jäger im schnee

schnee. bleib stehen. die bäume werden verschickt. von irgendwo
folgen blicke. bieten den wolken hilfe an. stöbernde jäger
in kosmischen mückenschwärmen. stemmen den himmel. sie lassen
die hunde gehen. beine. in plastiktüten fahren sie auf. zum schein.
noch dienstag hätten wir sie eingeladen. warmes versucht. drei jahre
nichts als das weiße blatt. die bäume feste im eis. doch davon kein wort.
sie kommen. brauen am leeren hügel. trau ihnen nicht. im frühling
tragen sie andere mäntel. gib ihnen spuren auf.
kl
wir werden nach norden weisen. zur bevölkerung: dort
liegen die sprengmeister im bett bis um zehn. und keiner schaut
auf von der zeitung. bären lavieren wie zur saison. im kellerfenster
hört man den fenchel atmen. die wälder aus span
die schneisen gott steh ihnen bei. wär unsereins
nicht so still gewesen. brotrauch. die augen eine leere weste im aufschlag.
in all diesen jahren. wär der stahl nicht aus sternen gefallen.
zwei drei gezupfte strähnen im topf. in der suppe die speite vom wald.
kl
und wenn sie weg sind. die schuhe an schnüren hängen vorm haus.
die spuren fasane aus schmutz. fallen schlieren vom himmel. die zähne
an stangen im schober. wo ein heiland schläft und schläft.
dann schlagen wir leise die bücher auf. vermerken die knöpfe
an ihren mänteln. einzeln die namen der hunde.
unterm moos liegen lichter. beim wischen des tisches ist es
als riefe uns jemand aus einem maroden raumschiff.
fällt schnee auf die neuen maschinen im hof.

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9 Antworten zu jäger im schnee

  1. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    stEmmen den himmel? oder absicht?

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    o linus, das ist wirklich kein objektiver kommentar, aber diese neuen sachen von dir passen wie die faust aufs auge meines herzens. nur das kalauerige würd ich mir etwas verpackter und subtiler wünschen.

  3. Ilja Winther schreibt:

    schweig, tristan! dein kalauer-rumgespießere in letzter zeit ist ja nicht mehr auszuhalten. was ist denn das für ein neuer fokus auf was überhaupt?

  4. Linus Westheuser schreibt:

  5. Tristan Marquardt schreibt:

    no aposiopese, my dear, im gegenteil, und auch kein neuer fokus: ein vermehrtes anliegen. die erste strophe entwirft ein wundervolles verhältnis von beschreibendem und beschriebenem. diese bedächtigen setzungen bei gleichzeitig wilden kombinationen entwerfen eine „variante von realität“ bzw. eine „möglichkeit der wirklichkeitswahrnehmung“, auf die man sich ganz einlassen kann. und wenn dann die zweite strophe gleich mit einem solchen kalauerreigen einsteigt, droht das zu brechen: es wirkt als witzige verdrehung einer ersten ebene von referenz, verliert aber die zweite, die andersartigkeit des beschriebenen bzw. die notwendigkeit, die dinge anders zu fassen. ein simpler kalauer (wie gesagt, man könnte es ja auch anders machen) bedarf immer der eigentlichen bedeutung eines wortes und bezieht seine andersartigkeit eben nicht jenseits davon. pah. :)

  6. Ilja Winther schreibt:

    ich verstehe dein unbehagen gegenüber einer witzigkeit, die sich nur aus einer verdrehung auf der ersten ebene der referenz bezieht. aber das problem ist meiner meinung nach, dass du mit diesem sehr weit gefassten kalauer-begriff erstens dinge, die linus in seinem text macht, über einen kamm scherst mit dingen, die wir vor gar nicht so langer zeit gemacht haben, und zweitens unter diese definition -wenn wir die witzigkeit mal weglassen- vieles fällt, was bestimmt nicht mit erkenntnisgewinn als kalauer bezeichnet werden kann. wenn du dann aber noch unterscheiden willst, zwischen simplem und komplexen kalauer, wird die willkür perfekt. die frage, ob man einen kalauer nur isoliert betrachten sollte, ohne danach zu fragen, wie er sich im gedichtganzen verhält, sei dabei erstmal außen vor gelassen.

