(ohne titel / ohne titel)

münchenschwabing im winter 2011. wenig konnte bisher zur
behauptung einer enthauptung eines gewissen inneren triebtiers
in erfahrung gebracht werden, aber dies: der philologenschweiß
fließt, bereits in seinem zweiten frühling. (mehr dazu: s. unten,

stichwort bügeln.) stand der dinge war: zustand ist nicht länger
the opposite of zufall. einige stimmen erhoben sich zwar, doch ob-
siegte
der harm. dessen knotenpunkt: war selbstverwirklichung
überhaupt möglich / nötig? bzw. was not daran tat, gedrungen

zu sein. das wort schweinehund rückseitig betrachtet. undim-
merhin
beträchtliche anstalten. wovon man hiezu aber auch ge-
bührlich
bericht erstatten muss: das narrative überdengleichen
kammbügeln vonüberwinternundunterkühlen‘. so beim ge-

flügel: kaum schickliches schicksal, das dennoch aufnormaleinen
reim macht. plus plastik an sich, sprich: instinktiv geruchsneutral
was in diesem zusammenhang aber auch nur ein wort ist. das trieb-
tier
von innen her, nur dringlicher. wir erinnern uns ungern. und was

damals auch anklang, galt als sehr viel grundsätzlicherer anfang der
fahnenstange, als sich in jahresfrist fand: andrang, ins land gegan-
gen
. von dort erging die letzte kunde: der bayrische wald beginnt un-
weit
des schwabinger dschungels. aber so unweit auch wieder nicht.

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17 Antworten zu (ohne titel / ohne titel)

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    Das wunderbare, von Rike eingeführte Special der basisdemokratischen Abstimmung nehm ich auch gleich mal in Beschlag: Was ich im ersten Vers der dritten Strophe gern zum Ausdruck bringen würde, ist, dass „schweinehund“ so betrachtet wird, als befinde man sich nicht vor dem Text, sondern hinter ihm und sähe das Wort somit quasi spiegelverkehrt. Trifft das nun „von hinten“, „rückseitig“ oder irgendetwas Anderes am besten? Ich hadere da noch.

  2. Maria Natt schreibt:

    da ist rueckseitig schon am besten geeignet. funktionieren tut es fuer mich an der stelle trotzdem nicht so ganz. sprich: ich steh immer noch vor dem text.
    und was hat es mit der botschaft „muenchen-shanghai-ist-kalt“ auf sich? das wuerde mich schon sehr interessieren. oder ist das ganze nur eine nonsense-hyperlink-spielerei?

  3. Ilja Winther schreibt:

    ich weiß auch nicht so recht. da denkt man halt: jemand hat mal das wort schweinehund rückseitig betrachtet. wenn es darum geht, dies zu tun, würde ich entweder schreiben „meine herren, betrachten sie…“ oder „dnuheniewhcs“ mit umgedrehten buchstaben, wie auch immer das geht. wenn es allerdings um eine persiflage des sprachgestus „hinterfragen sie dies!“ geht, würde ich „hinter“ schreiben.

  4. Tristan Marquardt schreibt:

    ähm ja, wegen Hyperlink: Da kommt noch mehr, ist nur etwas aufwändig..

  5. Ilja Winther schreibt:

    für mich auch aufwändig zu lesen. aber gerade darum großartig. man lernt wirklich, das vieh zu lieben. radikalität wird unterschätzt.

  6. Maria Natt schreibt:

    ok nochmal zum hyperlink. ist vielleicht ganz witzig, aber wenn es um den text geht, geweinnt dieser dadurch nichts. man beginnt damit den text sehr runter zu reduzieren auf das was angeblich hinter bzw. zwischen den beiden textfragmenten stehen soll. die betrachtung minimiert sich auf die verbindung dieser teile. find ich eher schade.
    trotzdem ein verdammt interessantes spielzeug dieser hyperlink. der funktioniert aber auch nur digital. ausdrucken kann man den nicht, und es waere eher schade gedichte entstehen zu lassen die nur digital funktionieren, bzw. sich von technischen rafiniessen abhängig machen.
    das gegenargument waere jetzt natuerlich: der hinter dem hyperlinks versteckte text hat nichts mit dem original zu tun, bzw das gedicht ist nicht auf diesen zweittext angewiesen, wenn dem so ist greift aber (zumindest bei mir) die gute alte verwirrung.

