leierkasten

eine sekunde sandet auf
ein ton entrückt sich
kurbelnd reproduzierte
krümel eines kinderreims
taschen deiner latzhose

melomanie

taler du musst wandern
auf simpelstem klang
in allen westen uhren
tönen nach im überschritt
einer viel zu lauten dämmerung

 

 

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2 Antworten zu leierkasten

  1. Linus Westheuser schreibt:

    ich mag wie hier sovieles zusammen kommt – tanz, musik, der boden, der abend, die schneiderei und das lyrische ich – und miteinander in so eine art strudel geraten, weil das ganze nach keiner seite hin letztgueltig aufgeloest wird. das gedicht gibt sich ja selbst den hinweis, dass das alles „nur in bewegung“ hoerbar ist, und genau so geht es dann auch vor.

    bemerkenswert finde ich, neben der tatsache, dass das funktioniert, dass es mit so wenigen worten und so wenig glitter und oberflaechen-opulenz funktioniert, und dass diese leicht aufgespannte uneindeutigkeit und der tanz sich doch eigentlich in einer grossen gleichmaessigkeit wiederfinden, sowohl was die einzelnen zeilen angehen, die ganz fuer sich stehen und teilweise fast sproede sind, und andererseits auch von den durch die kursiven verse abgeteilten ’strophen‘ (wobei hier die frage waere, warum die letzte kuerzer ist).

    das gedicht ist damit fuer mich eine art schwermuetige meditation ueber einen an sich leichten tanz (und damit fuer mich direkt auch die zeit, wenn man das so sagen kann), in der aber das dargestellte unmittelbar mit dem ‚gedicht als gedicht‘ verbunden ist, das die bewegung und die fluechtigkeit nachvollzieht. dabei entwickelt es finde ich in bezug auf sich selbst sowas, das zwischen einem gefuehl und einem konzept liegt, mir aber in jedem fall irgendwie sehr sympathisch ist.

    einzig heikel finde ich den titel, weil der in meinen augen zu fett gewisse romantische bilder zitiert, was im text selber ja auch passiert (pirouetten und staubiges kleid etwa), aber da eingebundener ist und deshalb nach meinem empfinden ziemlich ohne weiteres durchgeht. was meinen die anderen?

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    Mich wundert, dass du nur im Titel zu viel Pathos siehst, Linus. Das „hier & dort“ im Mittelteil etwa und v.a. das „nur“ am Schluss schließen sich da doch, um im Bild zu bleiben, nahtlos an. Ich glaube, dass der Text noch gewinnen würde, wenn man das ein bisschen filterte.

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