kastanien und alkohol

die melancholie im zug europa kennt keine grenzen,
dahinter räumen ausländer das bordbistro auf.
jede arbeit findet ihren niederschlag
am ende der fahrt im schatten eines komplexes,
steht man neben der kippe, der fado läuft aus der lounge.
man tauscht sehen mit andern, spricht sprachen.

die vorplatzbäume grenzen an verlaufene sternbilder,
kitsch aus der zeit als man sagte,
die arbeiter gehen nachhause.
darunter die infrastruktur des abschieds, über den gleisen
sollte stehen: man sieht nicht wann es weg ist,
wie der serbe meinte, aus dieser falle kommst du nur
wenn es schneit oder du sehr mutig bist.

im anschluss kastanien und alkohol.
aus dem leeren bistro endlich die nachricht:
die grenze ist weit und noch weiter
ist międzyzdroje, wo sich ein
landloser fischer heut morgen
ins einzige tischbein schoss.

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6 Antworten zu kastanien und alkohol

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    jawolli. endlich. :) deutlich spannender und offener als die vorherigen versionen.

  2. Ilja Winther schreibt:

    ich frage mich, warum ich mich nicht noch mehr über den text freue. der ist eine tolle überarbeitung und gibt wirklich noch mehr her. ich habe aber das gefühl, du hast die sprache irgendwo liegen lassen. die vielen einführenden präpositionen geben insgesamt eine eher ungeschickt-harmlose rahmung ab, sie wirken „gewollt lyrisch“ bis nicht gut oder andersrum, noch mal mehr dadurch dass ziemlich prosaische sätze folgen. der text ist ja wesentlich mehr als eine reine ortsbeschreibung, ich denke, das solltest du stärkere sprachliche dichte deutlich machen.
    gerade bei diesem text würde ich mir die zitate in anführungszeichen wünschen. das ist vielleicht ne marotte von mir, aber ich mag das, wenn statt eines das-könnte-man-auch-sagen suggeriert wird: eine person sagt das gerade. „die arbeiter gehen nachhause“ ist richtig gut. man fragt sich: was ist daran kitschig? „nachhause“ oder „arbeiter“? dass darauf eine infrastruktur des abschieds folgt ist wiederum nicht besonders spannend. ich behaupte, der text hat immer noch nicht ganz zu sich selbst gefunden.

  3. Friederike Scheffler schreibt:

    ich stimme ilja zu.
    ich wünsche mir eine frischere sprache (so wie am ende) !
    und keine wortwiederholungen !

  4. Tabea Magyar schreibt:

    Ja, also hier krieg ich irgendwie das Gefühl, dass das Gedicht mehr will, als es transportiert. Da kommt sehr viel Politdiskurs (Europa, Integration etc), der aber m.E. nicht wirklich verhandelt, sondern einfach suggestiverweise verwendet wird, so als Effektproduzent. I don’t like that, da fühl ich mich etwas ja nun, hm betrogen? Zu stark. Aber so in die Richtung.
    Ich gebe auch Rike und Clemens recht, was die Sprache anbelangt. Verstehe z.B. das „dahinter“ in der 1. Strophe nicht, den fado und die kippe find ich etwas fad, tauschen sehen einfach sehr kitschig-plakativ. Das erinnert mich fast etwas an hm lass sehen, so was bedeutungsschwangeres wie Rilke? Dabei trägt das Gedicht dieses Tonus nicht. Ebenso die zweite Strophe, auch etwas lasch, die dritte dann wieder, da bin ich mit Rike einverstanden, fresher.

  5. Tabea Magyar schreibt:

    Ah ja und dann noch ne Frage: ist dir klar, was miedzyzdroje heisst?

  6. Tabea Magyar schreibt:

    nach schmählicher antwortverweigerung und bereits erfolgtem mündlich-nächtigem kundtun hier noch die übersetzung for anyone who wonders : zwischen-quellen, heisst das nämlich.

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