Ein Traum

Ich gehe, zu spät, zu einer Veranstaltung in Raum 12 in einem Wohnhaus. Der Weg ist verwinkelt und immer wieder verstellt, es geht runter, nachdem es schon aufwärts ging. Die Wohnung ist unter der Erde, in einem ersten Raum ziehen sich Menschen um und gehen dann in den Saal dahinter, der mit Sand ausgelegt ist. Es wird jetzt klar, dass es sich um eine Art Bandcasting handelt, oder so etwas wie ein Karaoke-Spiel. Fremde Leute haben die Namen von Popsongs auf Zettel geschrieben und sie an Bäume gepinnt. Auch Wünsche und persönliche Bemerkungen sind auf die Zettel gekritzelt. Sie werden ausgeschüttet und die Anwesenden suchen sich ihren Song aus. In dem Saal ist auch Georg, Sarah sitzt an der Wand und hält ihren neuen Ipod. Ich dachte aber, dass sie ein Foto von mit macht und spreche sie an. Ob ich ihren alten Ipod haben kann (ja, vielleicht). Dann beginnt die Vorstellungsrunde. Eike steht neben mir und sagt seinen Namen. Dabei tritt er einen Schritt nach vorne und macht eine Geste. Ich tue dasselbe, dann alle anderen, durcheinander, und großer Lärm entsteht. Erst jetzt begreife ich, dass in Reaktion auf die Vorstellungen Noten gerufen werden: „2!“, „4 Minus!“, „15!“, „8!“. Das System scheint für die Beteiligten völlig unklar zu sein, trotzdem rufen alle etwas. Ich bin nicht vorbereitet gewesen und schäme mich. Auf dem Laptop, der neben mir und Georg auf dem Boden steht, laufen Youtube-Videos, die die Existenz von Geistern oder etwas anderem Unsichtbaren beweisen sollen: Geräte schlagen aus, Lichtschranken und Bewegungsmelder, man sieht einen Mann bei Nacht in seinem Auto fahren, ein schneller werdendes Piepen als Warnsignal kündigt die Kollision an, aber da ist niemand und er fährt sich die Haare raufend hindurch. Das Vorstellungsspiel geht derweil weiter, ein Mann stampft auf den Boden und schreit seinen Namen, eine erwachsene Frau durchquert mit einer ganz nackten jungen Frau den Raum, sie ernten ein Johlen der Menge, sagen aber nicht ihre Namen und verlassen den Raum mit der Entschuldigung, sie hätten „ihren Korb vergessen“. Die Menge: „Oooh…“ Georg und ich gehen hinaus, es ist dunkel, wie in dem Video. Er nimmt eine Kreditkarte heraus, um das Experiment zu wiederholen und hält sie wie eine Wünschelrute vor sich hin. Wir laufen eine Böschung hinunter zum Fluss. Oben auf der Böschung erscheint nun eine Gruppe von Mädchen, fast Kinder, sie lachen und filmen uns mit ihren Handykameras. Erst jetzt bemerke oder erinnere ich, dass wir uns beim Casting umgezogen und als unheimlich albern aussehende Gestalten verkleidet haben.

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Eine Antwort zu Ein Traum

  1. Maria Natt schreibt:

    wie konnte dieser text an mir vorüberhuschen? ich mag das format, den text, die geschichte, die vergessenen körbe, die haareraufenden geister… alles sehr schön! aber fast ein bisschen kurz. geht der noch weiter?

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