[das problem ist]

das problem ist, man kann leuten nicht immer träume in den arsch schieben
und hoffen, dass sie irgendwann im kopf ankommen. ich weiß, das mit der
zukunft haben sie schon wieder geändert, aber daran kann ich jetzt auch nichts
machen, es fühlt sich einfach nicht danach an. das ist wie mit dem mittwoch:
meistens sieht man ihn kommen und tut trotzdem nichts. symbolsex, ja, und
später ist man dann aus dem gröbsten raus. in fast jeder situation habe ich diese
provisorische lust, nach hause zu gehen: die abkürzung zu finden. und wenn
ich das geschafft hab, setze ich mich neben die spüle und baue ein schiff aus
krepppapier: eine garantierte titanic, vielleicht auch mehr, auf vorrat, für später.

(für olivia)

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Dieser Beitrag wurde unter Lea Schneider, TEXTE veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu [das problem ist]

  1. Lea Schneider schreibt:

    Sehr in progress, vor allem das Ende…

  2. Christopher Izgin schreibt:

    Hallo, Lea!

    Mir gefällt der Text gut. An einigen Stellen jedoch würde ich einhaken. Zunächst einmal irritiert mich der Wechsel zwischen dritter Person Plural, erster Person Singular und unpersönlichem „man“. Letzteres formt generische Sätze; wenn du also sagst, „meistens sieht man ihn [den mittwoch] kommen und tut trotzdem nichts“, dann erhebt der Satz allgemeingültigen Anspruch. Ich möchte daran zweifeln, dass der lyrische Sprecher dies intendiert, zumindest ausgehend von meinem Leseeindruck; nach meiner Lesart könnte genauso gut immer ein Ich eingesetzt werden, wenn im Text „man“ steht, aber das ist hochsubjektiv. Dieses generische Man impliziert ohnehin, dass das Ich vom Ausgesagten gleichermaßen betroffen ist. Aber wenn der Text eingangs von den „leuten“ und von „das mit der zukunft haben sie schon wieder geändert“ (–> sie) spricht und am Ende nur noch das Ich im Vordergrund steht, fehlt mir der Zusammenhang. Die dritte Person Plural, die anfangs im Vordergrund steht, wird nicht weiter expliziert, allerhöchstens im „symbolsex“ angedeutet, aber genau dieses Wort wirft mich gewissermaßen aus dem Text. Wo ist das Du bzw. wie wird das dafür notwendige Du transportiert? Die dritte Person erschiene mir zum einen zu abstrakt und zum anderen in diesem Text nicht klar genug herausgestellt. „in fast jeder situation“ verunsichert mich ebenfalls: Zunächst bist du explizit und nennst einen Wochentag, plötzlich will das Ich jederzeit fliehen. Der zeitliche Bezug wird vom Text nach meinem Empfinden nicht deutlich genug vermittelt, diese Stelle ist mir zu vage (zumal es zuvor keine wirklichen „Situationen“ im herkömmlichen Sinne gab, wie ich meinen würde). Ein ähnliches Gefühl habe ich auch an anderen Stellen, z. B. „eine garantierte titanic, vielleicht auch mehr, auf vorrat, für später“ (die Stelle finde ich außerdem redundant) oder „und später ist man dann aus dem gröbsten raus“: An diesen Stellen wird mir der Text zu unbestimmt, unklar. Ich finde ferner, dass Einsparungen am Wortmaterial vorgenommen werden könnten; viele Wörter wirken auf mich wie Füllwörter: „dann“, „schon wieder“, „jetzt auch (nichts)“, „trotzdem“. Was mir auch als nicht allzu positiv auffiel, war der parallele Satzbau gleich zu Anfang: Die ersten beiden Sätze fangen mit einem kurzen und inhaltlich (vom diskursiven Gebrauch her) ähnlichen Hauptsatz an („das problem ist“ und „ich weiß“) und werden gefolgt von einem Verbzweit-Nebensatz, beide auch mit daran anschließendem Nebensatz („dass“ bzw. „aber“). Die drei Stellen mit dem Doppelpunkt sind auch sehr parallel: eine zu konkretisierende Aussage, die nach dem Doppelpunkt dargelegt wird. Eine Operation, die, wie ich finde, nicht dreimal in einem Text auftauchen sollte. Das Ende, muss ich sagen, finde ich eigentlich sehr stark und schön. Höchstens die „titanic“ ist als Bild nicht sehr subtil, vermittelt aber eine klare Stimmung und wirkt auf mich ungeheuer emotiv. Den Anfang, also den ersten Satz, hingegen finde ich etwas zu klar und in your face. Das klingt irgendwie pamphletistisch. Aber: Mir gefällt der Text immer noch gut! :)

    LG, Chris

  3. Maria Natt schreibt:

    DIE GARANTIERTE TITANIC IST A-HALT! die hattest du schonmal und weil das jeder weiß und merkt, dass das recycling ist dann mach mal besser weg, du kannst mir nicht erzählen, dass dir nach 7 zeilen in die fresse nix mehr einfällt. setzt ruhig noch einen drauf ich finds gut

    • Lea Schneider schreibt:

      :) Merci für die Kommentare! Da wird jetzt einiges an Recycling kommen in der nächsten Zeit – ich geh grad mehr oder weniger systematisch die „toten“ Texte auf meinem Computer nach verwertbarem Material durch, bzw. nach Stellen, die ich gern für den Debütband retten möchte. Also bleibt die Titanic auch erstmal da, den alten Text gibts nämlich nicht mehr.

  4. Friederike Scheffler schreibt:

    ich mag den text, ich mag ihm gerade beim wachsen zusehen.

    handwerklich, wo du deine texte ja immer so schön baust, fände ich es
    schick, wenn du am anfang ein wasserwort aufnimmst, da fehlt es mir noch
    an einem konkreten wort, das idealerweise das bild des „träume in den arsch schieben“ weiterführt oder zumindest damit zusammen geht. eine stelle für dieses wort wäre zb nach ..“ankommen“

    ähnlich wie chris finde ich das ende jedoch redundant. das liegt auch
    an dem singular plural problem vom ende. Titanic geht nur im singular,
    deshalb schlage ich vor, nur ein Schiffchen zu nehmen, ich schlage also
    -übergriffig- folgende alternative vor:

    .. setze ich mich neben die spüle und bastle ein schiff aus
    krepppapier: garantierte titanic..

    und das rendundante danach wiederum ist glaube ich dem rhythmus geschuldet.
    inhaltlich ist das alles dieselbe Bewegung, daher fände ich es gut,
    wenn du dich entscheiden tätest für eine der drei, dann ist es auch nicht
    so ende ende, oder inhaltlich ein neues element aufnimmst.

    soweit, sei gegrüßt!

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