[kurze striche, haken, kringel…]

kurze striche, haken, kringel, krakel, knappe bögen.
ernstes nicken, blicke. ein karneval. seeungeheuer im nebel,
bauchige schlachtschiffe. vereinzelt massieren von schläfen,
das da ist blut. gedämpftes flüstern. füssler ziehen in die schlacht
kopfunter voran. historische dimensionen von feuerwerk durchdringen
kometen und flaggen – ausgehängte signale gesetzt wie kinderbücher
zum ausmalen. schwadrone verlaufen / rudern zu mintfarbener see.
davor bänke in kreuzformation, lautes husten / schüsse / schritte /
schreie. rudimentäre spuren von erinnerung. dann wieder geflüster,
flucht zu erklärenden gesten. im anschlag ansichtskartenandacht.

(für cy twombly)

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8 Antworten zu [kurze striche, haken, kringel…]

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    ich habe den eindruck, je länger der text andauert, desto besser wird er. mit dem anfang habe ich meine schwierigkeiten. „was, wenn farben nicht mehr fröhlich sind / sichtbar werden“ ist nicht nur kitschig, sondern kauft sich mit der referenz auf cy twombly auch noch das problem ein, dass der anlass für diese aussage klar benannt ist und dann etwas fatales passiert: der text selbst leistet kaum etwas, cy-twombly-liebhabertum wird anzitiert und muss für den anfang herhalten. das ist mir einerseits zu determiniert und andererseits zu unterordnend. die drei kurzen setzungen danach können da viel mehr. mein nächstes problem, o wunder: männer mit psycholanalytikerbrille. das ist fett, klischee und macht diskurse auf, die dem text nicht wirklich auf die beine helfen. zumal er ja selbst sehr gut gehen kann, wie kaum später klar wird. da braucht es diesen pompösen ballast nicht. meine einzige sorge den rest dann betreffend: gerade weil das mit den virgeln meiner ansicht nach gut funktioniert, könnte der aufzählungsduktus etwas schleppend wirken. das eine oder andere konjugierte verb – warum nicht?

    ps: allgemeine reflexionen über das text-bild-verhältnis überlasse ich linus, der ist auf diesem gebiet ja ein getriebener. :)

  2. Friederike Scheffler schreibt:

    stimme tristan zu. raus mit den psycho-brillen. mehr bewegung. ich bin etwas befangen, den text zu kommentieren, weil ich teil deines cy twombly erlebnisses war, und sich das in meine lesweise reinmischt.

    was für mich vielleicht noch stärker herausgearbeitet werden könnte ist die spannung zwischen den explosiven bildern und dem kühlen ambiente des museum(sbesuchs). aber bitte ohne das museum zu nennen. :)

  3. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    Hmhm ich kann eure Kritik nur teilweise nachvollziehen.
    Ich verstehe z.B. nicht so ganz, weshalb es problematisch ist, dass der anlass für den texteinstieg einigermassen eindeutig ist (ich verstehe hingegen, dass es problematisch ist, wenn er kitschig ist. wobei die frage wieso kitsch problematisch ist einer diskussion auch mal wieder wert wäre. dasselbe gilt für pathos :)). Denn es ist ja so, dass der text versucht (oder mindestens ich mit dem text versuche) drei ebenen zu mischen: die reale seeschlacht lepanto, den nach ihr benanten gemälde-zyklus von cy twombly und die ebene der betrachtung des zyklus‘, d.h. den distinguierten museumsbesucher, von mir aus in kühlem ambiente. insofern finde ich es unproblematisch, dass der text einen relativ klaren einstieg hat (ich sage relativ klar, denn eigentlich überwiegt z.B. hier beim einstieg schon die ebene der betrachtung) und dann dahinschreitet, die ebenen zusehends zu mischen.

    ich verstehe entsprechend auch die kritik an den psychoanalytikerbrillen nur halb, da ich durchaus finde, dass sie räume eröffnen. männer in psychoanalytikerbrillen und frauen in netten jacketts sind typischerweise teil der intellektuellen oberschicht und somit genau jenes bildungsbürgertum, das sich solche kunst in solchen ambientes reinzieht, bzw. es trägt zu ebendiesem ambiente selber bei. ausserdem wird eine weitere ebene der betrachtung angedeutet, nämlich der psychoanalytische blick auf das bild/die kunst, die tatsächlich im gedicht nicht weiterverfolgt wird. Kurz: das ist klischee und soll klischee sein!

