ufern IN ÜBERARBEITUNG BEGRIFFEN


___________________________für max und nele

1

auch wenn das wetter im argen liegt: am tag im park
ändert das nichts. wir sind begossene pudel und lassen
uns von nichts so sehr beeinflussen wie vom geruch
frischer nudeln am abend, wenn unsre haare dann rein

gewaschen sind vom tag, ein paar am uferrand
gelassen. das wetter von morgen fließt ins gespräch
so sehr ein, als ob es vorher gestockt habe. du fragst
nach der lage, ich sage: sonnig. zum glück. was auch

immer das heiße: kalt wird es nicht. und auch wenn
bald die nacht hereinbricht: wir halten den tag am
laufen, der spät-kauf hat offen, auch wenn das früher
anders war. du sagst: das lag an der lage. ich zahle.

2

straßen später ein quittiertes blicken, dass das ausgerechnet
nächtlich leicht mal ins gewicht fällt. tief holen wir atem, dann
treten wir neben den tag. die wandelbaren nacht-sachen der
treibenden rede-gestalten prangen, kaum enstanden, entlang am

gesicht gegenüber, dessen augen höhlen, boots-lotsen firmament
gefolgter überfahrt, dass aufbewahrte blicke rudern, projektion
aus lösen, ihres sprechens, ihres deutens, dass das wasserblau im
rund um die pupille wie gebuchtet aufgesucht (sich so zu sehen

lernen), im gesicht der raum anschauung, wenn der fall zu
fall den nächsten entsichert. – kurzes besinnen. noch weiß
kaum jemand darum. noch bleibt die kunst harmlos. doch
ferner die nächte nie schliefen, als wir unter ferner liefen.

3

die so gelichteten traum-gesichte, die gelösten, nahen uns, das
zu gewahren, was da überschritten war, gleich den gebärden, un-
gleich sprachlich, uns entgegen, die rede zu heben. ich gelobe,
mir ihr tosen zu verinnern
, die geahnten sichtlich überführten

rahmen, ihren tauschwesen hier wie jedem so erlebten hauptes
zu entgehen. wir fahren entlang der dortigen, unsre schritte
bahnen uns die folgen. denn unser schlaf wacht, kann seinen
augen raum geben, die offen rudern, ihre saiten wechseln,

im angeschlagenen, ihre töne lose zu setzen. längst sind wir
gewässer, unser sprechen spricht uns liminal und jedes wort
schlägt eine welle, das sich wie bedeutungen entfaltet längs
der falten
. tief unten, subkutan, da brennt etwas wie aufgetan.

4

und auch wenn es, mal gestiegen, wieder sinken sollte:
der nacht macht das nichts. wir sind die übersetzer und
ufern und rufen UND UND, wie die zikaden, wenn sie uns
zitieren. dann zirpt unser mund, in die stunden, erschöpft

von den stunden, ruht er am uferrand, atmet noch raum
über wasser. im so überschrittenen morgen belichtet sich
die geräumte zeit, über uns, die wir gestrandet furchige
spuren tragen, der unsanften landung. du fragst nach den

bahnen, ich sage: sie fahren, jetzt wieder. und auch wenn sie,
mal gekommen, wieder gehen sollten: uns tut das nichts. wir
haben das aufgetauchte erhascht, und ausgetauscht, so weit es
reicht, zu landen, im projekt, in unsrer projektion, im andern.

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6 Antworten zu ufern IN ÜBERARBEITUNG BEGRIFFEN

  1. tristanmarquardt schreibt:

    obwohl schon viel Arbeit drin steckt: so stehen lassen will ich den Text im Moment nicht, zu viel Grundsätzliches stört mich noch. Deshalb gilt: work in progress, oder sogar: unter ferner liefen. Umso mehr: Gebt euren Senf dazu, dann wirds würziger!

  2. nelenele schreibt:

    Ich habe es ausgedruckt und immer in der Tasche, um es wieder und wieder zu lesen Es kann mir nicht gelingen es objektiv zu beurteilen. Das tut mir leid, ich liebe es.
    Ich will dennoch versuchen, was ich kann:
    An einer Stelle frage ich mich, ob zu tief in die Seefahrtskiste gegriffen wird (2., mittlere Strophe), während diese Motive an anderen Stellen eher so hin und wieder gestreut sind. Wäre hier mehr Gleichgewicht vielleicht besser?
    Andererseits, das fällt mir aber jetzt gerade erst auf, ist es ein ganz wunderbarer Höhepunkt genau in der Mitte.
    3., erste Zeile – soll es hier wirklich „traum-gesichte“ heißen?
    4. Ende der ersten Strophe kommen „Stunden“, Anfang der 2. Strophe auch… Das ist vermutlich Absicht, aber mir stolpert es dadurch irgendwie etwas zu sehr.
    Ich frage mich gerade, ob die Zikaden und Zitate und das Zirpen, nicht eine Klangfarbe zuviel sind? Ich mag diese Stelle sehr, aber vielleicht bricht es zu sehr aus?
    Ich liebe (wer hätte das gedacht?) den Pathos in den reinen Reimen am Ende von 2. und 3. (in letzterem donnert er geradezu, finde ich). Ansonsten habe ich viele Goldstücke in diesen Gedichten, bei denen ich richtig Angst habe, dass du sie in deiner Weiterentwicklung rausnimmst, weil sie mir so gut gefallen.

  3. tristanmarquardt schreibt:

    Nele, ich glaube, auf der Ebene, auf der wir das Gedicht lesen, funktioniert es wirklich. Da tun sich Erinnerungsräume auf und werden erweitert, neu perspektiviert, und Erlebtes rauscht intensiv noch mal auf. Zudem sind so Stellen wie „der fall zu fall“ im zweiten Teil für uns natürlich noch mal ganz anders lesbar.
    Aber bei der Diskussion im Zirkel hat sich herausgestellt, dass stellenweise genau das, was den Text für uns stark macht, für andere eher eine Schwäche darstellt: allen voran der leicht preisende Ton, dann das Beschriebene mit Widmung als singulär Beziebares, der fazitöse Charakter des Endes, der allzu starke Kontrast zwischen dem leicht daherfließenden ersten Teil und den folgenden, rauschenden Teilen etc. So sehr ich damit hadere, weil ich den Text auch sehr mag, glaube ich im Moment, dass er als Privatlyrik glänzen kann, als öffentlicher aber viele wunde Stellen hat.

  4. nelenele schreibt:

    Du wirst recht haben, dennoch finde ich, er ist als Privatlyrik zu schade. Ich sitze und bastle und streiche und schreibe wieder rein und ersetze…. um dir vielleicht Anregungen zu schicken.
    Das muss doch möglich sein! Am schwierigsten finde ich glaube ich den Sprung von Privat zu Öffentlich im 3. Teil…
    Was du fazitös nennst, finde ich allerdings nicht schwierig, sondern passend. Der Text steigert sich ja und dann kann er zum Schluss auch innehalten und ein Fazit ziehen, finde ich. Aus demselben Grund finde ich auch den ersten Teil als „anders“ als die anderen nicht schlimm. Pathos, Energie, Preisen, Rauschen könnte sich vielleicht langsamer steigern, damit es kein Gegensatz mehr ist.

  5. tristanmarquardt schreibt:

    ok, Max hat mir grad den Hyper-Kommentar geschickt und ich bin gewillt, aus den Zweifeln wiederaufzuerstehen, werde dem Text x weitere Stunden spenden und hoffe, die überarbeitete Version, bald posten zu können.

  6. linuswestheuser schreibt:

    nice.

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