[zwei, mit nackenstarre]

über diesen berg könnten wir
auf unsichtbaren nadelkissen steigen
weiterhangeln, wo gehobelt wird
einsam den krater stopfen
uns zum gipfel sehnen
oder harren unten im moos
mit alten fiebeln von zurückgelegten wegen
gemeinsam vorm hang
erwartungsvoll zu abend essen
dreimal am tag, zur sicherheit ganz unten
der schnee schmilzt erst im tal, samweis
manchmal um den berg kreisen
für zwei das revier umgeben
mühsam die bereitschaft
kraft in umlauf zu legen
noch mehr, noch eine pirouette
mehr, für die eisvögel

wenn wir uns die wimpern putzen
die fliegenbeine in den augen
das echo, die bananenfrage
warum wieder diese klebtiere
zwischen unseren viel zu hohen nasen?
der hang grünt, die wurzeln, der moder
meine schuhe, nicht sauber
du, barfuß, blickst ins unterholz
ziehst mich am hosenträger
wenn ich luft hole, kurz
zupfst du ihn mir gerade
auf der hemdnaht zurecht

über diesen berg müssten wir
pfeifenkraut pflanzen
einen braten spannen
die schwerkraft, so satt
wir ausgesetzt, so schwer
so klebrig, höhlenbewohner
die sich gemütlich
mitten im steinschlag
fast geräuschlos
nicht fortbewegen
die füße weiter in die erde
die nasen gierig nach höhenluft
zwei hobbits mit nackenstarre
das, was nicht aufhört
wehzutun, bleibt länger
als bis zur nächsten
schneeschmelze, herr frodo
wer sich nie bewegt
kann niemals fallen

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3 Antworten zu [zwei, mit nackenstarre]

  1. Lea Schneider schreibt:

    Ein Hobbitgedicht? Wie GROßARTIG :D

  2. paulaglamann schreibt:

    danke.
    was meinst du zur letzten strophe? bin da noch unschlüssig: zu lang, zu allgemeines,ausholendes ende?

  3. Lea Schneider schreibt:

    also, die letzten zwei zeilen verstehe ich leider gar nicht, deswegen wirken sie für mich ein bisschen wie der versuch, meinung oder pathos oder allgemeingültigkeit zu generieren, wo eigentlich keine ist oder sein müsste. die würde ich einfach streichen. auch die zitate würde ich mir überlegen, wegzulassen, weil es dadurch so arg eindeutig wird, bzw. du dir die möglichkeit nimmst, „hobbits“ neu zu besetzen, als metapher oder bild für ein ganz anderes lyrisches ich/du – das wär doch viel spannender und der witzige effekt bleibt ja trotzdem erhalten, nur nicht mehr so in your face (da stehen dann ja immer noch „zwei hobbits“, „pfeifenkraut“, „hosenträger“, „barfuß“ und so, also die dichte an verweisen reicht, denke ich).
    also minus die zwei zitate und die letzten beiden zeilen wärs prima, dann auch nicht zu ausufernd (obwohl die vielen „so..“ stellen in der letzten strophe schon recht gehäuft kommen. wie wärs mit „die schwerkraft so klebrig / sind wir gemütliche höhlenbewohner / mitten im steinschlag“ etc.?).
    allerdings würde ich nicht mit „zwei hobbits mit nackenstarre“ rausgehen, sondern mir vielleicht noch eine andere letzte zeile (oder zwei) überlegen – sonst wirkt das ganze arg nach der lösung des rätsels oder einer pointe, die den rest verdecken würde.

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