskurs durchschaut zu haben und darüber zu stehen. aber auch dann, was hat das alles mit dem text zu tun? ist das nicht auch zu sehr ende-ende? und wie würde ein anti-schlagwort funktionieren, wenn es in dem moment, in dem es gebracht wird, doch wieder schlagwortartig betont, wofür es steht?

  3. rickreuther schreibt:

    das mit dem internet ist klasse.

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