nachtfahrt

es gab da diese nachtfahrt die wir machten
mit durchdunkelten scheiben vor unserer welt
stand der schmale souverän in gewürfelter haltung
ging jedes leuchten mit hoher dringlichkeit einher

die schwärze der umgebung wurde sorgsam belassen
als ein großer falter glitt die bahn in der nacht
mit flügel samt ebensolchem mangel an farbe
war wenig nur nötig damit die bestimmung gelang

bis tief in uns drinnen begann sie zu nisten
die abkunft vom schwärmer lag kriecherisch vor
und sandte gedanken die zwischen uns blieben
vom sparkurs der bahn kam ein sparring in norm

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9 Antworten zu nachtfahrt

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    vieles an dem text gefällt mir gut. insb. in der zweiten strophe, zweiter bis vierter vers, kippts mir aber wieder zu sehr ins schwelgerisch-unkonkrete, das drumherum eigentlich immer wieder gut aufgefangen ist durch überraschende und prägnante wendungen. vielleicht lässt sich da noch was machen.

  2. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    kleine formale frage – wieso nachtfahrt im text auch noch fett, wenn es schon als titel steht?

  3. Lea Schneider schreibt:

    finde den text richtig gut! atmosphärisch ist das alles wunderbar dicht und transportiert eine ganz leicht unheimliche stimmung von nicht-ganz-in-der-realtät-sein, so surreal (im sinne von über-real) wie nächtliche fahrten ja oft sind.
    mir geht es aber eher gegenteilig zu alex‘ leseeindruck: in der mittleren strophe scheinen mir die bezüge klar zu sein (wenn auch, da würde ich mich anschließen, sehr verschachtelt). in den beiden anderen dagegen gibt es diese beunruhigenden bilder, die sich mir nicht erklären: wer ist der schmale souverän? was beginnt da zu nisten?
    das gefällt mir allerdings wiederum sehr gut, weil es genau die stimmung erzeugt, die ich beschrieben habe. wo es meiner meinung nach leider schwer verständlich wird, ist am ende: „die abkunft vom lärm lag kriecherisch vor“ sowie „vom sparkurs der bahn kam ein sparring in norm“ verstehe ich überhaupt nicht. war da jemand erfolgreicher beim lesen? falls nicht, müsstest du über diese beiden stellen, sollen sie denn einen inhalt transportieren, nochmal nachdenken.
    ansonsten aber wie gesagt: gefällt mir sehr gut! hoffentlich gibts auch weiterhin neues aus italien :)

  4. Linus Westheuser schreibt:

    wow! das gefällt mir wirklich sehr sehr sehr gut. und zwar genau, weil es die sperrigen, oder abstrakten ausflüge verbindet mit der eingängigen schwelgerei, die als flow darunterliegt. dass das in einer nachtfahrt verortet ist, erlaubt in der hinsicht sowieso alles und macht das ganze damit zu einem klassische fall davon, wie sich zwei prinzipien gegenseitig aus den angeln heben, und das – mit alex lieblingswort – auf produktive, erweiterternde weise. ich würde erstmal nichts am textrumpf verändern, in dem sinne, ihn konsequenter in eine der beiden richtungen zu treiben. das wäre glaube ich in jedem fall langweiliger. einziges technisches problem sehe ich in dem „lärmer“, der in seiner personifizierung etwas verloren herumsteht. ich plädiere hier für lärm, auch wenn es rhythmisch nicht so fließt, wie der rest der strophe. der wirkliche rhythmische bruch liegt sowieso bei „letztliche“ vor, das würde mit ein zwei silben hier oder da wahrscheinlich auch besser funktionieren.

    jedenfalls: toll!!! bitte mehr davon!

    oh und gerade der schmale souverän macht mir gänsehaut

  5. Alexander Makowka schreibt:

    Vielen Dank für das Feedback, das hat mich auf jeden Fal noch einmal angehallten, diesen zunächst nicht recht geschätzten Text erneut anzugehen. Zum Vergleich hier die vorherige Version:

    es gab diese nachtfahrt die wir bewohnten
    mit durchdunkelten scheiben vor unserer welt
    stand der schmale souverän in gewürfelter pose
    ging jedes leuchten mit großer dringlichkeit einher

    die schwärze der umgebung wurde sorgsam belassen
    als einzelner schwärmer glitt die bahn in der nacht
    mit flügeln von ebensolchem mangel an farben
    zierten letztliche nötig die zuordnung entlang

    bis tief in uns drinnen begann es zu nisten
    die abkunft vom lärmer lag kriecherisch vor
    und sandte gedanken die zwischen uns blieben
    vom sparkurs der bahn kam ein sparring in norm

    Und im Grunde kann und will ich auch gar nicht viel zu den Änderungen sagen.
    Das mit dem Titel war so doppelt, weil er eigentlich im Text als fett erscheinen soll, ich aber trotzdem wollte, dass er hier auf dem Blog einen Namen trägt.
    Ob der gut nachvollziehbare Ausfall der Personifikation in der dritten Strophe nun behoben ist, darüber bin ich mir immer noch nicht sicher bzw. ob die „abkunft“ so einigermaßen angemessen eingebettet ist. Es waren diese zwei ersten Zeilen der dritten Strophe eine solche Stelle, wo viel schon stand und wenig anders sollte. Aber zumindest kann der „schwärmer“ dort seine zwei Bedeutungen haben. Wie ich wohl öfters versucht habe, eine Doppeltbelegung zu finden, um dem zugegeben etwas explizierten Thema der „nachtfahrt“ einen Gehalt beizumischen.
    So ja auch beim „sparring“ in der letzten Zeile, wenn dies auch nichts von der Unvermitteltheit derselben erklärt. Ich wollte einfach ein paar Möglichkeiten eröffnen, wobei ich auch sehe, dass das den Zugang natürlich nicht erleichtert.
    Alles Gute ins Zirkelland!

