[zucker, zucker, lange hand]

zucker, zucker, lange hand. kommen sie, einen garten anmieten,
sein mehrwert liegt in der potenz. ich setz sie in szene: regenrinne
hinterm haus, ihre nassen arme, nackte haut. ihre haut als mode,
ihre mode als schrei. weis sie ein in die kunst unterirdischer beete.
in krumme finger, symbolisch tief in schichten drin. bin eigentlich
inselkind, so wie darwins zebrafinken, am ende lebten die polygam
in clustern zusammen. hören sie, wie gefühle sprechen. unterstellung
von logik, logik als spur. schrumpelige rüben, süße blüten. warum nicht
alles gleich behandeln? umwelt, einfluss: diese ernte ist programm.
ich hab sehr viel in sie investiert. hab sie beinah lieb gewonnen.
ach, wie wir im regen stehen. so machen sie doch ein bisschen mit.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Friederike Scheffler veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu [zucker, zucker, lange hand]

  1. ché schreibt:

    HAHH, schon wieder dieser „kommen sie“/“hören sie“/“sehen sie“-ansprache-murks. :( der macht auch die letzte zeile humpeln. und lieber nicht zuckerrüben, wo vorn doch schon doppelter zucker steht. rüben reicht. sie ham ja eh noch das süß. aber global so ziemlich zucker, frau scheffler.

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    will sagen: kommen sie mal, versetzen sie sich, hinein. z.b. was rehling mit ihnen macht, albatros, seine reine, flauschige idee. sehen sie sich also einmal an: das könnten jetzt wirklich auch tiere sein. believe me. probieren geht über.

    …überall dieser murks. und doch habe ich ein ähnliches problem: der effekt der ansprache wird hier vollkommen for real genommen, genauso wie in scheffler-gedichten ganz vieles for real genommen wird. so viel vertrauen in die intensität, so viel vertrauen in die adressierung. starke sprache, könnte man sagen. vielleicht fehlt mir da der touch unsicherheit, ob das, was man da sagt, überhaupt funktioniert. ob das sagen überhaupt funktioniert. ob es überhaupt funktionieren soll. stattdessen: „hören sie, wie gefühle sprechen. […] diese ernte ist programm.“ das ist alles aufgehoben in rhythmik und präzision, und doch werde ich den verdacht nicht los, den ich schon beim rostock-gedicht hatte: dass ich dem nur folgen kann, wenn ich ihm auch zustimmen kann. ich werde zwar ins boot geholt, aber wohin die fahrt geht, ist schon völlig klar. der text sagt: „machen sie doch ein bisschen mit.“ ich sage: ja gerne, aber nur, wenn ich die fahrtbedingungen mitbestimmen darf. ein bisschen relationship, bitte. oder mit herrn westheuser: „hey. hey du. das entscheide ich nicht allein.“

  3. Friederike Scheffler schreibt:

    frau seel, herr marquardt, dank euch. und ich weiß ja, ja, der ansprachen gestus, oft gebraucht und nicht unproblematisch. und trotzdem: hier möchte ich ihn gerne gebrauchen, da er nicht bloß wie so oft geste bleiben soll, sondern weil ich ihn, wie herr marquardt das nennt, “ for real“ nehme. es geht mir um die weiterführung dieses gestus, nämlich tatsächlich die (schreib)haltung (an den leser): „machen sie doch ein bisschen mit“ als (auf)forderung. und eben genau der darstellung von einerseits ehrlicher, aber auch ambivalenter beziehungsforderung an sich und einem sich hier stark positionierenden ich. dies soll beim du/ beim leser zu einer irritation bis hin zu einer provokation führen, die sie_ihn im besten fall aktiv werden lässt, so dass eben genau die von herrn marquardt beschriebene „ich will mitbestimmen“ stimmung aufkommt.
    ?!

  4. Helene schreibt:

    “ schrumpelige rüben, süße blüten. warum nicht
    alles gleich behandeln?“ grossartig. ich mach mit.

  5. Martin Piekar schreibt:

    Hallooooo,

    Also, was ich sehr an deinem Text mag Friederike, das sind die Wiederholungen, die aber nur Wortwiederholungen sind und einen ganz anderen (Sinn)Inhalt tragen. Gefällt! Hat mir bei jedem Lesen erneut Spaß gemacht. Wirklich. Die Ansprache in Gedichten ist eben etwas Messersschneide. Du willst, dass der Leser irritiert wird, gradezu provoziert wird, mitzumachen. Wundervoll absurd, bei etwas mitmachen zu wollen, was man eigentlich nicht ändern kann – das Gedicht, das da steht. Man kann aber die Beziehung zwischen Gedicht und Leser ändern.
    Ich muss ché Recht geben, der letzte Vers hinkt und das ist schade, er könnte viel stärker rüberkommen – da hickst auch irgendwie der Rhythmus (im Vers davor habe ich in der zweiten Hälfte auch das Problem – ich will korrigiert werden).

    „schrumpelige rüben, süße blüten. warum nicht
    alles gleich behandeln? umwelt, einfluss: diese ernte ist programm.“ – wunderbar, gefällt mir sehr, gefällt mir sehr vom Klang, vom Ton –

    Beim Ansprache-Murks kann ich nicht viel mecker, weil ich zu wenige Gedichte von dir kenne – vielleicht sind deine Gedichte einfach Ansprachen? Vielleicht müssen es nicht alle sein? Aber wenn du es willst, ist das eine heikle Situation, denn dann sollte dieses Gedicht es sein/ werden.

    Grüße
    Martin

    • Friederike Scheffler schreibt:

      hallo lieber martin!

      dank auch dir für deinen ausführlichen kommentar!
      nein, nicht alle meiner gedichte sind ansprachen. im gegenteil,
      dies ist der erste text von mir, in dem ich mich nicht scheue,
      das für frau seels gedichtband auffällige „sie“ als anrede zu nutzen.
      ich tue dies wohl auch nur für diesen text, um die nähe-distanz-ambivalenz zwischen dem sprecher und eben diesem „sie“ / dem leser deutlich zu machen.
      und eben weil ich den ansprachen kniff selbst thematisieren und so ad absurdum führen wollte.

      grüße zurück!
      rike

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s