    dann verstehe ich auch den folgenden satz nicht:
    „gerade weil das mit den virgeln meiner ansicht nach gut funktioniert, könnte der aufzählungsduktus etwas schleppend wirken“
    wieso gerade wegen der virgeln? die virgeln und die aufzählung erfüllen doch jeweils andere funktionen: die virgeln trennen das moment auf, in welchem zwei der drei ebenen (bild/bildbetrachtung;schlacht/bild; schlacht/bildbetrachtung) zusammenfallen, die aufzählungen sollten eigentlich dazu dienen, eine unmittelbarkeit der situation zu suggestieren, d.h. ein „einströmen“ der eindrücke. aber es ist natürlich nicht so cool, wenn der text dadurch schleppend wird. mir fällt allerdings gerade auf, dass die einzigen beiden konjugierten verben gesetzt und verlaufen/rudern sind, was mich wiederum einigermassen erfreut, da es zum programm des textes passt. – Rike, sind mehr Verben auch das, was du mit „mehr bewegung“ meinst? oder was genau meinst du damit?

    allgemein würde mich interessieren, weshalb du – Alex – meinst, dass der text zunehmend mehr kann. wenn ich dich richtig interpretiere, dann liegt das daran, dass du meinst, dass der einstieg und die psychoanalytikerbrille nichts weiter tun als einen diskurs anzuzitieren und deswegen „gross tun“ aber klein sind?
    was kann der text denn später?

    mir fällt ausserdem grad noch ein, dass wenn man den einstieg in seiner eindeutigkeit weglässt, lediglich der titel über umwegen auf cy twombly hinweist. wenn man lepanto googelt kommt wahrscheinlich vor allem die seeschlacht, nicht der bilderzyklus. ich frage mich deshalb, ob der text sonst nicht zu kryptisch wäre bzw. ob man überhaupt darauf käme, dass es auch um ein bild geht? ich glaube auch aus diesem bedenken heraus hab ich die widmung unten gesetzt, als fährte für den leser. meinungen zum sinn/unsinn der widmung werden gerne entgegengenommen!

  4. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    wobei, zugegeben, hornbrillen wäre auch erwägenswert! ;)

  5. Tristan Marquardt schreibt:

    um es kurz zu machen: alle deine erklärungen zielen darauf, den text von außen zugänglich zu machen. die männer und frauen sollen ein bestimmtes feld aufmachen, die widmung eines, der titel ein zusätzliches. worum es mir ging, ist die textimmanente ebene: was passiert da, was spricht mich an, was finde ich spannend, worüber denke ich nach? denn in der regel ist es doch so, dass ich erst, wenn mich der text an sich anspricht, lust bekomme, mich mit den referenzen auf außerhalb seiner selbst liegendes zu beschäftigen – es sei denn, ich interessiere mich gerade zufällig für genau dieses thema. ich persönlich lese den text aber, weil ich mich für deine lyrik interessiere und bei den dingen, wo ich bedenken geäußert hatte, passiert lyrisch nicht viel bzw. sind sie mir, wie gesagt, zu klischiert. lässt man referenz und konzept mal beiseite sind doch z.b. „ausgehängte signale gesetzt wie kinderbücher zum ausmalen“ oder „im anschlag ansichtskartenandacht“ viel stärker als „was wenn farben nicht mehr fröhlich sind“ und „männer mit psycholanalytikerbrille“. da passiert einfach mehr. bei den männern kann ich nur sagen: ja, fand ich auch schon immer nervig, oder: ja, fand ich auch schon immer cool. aber das ist nichts, was der text leistet.
    und wie gesagt: mich stören nur diese wenigen sachen, den rest find ich wirklich super.

  6. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    so. mal der überarbeitungsversuch… titel ist jetzt mal weg, ich überleg aber noch… („lepanto“).

    zum vergleich:

    lepanto

    was, wenn farben nicht mehr fröhlich sind

    sichtbar werden. ein karneval. nicken. blicke.

    männer mit psychoanalytikerbrille und damen
    
im karierten jackett. seeungeheuer in nebel,

    bauchige schlachtschiffe, füssler kopfunter voran.

    blut. historische dimensionen von aufpasser /

    kometen und feuerwerk und flaggen, ausgehängte signale
    
gesetzt wie kinderbücher zum ausmalen.

    schwadrone verlaufen / rudern zu mintfarbener see.

    davor bänke in kreuzformation, lautes husten

    schüsse / schritte. im anschlag ansichtskartenandacht.

    (für cy twombly)

  7. Tristan Marquardt schreibt:

    tolle überarbeitung. nur was zum anfang: natürlich ist der beabsichtigt so aufzählungslastig, aber vielleicht würde ihn ein verb doch irgendwie anpackender machen und den übergang zum mittelteil reibungsloser. zumal die ganzen assonanzen dazukommen. die mildern die klangliche wirkung, die nicken/blicke vorher hatte, ab, bzw. das wirkt dann fast schon too much in der reihung an k’s – die man vielleicht einfach auch ein bisschen auflockern könnte, damit das einzelne mehr hervorsticht.

    • Tabea Xenia Magyar schreibt:

      thanks für die rückmeldung! bei der aufzählung kann ich mitgehen. mal schauen, ob mir was einfällt – hast du eine idee?

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