  7. Maria Natt schreibt:

    MOMENT: ich glaube im hintergrund fiel gerade ein groschen.
    auf die verwirrung kommt es gerade an! oder?

  8. Ilja Winther schreibt:

    durch die hyperlinks geschieht nur nochmal ein bisschen plastischer, was der text sowieso tut und tun will: zusammenhang, sinn suggerieren, wo keiner ist und so den fokus auf die mittel lenken, die diesen scheinbar erzeugen. links sind konzeptionell ein ideales tristan-mittel. dass das den gesamten text so blau und unterstrichen machen muss, ist allerdings schade. knallige hervorhebungen über den text verteilt fände ich besser, nach dem motto: dieses wort ist jetzt wichtig, weil…

  9. Tristan Marquardt schreibt:

    Also ich hab schon Bock, einen Text hinter dem Text zu schreiben. Der irgendwie eigenständig ist, irgendwie was mit dem anderen zu tun hat, und aber auch eingeschränkt in seinen Mitteln ist – sowohl bei der Produktion (ich wünschte, ich hätte mehr konjugierte Verben zur Verfügung!) als auch bei der Rezeption (weil nur stückweise rezipierbar). Finds auf jeden Fall spannend, was, wieso und überhaupt. Kannst du damit Leben, Mary? :)

  10. Maria Natt schreibt:

    leben kann ich damit sehr gut. habe mich sehr amüsiert! ich kann mir das ganze auch einfach reinziehen und mich dann freuen oder nicht freuen. leider vermute ich hinter den dingen jeweils eine hoeher gelegene intention zu der ich noch nicht vordringen kann. deren verstehen aber anscheinend bedingung dazu ist sich ein bild von dem text zu machen.
    habe oft den eindruck ich muesste den text formal und inhaltlich ergruenden um damit mein entzuecken zu rechtfertigen, das gelingt mir bei dir so gut wie NIE. und trotzdem: entzueckung!… und verwirrung!

  11. Tristan Marquardt schreibt:

    also Mary, das ist doch eigentlich wunderbar. Und daran arbeite ich bei mir am meisten: Dass man nicht ständig das Gefühl eines höheren Etwas hat, das einem die Suppe versalzt. Was mich interessiert ist gerade die Arbeit an Bedeutung, nicht die Vermittlung höherer!

  12. Linus Westheuser schreibt:

    trotzdem ist das natuerlich immer dasselbe problem, und die aussicht, das innerhalb deiner herangehensweise zu loesen – und zwar fuer mehr als ein paar auserwaehlte – vielleicht tatsaechlich eher begrenzt.
    ich finde es naemlich auch konzeptmaessig eine ganz schoene infragestellung, wenn die infragestellung von sinn eigentlich immer nur dann richtig funktioniert, wenn man sie ebenso benennt und sie damit (zumindest logisch) ins bekannte und sinnvolle einbringt. so: ‚was soll das‘ ‚das negiert sinn‘ ‚achso‘. natuerlich ist das so einfach dann doch nicht und ich habe deine schreibweise inzwischen als sowas wie eine gebrauchsanweisung fuer eine andere art von denken sehr schaetzen gelernt. aber es ist schon so, als muesste man um die gebrauchsanweisung lesen zu koennen schon wissen, wie die maschine funktioniert, die sie ausdruckt, um das bild mal ein bisschen ueberzustrapazieren.

    letztlich ist das gedichtelesen eine technik wie autofahren oder apfelsinen auspressen und wenn mich ein gegenstand nach einer technik fragt, die ich nicht kann (wie gerade mein computer), dann lass ich ihn im allgemeinen liegen und frag im besten fall noch jemanden, der sich besser auskennt. die infragestellung ist in diesem ablauf zwar da, aber viel wahrscheinlicher als infragestellung der gedichtmaessigen faehigkeiten des lesers als die der kohaerenz seines weltbilds.

