die werften der welt sind traurig

unterm tag liegt etwas geschürftes
in nesseln ein restloses türkis
gequetscht von kinderhänden
am morgen: zwei abwesende anrufe
wir oder ich steigen in die kapseln
runter runter, die seeschlacht
ein memory aufgeklappter wunden im auto
im schalbau, rundweg- acryl in den augen,
den traurigen werften, im brustkorb federn
die beine aus filz

ich möchte dich anfassen
dir was hinstellen, das morgens
und abends goodbye sagt und stoff gibt
ein obenrum abgeschmiergelter cowboy
oder diese zwei kühe- sie tragen milch
in den zähnen, auf ihren rücken
liegen falsch transplantierte flügel

(und die datentürme, in den geschäften, usw.)
und dann vor der tür von den wolken befallen sein-wir
sind alles das, was wir vergessen haben
unser mund lagert schürfrechte ein
tausend ausgehöhlte blüten
aus den kanonen tropft die farbe die hand
fährt darüber und bremst

türkis, türkis

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2 Antworten zu die werften der welt sind traurig

  1. tuffatrummor schreibt:

    der anfang dieses gedichts erinnert mich ein wenig an øyvind rimbereids „solaris korrigert“, dessen sprecher als aufseher einer robotergruppe unter dem meeresspiegel arbeitet. das ganze spielt in ferner zukunft an der westküste norwegens. „wir oder ich steigen in die kapseln“ ist für mich ein indikator dieser futuristischen seewelt, die dann auch noch durch die „seeschlacht“ ergänzt wird. (wer rimbereid kennt, weiß, dass der sprachlich sehr gerne ‚durchdreht‘ und das norwegische mit alten nordischen formen, dem englischen usw. vermischt.) trotz beinahe zärtlicher stellen wie „ich möchte dich anfassen“ ist dieser text sehr disparat, was ihn aus seiner bodenständigkeit heraushebt; dazu tragen auch wunderlich schiefe bilder wie „die seeschlacht / ein memory aufgeklappter wunden im auto“ bei, die zwischen surrealismus, pathos und peinlichkeit schwanken. dass das setting des textes demzufolge zwischen maritimer, ländlicher und großstädtischer atmosphäre wechselt, ist demzufolge nicht verwunderlich, das verdeutlicht jedoch eine reisebewegung der lyrischen sprecher.
    ich kann jedoch nicht umhin, dieses gedicht als ‚disparat mit einigen gelungenen bildern‘ zu beschreiben. es fällt für mich an diesem punkt auseinander. es macht zu viele räume auf. ich kann keine orte finden, die ich länger besichtigen will, weil ich zu schnell daran entlangfahre.

  2. Anonymes Flusspferd schreibt:

    Das ganze Gedicht erscheint mir irgendwie, wie eine brutale Romantik „gequetscht von Kinderhänden“ „abgeschmirgelter cowboy“ „falsch transplantierte flügel“ „tausend ausgehölte blüten“. Alles träumerische Worte, die durch das Adjektiv niedergeschmettert werden.
    Klingt immer wieder, wie ein Gefühl nicht man selbst zu sein. „wir sind alles das, was wir vergessen haben“. Dennoch findet kein Kampf statt oder Verzweiflung im direkten Sinne. Auch nicht direkt ein starker emotionaler Ausbruch.
    „Wir oder ich steigen in die Kapseln“ vielleicht doch eher die gefühlte Realität?

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