[läßt sich aufschaukeln]

läßt sich aufschaukeln, die farbe des holzes geht mit der farbe
des tisches immer auf tuchfühlung. sie können nicht ohne.

nicht die schatten, erfindung des bodens. hier fühlt der tisch
sich aufgehoben. sie sagen: zwischen schatten und boden,

da passt kein papier, kein tasten, mehr durch. da kommst du
nicht ran. dann musst du schlafen gehen, ohne zu duschen,

weil der verlust des gedankens, duschen zu wollen, schwerer
wöge. um überhaupt alles nicht zu tun, als hätte man es getan.

wenn ich bspw. meine hand vergesse, tue ich so, als hätte ich
sie nicht vergessen. denkzettel für die erinnerung: der tisch, die

hand, ein griff zur tür, die nach hinten führt. hinter ihr, denke
ich, eine seife. sie vermag alles zu waschen, außer sich selbst.

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7 Antworten zu [läßt sich aufschaukeln]

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    very work in progress, dankbar für jede replik.

  2. hast du den text verändert, seit du ihn gepostet hast? und wenn ja, kannst du bitte nochmal die ursprüngliche version hier drunter posten? ich würde gern den vergleich haben.

    • Tristan Marquardt schreibt:

      nein, wurde nichts geändert bisher

      • also ich mag viel an dem gedicht. der tisch, die schatten, die seife, diese simplen motive (bei denen mich interessieren würde, was max dazu sagt! ich sag nur: duschen) fügen sich insgesamt in sätze, die interessant wirken, die auch insgesamt einen sprechmodus entfalten, der gut funktoniert (das seltsame ineinandergehen von klagendem und spielerisch ironischem tonfall, die umfassende skepsis, das spiel mit der ontologischen/wahrgenommenen differenz bzw. indifferenz)
        was mir dann negativ auffällt, und zwar so negativ, dass ich das gedicht nicht vollends gut finden kann, ist wiederum die völlig ausufernde verwendung der personalpronomen: dieses „sie können“ (als personifikation eigentlich noch schön), „sie sagen“, „du musst“, und dann doch noch die plötzliche „in-your-face-installation“ eines lyrischen ichs (und ja, hier kann man nun wirklich von einem lyrischen ich sprechen). in verbindung mit dem von mir gelobten sprechmodus – der nämlich von anfang an einer singulären und intakten sprechinstanz zuzurechnen ist – wirkt das unausgereift und widersprüchlich. hier wird meiner meinung nach keine perspektivische indifferenz oder multidimensionalität vorgeführt, sondern höchstens referiert. die etwaige perspektivische spannung, wenn sie denn als solche gedacht ist, wird ja in den letzten 4 zeilen, die im übrigen die stärksten zeilen des gedichts sind, als illusion bzw. als epistemisches dilemma entlarvt. So wirken v.a. das „sie sagen“ im 4. vers und das „du“ in vers 5 und 6 oder auch das „man“ in vers 8 auf mich wie subjektivistisch aufgeschaukeltes (!!!) und den leser letztendlich für dumm verkaufendes füllmaterial.

  3. Lea Schneider schreibt:

    Florian Zimmer-Amrhein :

    diese simplen motive (bei denen mich interessieren würde, was max dazu sagt! ich sag nur: duschen)

    Uhoh, Flo. Ich weiß, du willst darauf eingehen, dass „Duschen“ als KZ-Symbolik-konnotiert gelesen werden kann (und das ist sicher ein wichtiger Hinweis, den Text nicht so naiv zu rezipieren, wie er sich erstmal gibt), aber diese deine Aussage finde ich, sorry, echt blöd. Das muss doch nicht sein, jemanden, in diesem Falle Max, so sehr auf ein Stichwort/Thema festzulegen, das dann eben auch bloß noch zur unterkomplexen Chiffre wird, sodass es gar keine Reflektion, sondern nur noch ein „Ah ja, ich weiß schon, worums geht“, ein intellektuelles selbst-auf-die-Schultern-klopfen beinhaltet. Find ich nicht gut, das. Und was dann an einem so aufgeladenen Symbol noch simpel sein soll (und wieso du grade Max Texte mit „simplen Motiven“ verbindest), versteh ich dann auch nicht.

