[ohne titel]

ende dezember, fettfilm auf den sätzen und wurmlöcher im jahr.
das atmen hockt unten in der lunge und will nicht rauskommen,
ein ängstlicher frosch, eingewickelt in drei tage geschenkpapier.
einer dieser hd-momente, alles groß geschrieben und die finger
gekreuzt, wie balken in der decke, die hände ineinander, halten
dicht, halten die luft an: eine paradoxe intervention in den hohl-
raum zwischen ihnen, wo jedes atmen ein zweifelndes geräusch
ist, eine frische farbkruste; wenn es juckt heißt das, drunter heilts.

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6 Antworten zu [ohne titel]

  1. Lea Schneider schreibt:

    Work in Progress, ne. Außerdem: Shotgun, Linus! :))

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    tolle Überarbeitung!

  3. Ilja Winther schreibt:

    kuhl!

  4. berndg42 schreibt:

    hallo Lea,
    verdeckte bilder. man ahnt, was gemeint ist, in diesem
    stimmungstief. hier brodelt ein problem.
    für viele leser relevant, zumindest für die sensiblen.
    aber auch ein rückblick auf vergangenes, das ein SOWEITER
    nicht duldet. es wird widerstand eingefordert, der die
    krusten bricht. heilung würde vergessen bedeuten. und das darf nicht sein.
    also verlangt dieser aufruf nach aktion.
    in diesem sinne ist es wieder ein rezept zum wachrütteln.
    und es ist bei weitem besser als das erste. der text bringt schon, was du
    beabsichtigst viel näher rüber. gut gelungen und auftakt zu weiteren folgen zugleich.
    berndg42

  5. Christopher Izgin schreibt:

    Hmm, ich sehe das etwas kritischer. Das Einzige, was für mich den Text zusammenhält, ist das Atmen. Der Rest kreist darum und versucht, es zu beschreiben. Allerdings bedienen sich diese „Rahmenelemente“ derart auseinanderklaffender Bild- und Sprachfelder, dass für mich der Zusammenhalt und auch der Zusammenhang fehlt (denn die Analogienbildung ist mir hier auch zu umfassend, zu willkürlich). Beispiele:
    – „wurmlöcher“: Astronomie
    – „frosch“: Zoologie
    – „geschenkpapier“: Bereich der Sitten, Papier als Material
    – „hd-momente“: HD kennt man aus dem Fernsehen.
    – „balken in der decke“: Architektur
    – „intervention“: Militär; Psychologie
    – „frische farbkruste“: Da denke ich an Umzug.
    Die Zeitebene, die du nur im ersten Vers aufspannst („drei tage“ bezieht sich ja attributiv auf das „geschenkpapier“), wird für mich nicht fruchtbar umgesetzt. Worauf bezieht sich diese Beklemmung, die im Text beschrieben wird? Sollte es das Jahresende sein, wird für mich nicht klar, was der Auslöser ist („wurmlöcher im jahr“ deuten etwas an, aber sind nicht konkret). Es gelingt dir durchaus, eine Atmosphäre zu schaffen, ein Gefühl zu erzeugen, aber der Text bleibt mir zu wenig greifbar, gibt mir zu wenig mit, ist mir zu allgemein.
    Mit dem „fettfilm auf den sätzen“ habe ich übrigens Probleme, weil Sätze so ziemlich alles sein können. Auch hier reißt du ein neues Sprachfeld an, nämlich – für mich am naheliegendsten – Grammatik/gesprochene Sprache. Ansonsten wirken auf mich die Adjektive in den letzten drei Versen etwas zu holprig („paradoxe intervention“, was auch einen etwas zu wissenschaftlich-nüchternen Anklang hat, der bspw. überhaupt nicht zum „frosch“ passt; „zweifelndes geräusch“, das im Gegensatz zu subtileren Textteilen eine ziemlich offenkundige Dramatik birgt; „frische farbkruste“, die hier, wie ich finde, am besten verarbeitet wird).
    Noch eine poetologische Anmerkung: Ich bin immer noch der Meinung, dass du diese „x ist (wie) y“-Konstruktionen nicht zu häufig gebrauchen solltest, weil sich das sonst verbraucht. In diesem kurzen Text bedienst du dich ihrer sehr oft, was mich als Leser extrem irritierte, z. B.:
    – „das atmen“ – „ein ängstlicher frosch“
    – „finder gekreuzt, wie balken in der decke“
    – „die hände ineinander …“ – „eine paradoxe intervention“
    – „jedes atmen“ – „ein zweifelndes geräusch“ und „eine frische farbkruste“
    Die Originalität deiner Bilder wird für mich sprachlich nicht gleichermaßen originell durchgesetzt, da deine sprachlichen Ausdrücke auf mich sehr repetitiv wirken.
    Fazit: Die Überarbeitung gefällt mir, aber überzeugt mich leider noch nicht. Die Erstfassung hat mir mehr mitgegeben, mehr verraten, ohne jedoch augenscheinlich zu sein.

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