(ohne titel)

ich sage wir treffen uns vor einem baum
bis zum hals im untergrund
muss man sich wunden denken
verästelter stoff für berührung:
ich war einer falltür aufgesessen
im grunde der begegnung
steht der birnbaum so blau

oder wie man sagt: die bäume biegen
bis dann ein vogel vorprescht die menge
macht ah und die ärzte steigen herab
verteilen eine farbe dann geht es besser
dann geht man besser nachhause

in schalen trümmern am tisch: die küche
mit gefieder von falten und zwei
wo einem der kopf an platanen gesetzt
diese regelrechten schärler im hof sehen sie:
räuber förmlich so bimsig so haltlos so
wund dass ich mich wieder bloß feste an rinden heften
könnte und so nicht von dauer werden

wie zwiebackschiffe nämlich: unendliche dichte
dass die küchenuhr aufhört zu schlagen schau
diese räuberische stille
diese gegenständlichkeit und dann
frei genommen sechs jahre
emails und milch marimba dann gewartet
schwache signale: die bildersuche kaum
einen einzigen finger berührt

ich habe dann krustentiere ersteigert
im zimmer verteilt mich getragen bezogen
die konturen rieben sich ab ich ging
lernte schielen und sah mich wieder
in stereo drunt‘ in der au vereint
die rinden tulipan

nur als dann doch einer kam
in der federjacke die lunge am baum entleerte
da hab ich meine einritzung gleich wieder verscherbelt
bloß aus der ferne re-morse gemacht
auf irgendeinen leib zu die tasten im klo
geflattert: hier nacht hier nacht
hier seeglocken so
gurken verstreut  noch alles ein bisschen
vorhanden ja aber das holz an der wand
das werd ich schon bald auf die straße legen

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7 Antworten zu (ohne titel)

  1. Linus Westheuser schreibt:

    hier wären mir kommentare sehr lieb

  2. Ilja Winther schreibt:

    linus, der text gefällt mir unglaublich gut! die überarbeitungen sitzen, du hast mit zitat und mehr schlichtheit dafür gesorgt, dass man den text mögen muss. vor allem imponiert mir, wie das gedicht es meistert, im narrativ zu springen, teilweise so hermetisch und gleichzeitig so lang zu sein und auch noch marimba und gurken ganz sanft und feinfühlig unterzubringen. nach verbesserungsvorschlägen muss ich gerade suchen.

  3. paulaglamann schreibt:

    ich schließe mich dem winther an, in dem text funktioniert für mich so einiges. ich geb dir trotzdem mal die stellen, an denen ich nicht sicher bin:
    vers 5: „von oben her“

    strophe 3: „hier bricht die szene“ (die ersten 4 verse von strophe 3 lassen mich insgesamt eher leer)

    strophe 4: „unendliche dichte“, „gegenständlichkeit“, „bildersuche“ (die effekte von „g“. und „b.“ finde ich gut, beim zweiten mal lesen störts mich nicht mehr, aber es kommt ein bisschen klobig, vielleicht geschmackssache)

    strophe 5: vers 4-8 lassen mich wieder ein bisschen stehen;bei „hier nacht, hier nacht“ bin ich wieder voll da, nur das „organisch“ stört ein bisschen

    ansonsten hänge ich mitten in den bildern und fühl mich wohl.

    „ich ging raus lernte schielen und sah mich wieder“

  4. Max Czollek schreibt:

    hmm. also ich bin nicht so voller euphorie wie clemens. was passiert in dem text? warum ist der so lang? und was genau machen die tempi im text? will sagen: die situation mäandert so zwischen konkret („falltür einer glücklichen begegnung“) und abstrakt („hier bricht die szene“ oder „diese gegenständlichkeiten“). das scheint mir dann in verbindung mit den verschiedenen zeiten, der formalen aufteilung, dem gebrochenen (?) narrativ und der schieren länge des textes überfrachtet und ungewollt fransig (und es ist ja eine besondere herausforderung, einen langen text nicht absichtslos fransen zu lassen und dennoch durch komplexität zu rechtfertigen).
    dann noch eins, zwei kleinigkeiten: die „unendliche dichte“ finde ich nicht gut. „dann bricht die szene“ auch nicht – zu einfach gelöst, zu programmatisch, vor allem, wenns in dem text um eben dieses zerbrechen gehen soll.
    geht es darum? aber da bin ich mir eben nicht sicher, weil der text viele dinge anreißt und wenig innere geschlossenheit zeigt. damit habe ich weniger den eindruck, hier wird komplexität oder ein scheitern oder irgendeine falltür (einer glücklichen begegnung) verhandelt, sondern der text ist sich selbst noch nicht einig.

  5. Tristan Marquardt schreibt:

    ich habe gemischte gefühle. der text strotzt nur so vor guten ideen und schafft es, wie ja schon betont wurde, trotz eines sehr breiten bildspektrums den faden nicht reißen zu lassen, aber, und das ist wohl das hauptproblem, nur fast. ich muss zugeben, dass es schon einiger konzentration bedarf, um durch das ganze durchzukommen, zu oft büßt der text seine prägnanz ein. will sagen: ich habe das gefühl, dass die länge mehr einem großen ausdrucksbedürfnis geschuldet ist und weniger dem inhaltlich verhandelten. deshalb muss ich max beipflichten, dass ich noch mal kürzen würde, und zwar kommen da in meinen augen eine ganze menge an stellen in frage: die szene würde ich an beiden stellen weglassen; strophe 1, vers 5 ist mir zu krude und bremst das lesen; 1,7 ist an sich schon tendenziell too much und erst recht nach der berührung kurz vorher; 2,2 fällt gegenüber dem rest der tollen strophe ab; 3,7-9 könnte man vielleicht sogar ersatzlos streichen; 4,1 ist mir wieder too much; 4,2-3: die dopplung ist wieder ein ziemlicher bremseffekt; 4, 8 kommt mir beim lesen immer wieder schon wie ein ende vor, gefolgt vom „ach, es geht ja noch weiter“-effekt; 5,1-3+5 fallen gegenüber 5,4+6 ab; 6 könnte insgesamt prägnanter sein, erstens bremst die dopplung wieder, zweitens sinds wohl zu viele füllwörter: wirklich, schnell wieder, bloß, irgendeinen, verschiedenen, 3x hier, so, noch, ja aber, schon bald.
    ich glaube, wenn du das allgemein verdichtest, kommen die viele großartigen ideen noch mehr zur geltung. mich würds freuen.

  6. Linus Westheuser schreibt:

    vielen lieben dank für diese präzisen kommentare. ich habe glaube ich alles übernommen und stell das so aktualisiert schon mal hoch. was darüber hinaus noch aus dem text wird, muss ich mal sehen.

  7. Lea Schneider schreibt:

    „dann geht es besser /
    dann geht man besser nachhause“
    ist ja wohl mal die großartigste zeile des monats!
    (sorry, nicht sehr produktiv – aber begeistert)

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