Im Kaffeehaus

Wie sie da sitzen, sie und er auch,
alle beide bei den umstehenden Zusehenden
beinahe schwitzend, obschon keine Augen,
außer die für sich besitzend, sodass Beine
ganz allein auslaugen, während deren Träger
ganz beständig den Gedanken schwenken,
wie es wäre, sich an seiner statt in
jenem weiten Sofabett zu renken.

Das Renken ist vielmehr ein Räkeln
und die Wände sind auch nicht getäfelt,
folglich fehlt es nicht an Fehleinschätzungen,
gelegentlich sind davon gar genug vorhanden,
aber hierzuland – in diesem Saal – ist jenem
anders, denn das Sofabett ist weder weich,
noch groß zum Liegen, sondern einfach
Fläche und der Name daher fast intrigenhaft.

Dennoch wird von ihnen ein zentraler
Platz in diesem Saal besessen und herum
wird munter Füße scharrend unterdessen
eingestanden, mit dem Rücken an der
tapezierten Wand, dass wer da sitzt,
die Leute auf den Beinen sehr entzückt und
dass sie vieles geben würden, sich und sie
von ihm und seiner Bürde freizulegen.

Wie gesagt soll selbstverständlich nicht
gelegen werden und deswegen nicht verzagt,
muss ich mir selber etwas scheu beteuern,
denn es kann ja jene Jugend auch genügend,
wenn nicht alles, gut im Sitzen überblicken
und dabei noch Schwingungen auf jedem
Weg verschicken, unausweichlich sitzt hierfür
mir gegenüber dieser lebende Beleg.

Nun lenkt das Wort Beleg in meinem Kopf
die Dinge wieder so verfänglich, dass ich
umzublicken mich genötigt und voll Schrecken
außer jenen beiden, die jetzt selber stehen,
nur noch die Bedienung sehe, die den Thresen
putzt und während ich das gar nicht fassen
kann, sind meine Füße derart lahm, dass
ich als Allerletzter diesen Saal verlasse.

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2 Antworten zu Im Kaffeehaus

  1. paulaglamann schreibt:

    ich finde dadurch dass du das „ich“ früher einsetzt bekommt das gedicht was filmisches, da kann ich jetzt besser folgen allein von zugänglichkeit und textverständnisses her.

  2. alexandermakowka schreibt:

    Danke, ich verstehe das „Filmische“ so, dass die beschriebene Situation einigermaßen bildlich vorstellbar und vielleicht sogar eine (zeitliche) Handlungsabfolge erkennbar wird. Das fände ich schon gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob sich die mittig Sitzenden und die drum herum Stehenden eben auch dadurch voneinander bildlich unterscheiden, dass sie sitzen bzw. stehen, was mir ursprünglich einmal wichtig war.

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