  6. Linus Westheuser schreibt:

    drei kritische anmerkungen zur überarbeitung:

    1. fand ich „bewohnen“ schöner als „machen“. machen machen machen, das ist so ein raketenwerferwort. und der zugänglichkeit stellt bewohnen ja auch nichts in den weg.

    2. „mit flügel samt ebensolchem mangel an farbe / war wenigste nötig damit die bestimmung gelang“ hier finde ich hast du die verkeilung nicht wirklich aufgelöst, besonders weil der bezugspunkt für „wenigstE“ völlig schleierhaft bleibt.

    3. bleibt die geste der „solchen“ dringlichkeit hohl, weil sie sich auf nichs stützen kann. auch hier hat mir die vorige version besser gefallen.

    ansonsten immer noch daumen hoch für das da, die ganzen doppelbesetzungen oder fragwürdigkeiten (sparring) funktionieren würd ich sagen voll. liebe grüße ins schwärmerland.

  7. Alexander Makowka schreibt:

    Danke für die Anmerkungen, ich meine dazu:
    1)
    Ganz abgesehen von dem ziemlichen Gebrauchscharakter des Wörtchens „machen“ ging es mir in dieser ersten Zeile um den Gleichklang (auf „a“), den es ebenso in der zweiten Zeile gibt (auf „u“) und welcher dort erst durch den Vorhergehenden richtig zur Geltung kommt, wie ich finde, bzw. ergänzen sich die beiden Klanghäufungen ganz allgemein vorteilhaft.
    Und mit dem Verb „bewohnen“ war ich zuvor nicht wirklich glücklich. Es kam mir wie eine unnötige Überhöhung der Tätigkeit in dieser Zeile/der Szene vor, wie sie für mich aus dem Rest des Textes nicht gerechtfertigt erschien. Einen solchen ungewöhnlichen Gebrauch von v.a. Verben ohne ersichtliche Notwendigkeit oder Berechtigung (schwieriges Wort) versuche ich zu vermeiden, auch weil ich finde, dass dies als lyrisches Mittel mitunter überstrapaziert wird.

    2)
    Die vierte Zeile der zweiten Strophe habe ich nach anfänglichem Zögern beschlossen dahingehend zu ändern, dass sie wie alle übrigen auch für sich und ohne notwendigen Bezug stehen kann. Dennoch soll sich das „wenig“ hauptsächlich via Enjambement auf die „farbe“ beziehen. Ein derartiger Rückbezug einer Folgezeile ist ja an einigen Stellen möglich, wenn auch an diesem Ende der zweiten Strophe (noch immer) am meisten nötig. Hoffentlich hat aber der kleine Eingriff etwas von dem Sich-versperren hinweggenommen.

    3)
    Hier kam es auf der einen Seite zu einer Wortverschiebung im Vergleich zu der ersten Version, da ich den neu aufgetretenen „falter“ sehr gerne als „groß“ beschreiben, das gleiche Adjektiv aber nicht schon wenige Zeilen darüber verwendet haben wollte. Ehrlicherweise muss ich nun zugeben, dass mir soeben erst die bisherige Dopplung des „solcher“/“…solchem“ aufgefallen ist und dieser Fakt ein Hinweis auf die stückweise Hinfälligkeit des allzu pedantischen Wörterabgleichens sein könnte, er nichtsdestotrotz den Grund für das abermalige Austauschen des Adjektivs vor „dringlichkeit“ darstellte.
    Auf der anderen Seite hatte ich noch für die zweite Version „solcher dringlichkeit“ argumentieren wollen, dass mir der floskelhaft-ironische Einschlag gefiel, den ich in der Bezuglosigkeit sah und wie es ihn häufig in der Umgangssprache gibt. Mit dem später verarbeiteten „schwärmer“ fand ich das passend, wobei man sicherlich überlegen könnte, ob eine solche Formulierung nicht zu viel antizipiert bzw. in eine etwas andere Richtung zielt (spätestens der letzte Satz entbehrt einer konkreten Grundlage als so).

    • Tabea Xenia Magyar schreibt:

      Also nur zum ersten Punkt, zum bewohnen. Ich plädiere stark für bewohnen, das find ich viel schöner und deine Argumente dagegen beide nicht recht schlüssig. Denn bewohnten mit seinem o würde ebenfalls schön zum a und dann vor allem zum u passen, es antizipierte quasi das dUnkel, welches danach erwähnt wird. Und zweitens ist die überhöhung an dieser stelle durchaus aus dem rest des textes zu rechtfertigen, man nehme nur und prominent, den FALTER. ich meine, die bahn, wie ein falter durch die nacht? ….

  8. Friederike Scheffler schreibt:

    bewohnen, bewohnen, bewohnen!
    und vielleicht bloß „als falter glitt die bahn in der nacht“ ?

    (ich mag den text übrigens auch.)

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