neuland

dunkelgrüner holzverhau
über den klang gespannte
haut eines tausendfüßlers
die luft ein flattern: tanzt

auf den flügeln des großen
feuervogels der den boden
beatmet bis es glüht unter
den sohlen: sonst sind wir

verloren der raum dunkel
grün eine wiese morgens
lauert das licht uns auf
lassen wir nebel steigen

(für helene)

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Dieser Beitrag wurde unter Max Czollek, TEXTE abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu neuland

  1. Helene Könau schreibt:

    ich hatte erst nur beat-met gelesen, wie selten, wie schön

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    ich weiß, fusion-gedichte laden zu pathos ein, aber du bedienst dich da auch reichlich und an manchen stellen wird es mir too much: insb. letzter vers erste strophe (die erinnert mich sehr an meine alten gedichte), aber auch verbwahl, phönix und postapokalyptischer schluss.

  3. Max Czollek schreibt:

    hmm. darauf habe ich gewartet ;) die idee war, den pathos aufzunehmen, ihn sozusagen zum signifikanten des trips zu machen, der verstärkung des eindrucks usw.
    allerdings überrascht es mich, dass du „die luft ein flattern: tanzt“ für besonders pathetisch hältst. Da is mir der feuervogel viel peinlicher.

    ach, und das „tanzt, sonst sind wir verloren“ ist ein Ausspruch von pina bausch.

    vorerst harre ich nun also aus und warte auf andere pathoskommentare…

  4. Karl Große schreibt:

    Ich finde das Pathos nicht zu unerträglich, aber der tausendfüßler ist irgendwie kindisch (im Sinne von: Bunte Kinderbücher) und nicht erhebend. Zumal der ja eher so ein marschierendes Wesen ist und jedenfalls nichts flatterhaftes an sich hat. Und seine Haut über etwas spannen? Nicht viel dran an so nem Käfer. Wie wäre es mit einem Bienenschwarm? Die tanzen ja auch ;-)

    In der zweiten Strophe finde ich das „auf den Flügeln“ komisch, das klingt eher nach Phoenix-Mord, vielleicht eher „unter“? Und warum beatmet der Phoenix den Boden, er ist doch kein Drachen. Scharren Vögel nicht eher (wie sozusagen auch die Tänzer)? Vielleicht hilft es auch eventuell die Pathetik zu reduzieren, wenn der Feuervogel nicht auch noch „groß“ ist.

    Der Schluss ist vielleicht ist nen bisschen New Age. Vielleicht Statt der Nebel was klangliches (zwitschern, tinitus)?

  5. Tabea Magyar schreibt:

    Ich finde es liegt kein Zuviel des Pathos vor. Klar, es ist pathetisch – aber Pathos ist geil!

    – „lassen wir den nebel steigen“ finde ich sehr schön.

    – Der Tausendfüssler, ja nun. Da kann man verschiedener Ansicht sein würd ich sagen. Ich mag das Bild, weil es so für mich ein pralles Gespanntsein evoziert: Die Luft birst gleich vor Klang.. und „die luft ein flattern“ schliesst sich da irgendwie gut an (auch die Haut könnte flattern).

    Allerdings bringe ich den Anfang und den Schluss nicht ganz zusammen: Da ist am Anfang eine Verortung „dunkelgrüner Holzverhau“ von der ich nicht ganz verstehe, welche Rolle sie in dem Gedicht spielt. Ein Holzverhau wäre doch eher etwas, worin ein begrenzter vielleicht enger Raum ist und diese Art von Raum scheint für den Rest des Gedichts keine Rolle zu spielen, trägt nichts dazu bei.

    In der letzten Strophe dann nochmal eine Verortung: zunächst dunkler raum, dann dunkelgrüner raum, dann eine grüne wiese, dann morgenfrüh auf der wiese. Hier wird das dunkelgrün vom Anfang wieder aufgenommen, also Ortswechsel? – Aber wie gesagt, da ich den Holzverhau vom Anfang nicht einsehe verstünde ich auch den Ortswechsel nicht.
    Und dann scheint hier auch noch eine Wechsel von Nacht zu Tag/Licht/Morgen bzw. Dunkel zu Grün stattzufinden – diesen Wechsel finde ich etwas unmotiviert, falls es zuerst um Nacht und dann um Morgen geht, denn dann wird der Nacht sehr wenig Platz im Gedicht eingeräumt, so dass ich sie weglassen und gleich zum Morgen gehen würde.
    Falls es tatsächlich nur um den Umbruch Tag/Nacht geht hmhm ja dann… weiss auch nicht. Dann finde ich wohl trotzdem, dass die erste Zeile der letzten Strophe nicht sehr zum Rest der letzten Strophe passt.