    du hast mir ja nicht gesagt, was die kalauer in der zweiten strophe von linus text sind, ich mutmaße aber mal, du meinst stellen wie:
    „im kellerfenster hört man den fenchel atmen“ und „die schneisen gott steh ihnen bei“ .
    der unterschied zu „der inhalt hält, was der rahmen rahmt“ und „gott, fagott“ (tristan marquardt) ist augenfällig. bei den beiden beispielen aus texten von dir haben wir es, behaupte ich, mit kalauern im eigenlichen sinne zu tun, nämlich mit wortspielen, die ambiguitäten, die bereits in der bedeutung eines wortes liegen, aufzeigen, um sie durch den kontext oder die schreibweise (bei homonymen) aufzulösen. man könnte sogar sagen, bei den beispielen findet im gegensatz zu „den abt zu schütteln, dass er breche“ (ilja winther) die auflösung nicht einmal statt. diese kalauer führen dazu, dass den worten, wenn man so will, ihre heiligkeit genommen wird, bei der gegenüberstellung gewinnt immer das konkrete oder das banale und lächerliche. der inhalt wird zu „etwas, das hält“, gott wird zum gegenstand, der im orchestergraben neben dem fagott steht, das fagott wird umgekehrt nicht aufgewertet.
    wenn ich hier eine lanze für den kalauer brechen wollte, würde ich sagen, er lenkt die aufmerksamkeit des lesers auf die klangliche verfasstheit des textes, die poetische funktion, mit einem laut rülpsenden skeptizismus gegenüber jeder form von abstraktem konzept und wie du ein mal gesagt hast: er suggeriert durch klang zusammenhang, wo eigentlich keiner ist, was sprache (natürlich auf unterschiedliche weise, nicht nur durch klang) immer tut.

    ich glaube, dieses verfahren selbst ist nicht eigentlich ziel deiner kritik. ich glaube, der abstand, den insbesondere du inzwischen zu älteren texten von dir hast, speist sich aus einer abneigung gegenüber lächerlichkeit und einem alles-banal-machen und nicht den einzelnen schritten eines solchen kalauer-verfahrens und vor allem nicht der tatsache, dass sich das sprachspiel nur auf einer ersten ebene der referenz bewegt. man könnte auch -und so habe ich linus kritik mal verstanden- dem kalauer vorwerfen, er impliziere letztendlich plumpen materialismus, weil der text immer semantisch eine sphäre des konkreten und objektiven suggeriert und diese im gegensatz zu allem anderen unangetastet lässt. das geht bei „gott, fagott“ auf, bei „der schlotz ist nicht dem krotz sein otz“ aber schon nicht mehr (hier handelt’s sich nicht um einen eigentlichen kalauer, wie ich ihn oben definiert habe, aber sicherlich eine konstruktion, die du so nennen würdest) und lässt sich wiederum auch sätzen wie: „weiße stelle, die zurückbleibt, wenn der druck sich von der haut löst.“ vorwerfen. was ich sagen will, um meine pedanterie mit frechheit zu krönen: dich stören am kalauer eigentlich lächerlichkeit, banalität, und albernheit, nicht dessen beschränkt-sein auf die erste ebene der referenz.

