[tags, was geschah]

tags, was geschah, wenn strahlen die straßen entrollten, alles zeug
seine farben anzog. wenn ich schlief, schlafen ließ. fuhr, wo ich
las, in straßenmitten, sätze aus gedankenstrichen. wenn ich, wie
sonst nur gras, gras war, kartograph im sachgebiet x, utopie. das

trara, wenn halme sich ballten zu büscheln, weil zeit sich vertat.
sommer kam, ging ins knie. kaum keimte die zwiebel im korb,
wähnte sich nahrung natur. schublade, die in ihren trieben nie
vorkam, öffnete sich, windiger schritt, betreten der flur. geistern

im schilderwald, der richtung erst zeugt und dann zeigt. wühlen
im menschenschlag, der sich weigert, dann beugt. dieser punkt
ein defizitäres heute, fingen träume an, so sehr zu rasen, dass
landschaft nicht nachkam mit laden. mondbefleckte anbandlung

verdeutlichte, unter brücken und büschen, genese im bildsinn. dass
viel geschah, aber wenig konkret war auf dem rest der planeten. und
dann begann die musik. lichterkette im garten nie gekannter nach-
barn, ging an. lila duftkerze nahm angst vorm allergischen anfall.

bekanntschaft kam, teilte sich durch die bar. bei gebotener vorsicht,
dass das, was der abend zu bringen gedachte, klar war, stieg rauch
auf, vom grill. nur schattenwurf schrieb lieder. und ich wusste nicht
mehr, war es, war ich erwacht, noch immer nacht oder schon wieder.

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5 Antworten zu [tags, was geschah]

  1. Severina schreibt:

    mir zerging der text vor allem zu beginn (die beiden ersten strophen) auf der zunge und ließ fast körperlich spüren bis zu „dieser punkt ein defizitäres heute…“ . bis dahin könnte ich den text immer und immer wieder lesen. und danach: Ich finde das geschriebene wirkt wie ein zoom vom kleinporigen, lebendigen detail auf den planeten und dann in die (triste?allergische?schlaflose?einsame?) gesellschaft des ichs. und zwar ein irgendwie wenig beteiligter zoom, der den lebendigen beginn in ein fass mit enttäuschung taucht. vielleicht können gedichte in unserer zeit aber auch gar nicht anders sein…

    • Tristan Marquardt schreibt:

      liebe severina, vielen dank für deine aufmerksamen worte. ohne das kommentieren zu wollen, denn das steht am besten so für sich, wollte ich nur interessenshalber nachfragen, worin sich für dich dieses fass aus enttäuschung ausdrückt.

      • Severina schreibt:

        lieber tristan, entschuldige bitte die späte antwort. Es ist eine gute Frage, die Antwort ist nun aber soweit gereift, dass ich den versuch wage sie in worte zu fassen. ich versuche v.a. meine empfindung zu schildern, das dieses gedicht, was ich immernoch bewegend finde, spontan auslöste und inzwischen etwas gedämpfter auslöst.
        es entsteht bei mir zunächst der eindruck der (fast schon symbiotischen) verbundenheit mit der belebten und unbelebten natur. und als es zum „menschenschlag“ kommt, löst sich dieses gefühl der verbundenheit plötzlich auf. an seine stelle tritt ein gefühl der losgelöstheit, so als sei man als kosmonaut plötzlich aus seiner raumkapsel befördert worden und würde nun allein und losgelöst im orbit treiben und auf die erde durch ein fernglas blicken. irgendwie macht es angst und irgendwie ist man auch frei. für mich rückt damit die beziehungslosigkeit zu (mit)menschen in den vordergrund, im krassen kontrast zum vorherigen gefühl der lebendigen verbindung und das löste bei mir das gefühl der enttäuschung aus. anders als ich es im Juni geschrieben habe – in diesen zeilen wurde meine enttäuschung deutlich – denke ich heute nicht, dass es „nur“ mit der jetzigen zeit zu tun hat oder aktuellen gedichten, die nicht anders sein könnten. ich hoffe, ich habe dich mit der spontanen meinungsäußerung nicht gekränkt o.Ä. gedichte sind ja was sehr persönliches. danke dir für dieses.

  2. Lea Schneider schreibt:

    Lieber Tristan, ich mag diesen Text (wie den ganzen Zyklus) sehr! Les ihn grade auf der Suche nach eigener Inspiration zum dritten Mal ;), und da fallen mir ein paar unstimmige Details auf:

    – Zwei Stellen, an denen es rhytmisch ein wenig stolptert: „mondbefleckte anbandlung verdeutlichte, unter brücken und büschen, genese im bildsinn“ -> da ist das „verdeutlichte“ etwas zu lang, und ich finde es auch ein umständliches bis pädagogisches Wort. Vielleicht wäre der Text ohne es stärker?
    „lila duftkerze nahm angst vorm allergischen anfall.“ -> das wirkt auf mich dagegen zu kurz, und irgendwie verstehe ich das Bild auch nicht. Vielleicht müsste auch nur das „m“ bei „vorm“ weg, aber auch dann: Wie nimmt eine Duftkerze (und dann noch lila!) Angst vor allergischen Anfällen?

    – „lichterkette im garten nie gekannter nachbarn“ -> warum nicht einfach „unbekannter nachbarn“? Durch das „nie gekannt“ kommt sehr viel Pathos und eine zweite Ebene (sind die Nachbarn schon tot, wie die nie gekannten Vorfahren aus der Collage, warum das „nie“, warum die umständliche Formulierung?) rein, die es meiner Meinung nach nicht braucht.

    – das Ende kommt mir ein bisschen plötzlich. Klar, am Anfang gab es die Schlaf-Thematik, aber die kommt dann, bis auf das eine „träumen“, nicht mehr vor. Und irgendwie ist es eine zu gute Stelle, um sie so uneingearbeitet da am Ende rumstehen zu lassen.

  3. lettercastle schreibt:

    Sehr schön geschrieben! Besonders die erste Strophe ist wunderbar!

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