    und um vielleicht nochmal eine stufe weiter zu gehen ist das vielleicht generell das problem an deinem projekt die kontingenz in der erzeugung von sinn aufzudecken: dadurch genau dass die kontingenz ja tatsaechlich ueberall vorhanden ist, und dass wir im grunde jeden tag aufwachen und die eine sekunde, in der wir sie spueren, uns schon voellig fertig macht, dass wir also weiterschlafen oder zuflucht in die routine nehmen, oder dasitzen mit einer kaffeetasse und uns vorkommen, als waere der ganze kontingenzbeschneidungskampf des vorabends, die tiefen gespraeche und der kurze moment beim lesen, als auf einmal alles sinn gemacht hat, voellig wertlos gewesen, gemeinsam mit allen anderen sachen, die wir uns einbilden zu sein, weil wir also den ganzen tag mit nichts anderem beschaeftigt sind, als genau die voellige strukturelle offenheit aller dinge nicht nur zu verdraengen, sondern sie vor allem auch praktisch, durch unseren wecker und unser portemonnaie und unsere blicke, abzuschaffen, scheint es als waer der wille und die faehigkeit, die kontingenz zu bekaempfen und aufzuloesen eine der wenigen wirklich universellen eigenschaften von menschen, zumindest wie sie so rumwuseln.

    okay, aber was ist das problem? es ist eigentlich keins, weil deine gedichte ja so eine art betreuter abenteuerspielplatz sind, auf dem man auch jederzeit nochmal bei dir oder jemand anderem der bescheid weiss nachfragen kann, und sich deshalb eigentlich faehigkeiten und herausforderungen ahnnaehern. wenn man beides hat ist es dann einfach nur schoen. aber ironischerweise heisst das, dass genau diese voellig strukturelle, anti-persoenliche, verfahrensgestuetzte herangehensweise eigentlich in besonderster weise auf die persoenliche weitergabe der techniken angewiesen ist, die ihren genuss ermoeglicht. es sei denn natuerlich, die leute studieren sowieso linguistik.

    deshalb ist dieses projekt trotz allem niemals politisch, wenn man auch sicher politische erkenntnisse aus ihm ziehen koennte. aber das ist ja auch voellig egal, denn darauf war es ja, wenn man ehrlich ist, sowieso nie ausgerichtet (und muss es ja auch nicht). wie ich es verstehe funktioniert deine herangehensweise vor allem als kommentar und persiflage auf einen bestimmten hochkulturellen zugang zu lyrik. das ist gut, bedeutet aber, dass der als hintergrund schon stehen muss, damit man dann wiederum zu deiner verarbeitung und verarschung des ganzen zugang hat. wie gesagt, das ist alles kein problem an sich, es zeigt aber denke ich doch, dass der weg zu der art von ‚direkter‘ beunruhigung und infragestellung versperrt ist, die du ins auge zu fassen scheinst, wenn du sagst, dass deine texte die kontingenz von sinnerzeugung offenlegen wollen.

  13. Linus Westheuser schreibt:

    das gedicht finde ich übrigens ganz ganz fabelhaft.

  14. Ilja Winther schreibt:

    ich muss euch beiden widersprechen. dir, alex, weil deine arbeit aus meiner sicht nicht den primären zweck hat, „höheres“ oder sinn zu negieren. wie du ja sagst: du arbeitest nicht gegen die semantik sondern mit ihr und das heißt, alles ist möglich und soll auch möglich bleiben. wenn ich morgen behaupte, du schreibst christliche lyrik – warum nicht? bestimmt nicht, weil der text das nicht hergeben würde oder weil du mal ein anderes konzept vorgegeben hast. natürlich besteht ein großteil dessen, was du tust, im dekonstruieren von konventionell gültigem. ich finde aber, man darf die arbeit nicht darauf runterbrechen.

    ich lese, was du schreibst als experimentelle lyrik, im sinne von lyrik, der keine bestimmte absicht in der produktion vorangestellt ist, die sich selbst schreibt und dieses reflektiert. für mich ist diese form des schreibens die notwendige konsequenz eines kontingenzbegriffes, wie wir ihn haben. deswegen ist poetologisches in lyrik ja immer so eine sache, weil hier etwas vermittelt werden will. wenn du aber experimentelle lyrik schreiben und somit wirklichkeit versprachlichen willst, muss der leser selbstverständlich das gefühl haben, es gebe etwas zu verstehen. genau dann kommt ja das zur geltung, was linus die „universelle eigenschaft des menschen“ genannt hat.

