straßentauben

sie schieben vorbei als wäre nie etwas aufzugeben
aus den tiefen ihrer federstehenden leibkartons
die da in blau grau und in blaugrau erscheinen
malt eine palette aus sich heraus schon bunt

von diesen plüschnäckigsten aller massentouristen
wird jede fracht getragen an einer grenze entlang
zwischen klassen ist umschlägig kein nehmen
bleiben falsche daunen einer verwendung bar

sie picken vom straßenrand die überreste der völker
jeder vorteil solcher passageren gäste verfliegt
gerade sie treten größthektischst nacheinander
und es bleibt kein zug mehr von vogel im tier

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4 Antworten zu straßentauben

  1. Friederike Scheffler schreibt:

    der letzte vers ist mein liebling! :)

    gruß nach bologna!

  2. Alexander Makowka schreibt:

    Ciao Rike, Grüße zurück!
    Schön, wenn es in dem Text eine Stelle gibt, die dir gefällt, in diesem Fall war die benannte Stelle zudem Ausgangspunkt für das ganze Gedicht. Die übrigen elf Zeilen wurden quasi gesucht, um diesen Gedanken auszudrücken und die Touristen kamen beispielsweise erst spät hinein. Was bliebe, wäre die Frage, ob ein einzelner sich aufdrängender Gedanke ausreicht, um ein Gedicht mit so und so viel Strophen zu schreiben..

  3. Lea Schneider schreibt:

    auf diese frage würde ich deutlich mit „ja“ antworten! das gedicht hat einige sehr schöne stellen, finde ich, mir gefallen zum beispiel neben der letzten zeile auch die „federstehenden leibkartons“, die „überreste der völker“ und die idee mit den massentouristen sehr gut (obwohl ich denen ein anderes adjektiv als „plüschnäckigst“ geben würde, denn das bild ist ja so schon ziemlich fett und verliert durch das zusätzliche ungewöhnliche adjektiv – und dann auch noch im superlativ! – eher, man ist ein bisschen überfordert von so viel auf einmal). was ich nicht verstehe, ist das wortspiel mit blaugrau und warum „treten“ kursiv gesetzt ist. insgesamt würde es dem gedicht vielleicht auch gut tun, wenn es ein wenig klarer wäre bzw. sich zwischen seinen tollen bildern nicht verfranst – was z.b. sollen tauben aufgeben? und welche vorteil haben sie, und warum treten „gerade sie“, wer tritt denn noch? (das verfliegt an dieser stelle find ich allerdings dann wieder richtig gut.) außerdem könntest du dir überlegen, entweder grenze oder klasse, aber nicht beides, also geographie und soziologie, direkt hintereinander zu bringen.
    so weit, meine ideen :)

  4. Alexander Makowka schreibt:

    Liebe Lea,
    Vielen Dank für deine Ideen! Ich stimme dir zu, dass der Text entweder ein Übergewicht an Bildern hat oder diese nicht ausgewogen sind. Vermutlich liegt hier ein Fall vor, bei dem ich nach der Zufriedenheit über das Untergebrachthaben aller möglicher Dinge wieder daran denken sollte, einige von ihnen hinauszuwerfen. An der Stelle mit „grenzen“ und „klassen“ bin ich da zum Beispiel deiner Meinung, obwohl ich sie als deutlichen Ausdruck eben dessen, was sonst geographisch wie soziologisch nur anschwingt, auch wichtig finde.
    Insgesamt pendelt der Text wohl sehr zwischen seinem Ursprungsgedanken (letzte Zeile) und dem Touristenbild, welches ich als solches gar nicht so spannend finde, mit dem aufgeblasenen Adjektiv davor aber könnte etwas Überbordendes darin zum Ausdruck kommen und somit eine süffisant bis resignative Haltung des Sprechers, die mir gefiele.
    Weil ich nicht zu sehr in Touristenkritik stecken bleiben wollte, kommen gegen Ende dann Bestärkungen des ursprünglichen Motivs: „gerade“ die eigentlich zum Flug befähigten Tauben drängeln sich auf dem Boden und benutzen ihre kurzen Füße statt der Flügel. Bei der Kursivsetzung des „treten“ habe ich mich schwer getan, doch es soll die Situation als eine drastische darstellen.
    Zu den anderen Stellen: Beim „aufgeben“ in der ersten Zeile dachte ich bereits an Flughafen (und hoffte mit dem „schieben“ die typischen Gepäcktrolleys herbeiassoziieren zu können). Und das „blau_grau“ erwuchs aus der Schwierigkeit, diesen durchmutierten (sorry) Vogel zu beschreiben; außerdem ergab sich ein eventueller Anklang des auf demselben Diphthong basierenden Zungenbrechers und daher ein gewisser Ausdruck von Beliebigkeit. Der „vorteil“ schließlich in der zweiten Zeile, dritte Strophe erscheint zugegebenermaßen ziemlich vage.

    All diese Anmerkungen sollen keine Rechtfertigungen sein – ich werde mich mit dem gewonnen Input auf jeden Fall noch mal dransetzen! A presto!

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