    aber ich möchte trotzdem noch mal die kurve kriegen zu meinem ersten punkt. bei den obigen beispielen aus linus‘ text haben wir es mit einer anderen verfahrensweise zu tun, die nicht mit den den worten eigenen mehrdeutigkeiten spielt, es handelt sich um gar keine wortspiele. dass fenchel atmet, ist witzig, weil unser weltwissen uns sagt: „macht der ja gar nicht wirklich“. bei: „die rosen lachen“ weicht das weltwissen einer literarischen tradition, die sagt, mit der beliebten topoi-ingredienz „rose“ kann man alles machen, was irgendwie mit schön zu tun hat. ich behaupte, dass „im kellerfenster hört man den fenchel atmen“ in der rezeption beides hervorruft, eine (vielleicht verpasste) literarische tradition und lächelndes weltwissen aufeinanderprallen und verunsicherung entsteht, weil man nicht weiß, ob man das schön finden soll oder nicht. ähnlich uneindeutig ist: „die schneisen gott steh ihnen bei“, weil einerseits ähnlich wie bei „gott, fagott“ das göttliche einem erst mal unheiligen konkretum gegenüber gestellt wird, diese gegenüberstellung aber andererseits fraglich macht, was schneise im gedicht und überhaupt bedeutet oder ob sich „gott steh ihnen bei“ tatsächlich an die schneisen richtet und nicht an bergsteiger in gefahr in schneisen. auch hier seh ich deinen vorwurf zumindest nicht auf sicheren boden gestellt und mein verdacht erhärtet sich, dass du eher darauf aus bist, brüche, die durch lacher entstehen könnten, glattzubügeln, es aber dabei völlig egal ist, welche struktur diese lacher hervorbringt.

    um noch mal am ende ein neues fass aufzumachen: ich wäre neugierig auf eine neues poetologisches gedicht von dir, dass sich zur romantik positioniert (ich erinnere mich da an ein romantik-kritik-gedicht, das wir besprochen haben, das ich aber gerade nicht finden kann), da deine romantik-kritik, wenn ich mich recht erinnere, immer über eine dekonstruktion von emergenz mit verweis auf eben die erste ebene der referenz funktioniert hat.

  7. Ilja Winther schreibt:

    oh, der text ist ganz schön lang geworden. und ich bin auch leicht abgekommen von der bescheidenheit im ersten absatz. naja. du weißt ja, dass es mir nicht um fronten geht, sondern auch um eine ergänzung deines kommentars und natürlich immer mein eigenes unbehagen bestimmten texten von mir gegenüber, denen ich zum teil ideologisch nicht mehr ganz über den weg traue, was aber auch nicht mit dem kalauer an sich zu tun hat.

  8. Tristan Marquardt schreibt:

    dummerweise habe ich jetzt (und bis ende der woche) nicht die zeit, um auf deinen tollen kommentar ausführlich zu antworten, möchte aber schon hier drauf hinweisen, dass ich, tata, deine kritik vehement zurückweise. leider scheinst du in meinem kommentar übersehen zu haben, dass ich explizit vom anfang der zweiten strophe spreche. schau dir an, wie die erste strophe die dinge setzt und in ihrer andersartigkeit völlig unaufgeregt inszeniert und was dann nach dem doppelpunkt nach bevölkerung passiert. da liegt meiner ansicht nach ein strukturbruch vor und auf den will ich dann eingehen – und zwar nicht, weil da etwas kommt, was immer schon kalauer und deshalb problematisch ist, sondern durch den strukturbruch zum kalauer wird und das ist problematisch. wenn die struktur drauf angelegt ist, ist das was ganz anderes, vgl. das paradebeispiel: https://gdreizehn.wordpress.com/2010/10/02/ich-bin-der-konig-in-einem-elektrischen-konigreich/.
    und noch ein weiteres muss ich dann ausführen: auch mit deiner definition von kalauer stimme ich nicht überein. da gibt es sehr wohl unterschiedliche ebenen. um das anzudeuten: nimm die eindimensionalität vieler kalauer in diesem text https://gdreizehn.wordpress.com/2010/10/05/operation-herzenssache/ gegenüber dem hier http://poetenladen.de/tristan-marquardt-lyrik5.htm.

  9. Ilja Winther schreibt:

    ich freu mich auf deine antwort. ja, dann hab ich dich tatsächlich leicht missverstanden. lass uns über strukturbrüche reden und inwiefern diese eindimensionalität bewirken oder im gegenteil ein plus an lesart ermöglichen. dann ist es tatsächlich müßig über den kalauer in einzelnen sätzen zu reden und ihn auf die weise isoliert fixieren zu wollen, vielleicht ist aber dann auch einfach der begriff „kalauer“ nicht mehr angebracht. dass brüche zurzeit (mehr in der reflektion, als in der produktion) mein thema sind, weißt du ja. zu den beiden texten von dir folgt noch ein kommentar. die sind ein gut gewähltes material für unsere diskussion.

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