    selbst ich habe, obwohl ich dein konzept kenne, das suchende lesen noch nicht abgeschaltet und denke, das ist gut so. ich bin der meinung, das problem ist, und hier widerspreche ich dir, linus, dass ganz im gegenteil ein hinterfragen ausgeschaltet wird, wenn man zu sehr in der linguistik oder rhetorik oder sonstwo steckt und nur einen fokus auf die technik lenkt. ich mag das unglaublich gerne und lese sowieso die meisten texte auf ihr Wie hin, dann flutscht es halt und hat nicht mehr viel mit hinterfragen zu tun. dann denke ich z.b.: aha, eine fingierte statistik. ok. das nächste mal, wenn ich was in der zeitung lese, bin ich vorsichtiger. oder: aha, dieser imperativ spricht mich aber an. immer wenn mich leute ansprechen, spricht mich das an. oder so. das soll ja geschehen – aber nur das?

    ist nicht das entscheidende die unbegreiflichkeit von wirklichkeit, um auch mal aufe kacke zu hauen, in ihrer tragik und komik erfahrbar zu machen und geschieht das nicht automatisch, wenn man nicht nur mal eine zeile, sondern viel, viel wirklich experimentelle lyrik liest? bei der hyperlinkgeschichte ist die gefahr, dass man in der dichotomie „schein und schwein“ denkt, da wir ja konkret zwei ebenen haben. eigentlich müsste man immer weiter schichten. eine technik, die eher der prosa zuzuordnen ist, wenn man’s konkret quantitativ betreiben will. wie auch immer. ich befinde mich jedenfalls auch aufm abenteuerspielplatz, aber bei mir ist keinerlei betreuung in sicht, auch nicht bei meinem eigenen kram.

    und wie kann so was nicht politisch sein? es kann nie nur politisch sein. aber politisch kann das sprengstoff sein. wenn du so willst, eine konsequent demokratische sache. machthaber legitimieren sich immer über eine deutungshoheit der wirklichkeit gegenüber. ich glaube, wenn man ernsthaft ironisch mit sprache arbeitet, muss immer ein kritisch-provokantes potential zurückbleiben. wenn das nicht in experimenteller lyrik zu finden ist, dann nirgendwo und umgekehrt. dass man als schreibender bestimmen kann, wie man selektioniert, in welche dikurse man eingreift, um sie transparenter zu machen und welche man so stehen lässt, ist die schlingelei der lyriker, die bock haben auf experimentell+politisch. aber so viel textintention sei einem text vergönnt. im idealfall ist sie trotz aller selektionsschlingelei auf einer metaebene angesiedelt, die explizit keiner position im diskurs zuzuordnen ist und sich so weniger angreifbar macht. das heißt, es wäre schon sehr verwunderlich, wenn bei einem experimentellen gedicht implizit ein bestimmtes parteiprogramm zu lesen sein müsste. wenn dem trotzdem mal so wäre, würde ich diese partei sofort wählen.

    • Ilja Winther schreibt:

      nachdem ich noch mal linus kommentar gelesen hab, noch mal in kurz, was ich vor allem sagen will: ich glaube, man muss kein „auserwählter“ und mit hochkulturellem zugang zu lyrik vertraut sein, um bei der lektüre kontingenz in der erzeugung von sinn zu erfahren. man muss sie nur lesen. 3x täglich. was man aus der erfahrung macht, ist ein anderer schuh. wenn man sich hermeneutisch betätigen will – nur zu.

  15. Tristan Marquardt schreibt:

    Ich bin ja ganz juhu über diese tolle Debatte, warte vor einem eigenen ausführlicheren Meld aber noch kurz ab, ob Illi Linus genug für eine prompte Replik gekitzelt hat. (Indes eine Preisfrage: Wo steckt das Kuckucksei? Tipp: Es steckt mittig.)

  16. rd schreibt:

    hypertexte sind schon sehr oldschool.eher was animiertes, tatsächlich interaktives (flash, html5…). bei dem man ohne das blaue, unterstrichene auch kein augenkrebs bekommt. visuell erstmal sehr anstrengend.

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