  6. Max Czollek schreibt:

    also irgendwie finde ich es schwierig auf diese beiden Kommentare zu antworten, weil das so nah an eine Erklärung des Gedichtes ranreicht. ich will aber meine Gedanken zu euren Gedanken skizzieren: vielleicht geht es um exzessives tanzen (Feuer unter den Füßen), dunkelgrün könnte irgendeine Farbe sein, die dem lyrischen Ich ins Auge fällt, Holzverhau die Enge, vielleicht aber auch ein Lautsprecher oder irgendeine Konstruktion, die der Ausgangspunkt ist für die Assoziationen; das hängt zusammen mit dem Trip, den ich dann angedeutet sehe. In diesem Fall zeigt er sich als Mystifizierung (Tausendfüßler, Feuervogel, Nebel) und vielleicht auch in einer gewissen assoziativen Verschrobenheit und Pathos. Kindisch finde ich in diesem Zusammenhang dann auch ok.
    Ob am Ende Morgen ist oder nicht, das lyrische Ich imaginiert eine grüne Wiese, über der Nebel aufsteigt. Vermutlich hat es so lange getanzt, dass es so ist, als würde ihm/ihr das Licht auflauern.

    • Tristan Marquardt schreibt:

      also mäx, mit dieser art von kommentar-ansatz hab ich ja schon länger ein problem: es gibt keine erklärung des gedichts. es gibt höchstens deine eigene leseweise und die gedanken, die du dir beim schreiben gemacht hast, die aber weder beim leser/bei der leserin vorauszusetzen, noch ihn/sie jenseits von dem interessieren müssen/können, von dem was im text passiert. ich weiß, das mag jetzt sehr banal klingen, aber der einsatz deines kommentars spielt schon wieder auf so etwas an, was jenseits des textes liegt und ihn eigentlich ausmacht. klar, kann man einen text genauer und ungenauer lesen, aber mehr nicht. das problem hab ich übrigens nicht nur hier, sondern auch auf lesungen oft, wenn vor dem text allerlei infos zu ihm gegeben werden, hintergründe und anlässe etc. das finde ich immer schon eine art armutszeugnis, wenn der text das nicht selbst schafft. deshalb: du kannst sagen: ihr habt nicht genau gelesen, aber nicht: um darauf antworten zu können, benötigt man die erklärung des gedichts.

      • kobo schreibt:

        wenn ich hier mal eine nebenbemerkung machen darf: bei zwischenreden während einer lesung geht es doch weniger um texterklärung als um das austarieren der situation, also um die einbindung des kontexts, kollektivierung. gequatsche fürs auslockern, weil so eine lesung, gerade bei wenig narrativen stücken, beim hören anstrengt. so eingeschobene loungemomente, die um leser und hörer einen verbindenden raum herstellen, die abschweifungen einfangen, die körper zurückholen können. verkörperung. es geht um uns, die wir gerade hier zusammen anwesend sind und wie wir uns miteinander da durchbewegen, an diesem text entlang. und auch weil verstehen über die ohren anders funktioniert als über die augen beim lesen, weil das in andre hirnregionen eincheckt, die näher an emotionen sind und es weiter haben zur ratio. sibirische birnchen.

    • Tristan Marquardt schreibt:

      zur randbemerkung: wenns nur das ist, bin ich völlig dabei. aber ist es wirklich immer nur das? ich bin mir da manchmal nicht so sicher.

      • kobo schreibt:

        nein. manchmal isses auch einfach nur murks zur vertuschung eines schwachen gedichts, da bin ich mir sicher :)

  7. Max Czollek schreibt:

    nö. da hast du völlig recht. die frage ist: lasse ich so etwas stehen oder erkläre ich meinen Ansatz. Für mich heißt das auch: ich kläre auf über meine Poetik. Und darum geht es ja auch, oder?! (das eine Lesung nicht der passende Ort dafür ist, ist allerdings klar)

    Und mal am Rande: dieses Tabu, dem eigenen Text noch etwas hinzuzufügen, setzt die lückenlose, fehlerfreie und konzentrierte Lektüre der anderen Person voraus. Sie konstrutiert einen Leser/ein Subjekt, das es so nicht gibt! daraufhin schlägt dieses Tabu dann sehr schnell um, dass eine Oberflächlichkeit oder Wissenslücke beim Rezipierenden dem Text angelastet wird: „ach, so ist das gemeint, dann ist der Text noch nicht deutlich genug“. Das finde ich ziemlich einseitig und verstehe auch nicht die Forderung, die dahinter liegen soll. Es schmeckt mir alles ziemlich unkritisch, dem Lesenden gegenüber. Als historische Position ist mir das klar (Zerstörung der Autorität des Autors), ein Gleichgewicht zwischen Schreibendem und Lesendem erzeugt es in keinem Fall! Eine andere mögliche Perspektive wäre: ich möchte auch gern etwas lernen, wenn ich es nicht gleich verstehe. oder?

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