wechselwärme (weiß-grau)

und heute begann das eis
dann doch zu schmelzen
in zeitlupe müde tropfen
von zapfen abgeseilt duster
von den bürogebäuden
an der endhaltestelle
des untergrundes no 1
in diesem weiß-grauen winter
und ich wälze mich weiter
in seinen pfützen
in diesem matsch
ist es warm dieses jahr
dem thermometer zum trotz
mantel ich mich in diesen haufen
aus abgasen und hundespuren
schlaf bleibt nur ein irrtum
von elf minuten einsamkeit
und hundert wegeläufen
mit flocken in der brust
in dieser wechselwärme
eisblumen und trockenzeit
auf meinen kopfkissen
in meinen ohren schmalz
ich bin hier auf eis gelaufen
in diesem frostheißen dreck
und heute schmilzt es
zwischen meinen fingerspitzen
und ich bleibe ein frisch
in den ofen gelegtes brot
schneebestäubt und durchgeknetet
von diesem weiß-grauen winter
in dessen matsch ich mich wälze
und dessen pudel weiß
vom himmel fallen

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3 Antworten zu wechselwärme (weiß-grau)

  1. unmittelbarst schreibt:

    Oh. Das mag ich aber mal RICHTIG gern. Ich wüsste nichtmal, wo ich was ändern würde – erst dachte ich, an manchen Stellen hängen die einzelnen Bilder irgendwie nicht richtig zusammen, aber dann hab ich gemerkt, dass mir dieses sehr assoziative gut gefällt und ja eigentlich auch hauptsächlich zur Stimmung des Gedichts beiträgt (das ich gleichzeitig sehr schön und sehr, sehr traurig finde, immer mehr, je öfter ich es lese). Respekt, Paula! Frage nur: Wofür steht der Titel?

  2. paulaglamann schreibt:

    für work in progress steht der titel ;)…danke!

  3. linuswestheuser schreibt:

    ich habe mir das gerade selber vorgelesen und dabei so richtig gemerkt, wie der text so rund um „in diesem matsch“ so einen wunderbaren fluss entwickelt, der dann anhält bis zum schluss. wirklich schön, wie die metaphern eigentlich eher uneinheitlich sind (schnee, brot, pudel), das ganze aber total durchgeht. auch der rhythmus ist irgendwie versteckt aber er funktioniert (zum beispiel die wiederholung von zeilen, die mit „in“ anfangen sind ein teil davon, oder, dass der schlaf ein irrtum, und das ich ein brot „bleibt“). und ich mag den nachdenklichen, schlichten tonfall, durch den bestimmte zeilen wie „und hundert wegeläufen/mit flocken in der brust“ dann besondere resonanz bekommen. also wirklich ein schöner text!

    ich würde nur, denke ich, die ersten sieben bis neun zeilen einfach weglassen, da ginge nichts verloren.

    lustig übrigens, dass ihr gerade alle eis und schnee-gedichte schreibt. das muss ja wieder hart sein in berlin…

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