jetzt in Überarbeitung

in jenen tagen schlug nichts mehr auf den magen. man war
so freilich und lebte überhaupt. man sagte: das ist das haus,
indem ich hause, und glaubte auch: an altern, insofern alter-
nativ. nichts nahm einem die sprache, solange man selbst-
redend sprachlos war. man schlief […]

[…] das aufbäumen des inneren tiers, das existieren der inneren pflanze, darüber: das spüren, das wühlen. war schon ok. man ging aufs ganze,
gabs eine liebesnacht in spe:  […]
wir und 2010.

[…]die cola kostete 1.20. rewe war im grunde
billiger als kaisers. auf dem kudamm wurde eine kuh gesichtet.

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7 Antworten zu jetzt in Überarbeitung

  1. unmittelbarst schreibt:

    Ich verstehe den Zusammenhang zwischen erster und zweiter Strophe überhaupt nicht. Gibt es da überhaupt ein Bild, das weitergetragen wird? Und dann wiederum finde ich die zweite Strophe an sich auch sehr heterogen, verglichen mit der ersten, in der die Sequenzen ziemlich nahtlos aufeinander folgen, allein schon durch den Rhythmus und die vielen Konjunktionen. Die zweite Strophe ist dann viel unausgeglichener und kurzatmiger, sowohl in der Folge teilweise (jedenfalls nach dem ersten Lesen) völlig unzusammenhängender Bilder wie auch durch die kurzen Sätze (die ja teilweise nur stakkatoartige Aufzählungen sind). Obwohl das natürlich, fällt mir grade auf, eine ziemlich geniale Umsetzung des angekündigten „aufbäumens“ auf sprachlicher Ebene in der zweiten Strophe ist, nachdem in den ruhigeren ersten Strophe eben noch „nichts auf den magen“ schlägt. Ich verstehe aber trotzdem nicht ganz den Zusammenhang zwischen dem sich langsam einstellenden Zweifel an der Sprache (bzw. der implizierten Erkenntnis, dass Sprache ein konstruiertes, arbiträres System ist) in der ersten Strophe und dem, was dann in der zweiten Strophe abgeht – wahrscheinlich deshalb, weil ich das eben an sich schon gar nicht verstehe. Kühe, Love Parade, Supermärkte – was? Das krieg ich weder zusammen noch erklärt und mit der zwar auch sprachspielerischen, aber irgendwie strukturierteren ersten Strophe überhaupt nicht verknüpft.
    Daher: Nicht fertig, aber definitiv überarbeitenswert! Gerade nachdem ich von dir eher längere Texte gewöhnt bin finde ich es spannend, wie sich auch in nur zwei Strophen dein Anliegen verarbeiten lässt.

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    danke für den love-parade-hinweis! das muss natürlich weg. und natürlich triffst du den wunden punkt: ob der schluss nicht zu radikal ist. aber mal schauen, was die anderen sagen.

  3. linuswestheuser schreibt:

    ich find den text sehr cool, gerade weil er fahrt aufnimmt und gleichzeitig auf so eine lustige art zynisch wird. da finde ich das ende gar nicht so radikal, sondern eher süß. allerdings muss ich lea schon darin zustimmen, dass die zweite strophe sich irgendwie scheinbar nicht so richtig entscheiden kann und dann sowas wie „in spe“, „im grunde“ und das zweite „war schon ok“ so ein bisschen wie füllmaterial wirken. gerade im vergleich zur ersten strophe, wo ja alles straight verknüpft ist. ich würde also die zweite nochmal überdenken, entweder noch mehr abfreaken, dann aber ohne die genannten eher laschen wörter, oder aber so verwoben und kalkuliert voranschreiten wie in strophe eins.

    davon abgesehen habe ich mich krass schlappgelacht, als ich den text vorhin gelesen hab, es sind ein paar herrliche stellen drin, namentlich die innere pflanze, die kuh auf dem kuhdamm (das h müsste da übrigens echt nicht stehen), aber vor allem das rainald grebe-verdächtige „wir und 2010″… :)

    je nach dem weiteren schicksal der zweiten wäre sonst vielleicht sogar noch eine dritte strophe angebracht, könnte ich mir vorstellen… (?)

  4. Tristan Marquardt schreibt:

    ja danke, hast wohl recht! überarbeitung der zweiten und dritte muss her.

  5. paulaglamann schreibt:

    mir ist das aufbäumen auch zu abrupt. bis zum wühlen finde ichs total toll, wegen des zynischen tones der echt gut läuft und besonders „selbstredend sprachlos“ und die spießer motive von altern und hausen gefallen mir. ich frag mich allerdings ob du bewusst die ganze zeit im präteritum bleibst, weil das macht das aufbäumen so lächerlich und abgehackt, als würde es zum spießertrott dazugehören also in regelmäßigen ausbrüchen mal kurz passieren und darin selbst auch schon routine geworden zu sein (aber das ist jetzt ein gefühl, weiß nicht ob der text das hergibt). wenn die zeit bewusst ist finde ich den effekt den das hat auch interessant, aber irgendwie unpassend zu der kraftvollen passage: „und dann: das aufbäumen des inneren tiers, das existieren der inneren pflanze, darüber: das spüren, das wühlen“. keine ahnung bestimmt machst dus bewusst aber diese kombination von expressionismus und apathischem präterium passt mir nicht so ganz, weil sie dem gedicht einen spannungsbogen aufdrückt, der nicht erfüllt ist, aber um ihn konsequenter nicht durchzuziehen fehlt halt noch eine dritte strophe. aber soweit ward ihr ja schon. überarbeiten! der text gibt viel her, find ich.

  6. rebeccaciesielski schreibt:

    also mich stören ganz konkrete dinge:
    „freilich“ in der ersten strophe, wobei dieses wort natürlich „frei“ enthält, was kontextuell echt gut passt. „freilich“ als solches klingt aber ungemein spießig und im kontext der sonstigen wortwahl auch irgendwie anachronistisch.

    ich muss aber sagen, dass ich finde, dass erste und zweite strophe in sich und miteinander gut harmonieren.
    Ich verstehe aber ab rewe nichts mehr, bzw. schon, aber da habe ich das gefühl, dass es nicht mehr zusammenpassen will, was für mich primär an der wortwahl liegt.
    die supermarktketteneigennamen und die kuh wirken auf mich irgendwie lächerlich, was das gedicht ansonsten ÜBERHAUPT NICHT ist.
    Ich fände sogar die lakonische erkenntnis „die cola kostet 1.20“ (vor allem durch den bezug zu 2010) als ende fast ausreichend (was aber die form sprengen würde…).
    Oder du hängst echt noch ne strophe dran.

  7. Tristan Marquardt schreibt:

    danke euch allen sehr, ihr seid großartig; es ist echt nicht selbstverständlich, als schreibender so aufgehoben zu sein. das überarbeiten und erweitern wird in bälde in angriff genommen.

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