  4. Tristan Marquardt schreibt:

    well. natürlich find ich den hinweis mit dem duschen auch ziemlich übertrieben, trotzdem freue ich mich eigentlich über die frage, was das denn für dinge sind, die in dem text so thematisiert werden. es sind ja gänzlich profane nomen und verben, die aber, weil sie so allgemein sind, andererseits je ihre eigene gebrauchsgeschichte in sich tragen. mein anliegen, und das scheint ja ansatzweise funktioniert zu haben, war ein gänzlich ahistorisches: jetzt habe ich also diese dinge vor mir und was ist das eigentlich. unklar, also einfach mal behutsam konstruktivistisch annähern. seife? zum waschen. aber warum kann seife nicht sich selbst waschen? was sagt uns das über das waschen? etc. diese form von perspektive auf völlig „banale“ vorgänge interessiert mich gerade mal wieder sehr. „sind“ die dinge einfach so oder was soll das eigentlich? irgendwie wollte ich der fremdwortaffinen, satzverschränkenden etc. weise, wie ich mich dem sonst annähere, eine behutsamere variante beifügen.

    unsicher bin ich deshalb, flo, was die personalpronomen anbelangt. du hast mich auf frischer tat ertappt. keine klare perspektive einzunehmen, sondern die vorgänge als vorgänge zu greifen und dafür aber nicht in so einen sachlichen infinitivton zu kippen, sondern einfach zwischen dem personal zu changieren. die hoffnung war natürlich, dass man dem text das einfach abnimmt. ich selbst hab beim schreiben kaum drauf geachtet, um es nicht bemüht wirken zu lassen. das tut es für dich nun ja offensichtlich, und das ist schon ein problem. vielleicht hol ich mir da einfach noch ein bisschen mehr feedback ein und schau dann nochmal. das zu ändern, ließe sich ja wahrscheinlich relativ umstandslos machen.

    • vlt hätte dem klammereinschub, der eigentlich humorvoll gemeint war, ein smiley gut getan. dass es mir völlig fern steht, hier irgendjemanden (und schon mal gar nicht max) persönlich anzugreifen, auf irgendetwas zu reduzieren oder somstwie ans bein zu pissen, sollte doch hoffentlich klar sein. mir ging es einzig um den text und darum, eben auf das hinzuweisen, was du (tristan) dem kommentar im übrigen ja auch entnommen hast.
      zum 1. punkt: eben! die besagten wörter werden hier in einer grundsätzlichkeit auf ebenso grundsätzliche dinge bezogen, sodass die frage gestellt werden muss, inwieweit es sich hier um ein profanes oder naives sprechen handelt und wo der text damit hinwill. ich finde zb, dass der text in seiner sprachlichen schlichtheit nur deshalb funktioniert, weil er auf inhaltlicher ebene sehr basale dinge anspricht, die jedoch weit über die benannten gegenstände hinausweisen (dh. va. in philosophische sphären). so entwickelt sich ein sehr interessantes spannungsverhältnis zwischen sprachlicher Banalität und inhaltlicher Tiefe. ich habe das ebenfalls als überraschend neuen ansatz bei dir aufgefasst.
      bei dem anderen punkt hast du freilich recht. ich empfehle dir einfach nochmal zu schauen, ob und wie du „personal“ in diesem gedicht installieren möchtest. meine anmerkung zielte dahingehend, dass von personal in der jetzigen version des textes kaum ide rede sein kann. meiner meinung nach liest sich das gedicht fast nur als zusammenhängender text, dh. aus einer einzelnen Perspektive, aus einer universellen sprechinstanz/einem lyrischen ich heraus. insofern ist mit „du“ und „man“ hier ebenso „ich“ gemeint und das lässt v.a. dieses so kokett unbestimmte „man sagt“ wie eine überflüssige floskel wirken.
      summa summarum: ich bin auch bei diesem gedicht für weniger personal und generell für mehr reduktion und konzentration des sprachmaterials

      in liebe und bester absicht :)

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