flug.prahler.bahnen.

die rede des stadtrats teilt die zuhörer
entzwei. niemand glaubt, die malerei
habe tatsächlich ihre kinder gefressen.
als ein verstockter bahnwärter über die

schleuse hastet, flattern anderswo
pamphlete selbstvergessen durch das
gedränge. wenn man genauer hinschaut,
hat stolz nur scheinbar etwas porno-

graphisches, worauf der junge hässlich
lacht und an den armen der mutter
reißt. ich bin nicht aus holz geschnitzt,
aber ungeduldig gegenüber regen.

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7 Antworten zu flug.prahler.bahnen.

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    dieser tolle text befolgt (vielleicht nicht zufällig) den großteil der der „zehn thesen zur windischen lyrik“ (aus: ulf stolterfoht, handapparat heslach, roughbooks 18, S. 50f.), die so großartig sind, dass ich sie hier mal festhalten muss:

    1) beschränke dich aufs gedicht – prosa können andere besser.

    2) schreibe unverständlich, aber gut.

    3) bilde nicht ab, beziehe dich auf nichts. der teufel hat die referenz gemacht.

    4) vermeide titel – sie schränken dich ein und unterbrechen den fluß.

    5) in langen zeilen bringst du mehr unter als in kurzen. der feind ist das weiß auf der seite.

    6) rhythmus muß, reim darf sein. zeilenbruch ist kein sinngenerator.

    7) bedenke beim schreiben, daß du – aus honorarinteresse oder geltungsbedürfnis – gezwungen sein könntest, dein zeug auch laut vorzulesen. handle danach.

    8) schreibe streng elitär. sollte man die aber „elitäres schreiben“ zum vorwurf machen, bestreitest du es vehement. lege dir diesbezüglich argumente zurecht.

    9) kleide dich unauffällig bis nachlässig, komm insgesamt eher abgerissen rüber. alles andere könnte man dir als arroganz auslegen.

    10) „mein gedicht spricht für mich“ sollst du erwidern, wenn man dich um stellungnahme bittet. fragt man dich jedoch nach deiner politischen einstellung, darfst du ausnahmsweise mit „radikal links“ antworten.

  2. Maria Natt schreibt:

    ob ich es sein soll oder nicht ist egal es ist wie es ist ich bin gerührt

  3. Max Czollek schreibt:

    interessanter text. wirklich.

    zwei, drei anmerkungen, auch in bezug auf stoltis wunderbare liste:
    (1) reime könne, müssen aber nicht. „entzwei“ auf „malerei“ muss nicht (würde ein anderes wort für malerei suchen). „gefressen“ auf „selbstvergessen“ finde ich klanglich super, auch, weils das gedicht zusammenhält!
    (2) der zeilenumbruch bei „scheinbar“ sowie die ganze position des wortes erfreuen mich nicht so sehr. mir ist die funktion bis auf die platte nichts-so-wie-es-scheint und ich-nehme-alles-zurück bedeutung nicht klar. letzteres wäre doof.
    (3) am ende der regen scheint mir etwas platt, so eine art versatzstück. (denke da an die toten hosen: wann kommt der regen?). vielleicht etwas, was mehr aus dem gedicht heraus entsteht. nicht stringent, aber fresh.

  4. Ilja Winther schreibt:

    Beim Vortrag kann man sich natürlich dafür entscheiden, den reim mitzulesen, das ist ja nur eine frage des rythmus, der reim drängt sich aber bestimmt nicht auf und kann vernachlässigt werden. was den zeilenumbruch betrifft, verweise ich auf these 6, was die syntaktische stellung des „scheinbar“ betrifft, bin ich mir noch nicht sicher, weil ich immer das gefühl hatte, eine abweichung fällt nicht sonderlich auf oder wird nach mehrmaligem lesen nicht mehr als solche wahrggenommen. beim regen stört dich, max, wahrscheinlich mehr, dass es sich um ein beliebtes gedicht-wort handelt und weniger die versatzstückhaftigkeit. letztere müsstest du dann zumindest dem rest des textes auch vorwerfen.

  5. Max Czollek schreibt:

    einspruch was den reim angeht. der drängt sich mir auf. ich würde fast sagen: objektive aufdringlichkeit ;) und was die these 6 angeht, verweise ich auf „zeilenumbruch ist KEIN sinngenerator“. bei dir scheint mir da genau das zu passieren: „hat stolz etwas pornographisches nur“ – zeile vorbei – „scheinbar…“ ACH SO!!! alles zurück gerudert. auf anfangsposition. war alles nur scheinbar. (syntaktisch funktioniert das, keine frage, aber gerade der zeilenumbruch…)

    was den regen angeht, hast du vermutlich recht. vor allem ist der regen aufgeladen mit revolution/ende/alles aus etc. das dann am ende des gedichtes schien mir ungewollt überfrachtet. Stünde das in der mitte des textes wäer das nicht so.

  6. Ilja Winther schreibt:

    ok, was das „scheinbar“ angeht, hast du recht, da denk ich noch mal drüber nach. die reim-frage können wir ja am sonntag ncoh mal gemeinsam entscheiden, ich les dir den text so reimlos vor, dass dir die ohren schlaggern werden. aber selbst mit gelesenem reim bin ich d’accord.

  7. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    auch gegen scheinbar! jup! der text ist viel zu gut für dafür, er braucht gar nichts zurückzunehmen!

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