casa azul

brunnen der nach himmel pumpt
nach staub wird noch gefahndet
in coyoacán, die zwei fridas auf blättern
die kahle, der alte raffzahn, die gegrillte
la tostada, la mera dientona, la pelona
rufen auf dem weg nach mictlan
begleiten hunde auf rundreise zu immer neuen toden
im körper, im bild der gleichen, schein von natur
ranken wurzeln, zerteilte samen (magenta)
früchte, mexicanidad, aztekisch verletzte
man hielt mich, das ist nicht richtig
ich habe niemals träume gemalt (hellgelbgrün)
mehr irrsinn, mysterien, alle gespenster
tragen kleider oder solche unterwäsche
was ich dargestellt habe, meine wirklichkeit
was mir das wasser gab (blau)
und reinheit liebe (blau) entfernung

erinnerung an die offene wunde
zwei akte im wald an der grenze
diego, mein kleid hängt dort
die zerbrochene säule, diego
la llorona, ich und meine puppe, chava
das war meine geburt
ein paar kleine dolchstiche die medizin
warmes gutes licht im kokon (grün)
gefesselt an patente auf wachstum
nichts ist (schwarz) wirklich nichts
fortschreitend im unterleib
das bildnis des burbank (blattgrün)
wissenschaft, blätter, traurigkeit
malerei einer kranken, warum sei sie
kämpferisch, das kann ich nicht
mein selbstbildnis im samtkleid (blau)
auch zärtlichkeit, farbe der mole
des schwindenden blatts

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9 Antworten zu casa azul

  1. rd schreibt:

    ich komme nicht über die erste zeile hinaus. sie bereitet mir kopfschmerzen und ich will nicht weiterlesen. nach etwas pumpen? also bitte.

  2. Paula Glamann schreibt:

    bitte.

  3. Tristan Marquardt schreibt:

    wo ich nochmal drüber nachdenke, find ich die frage schon berechtigt, denn das bild funktioniert ja nicht richtig. ein brunnen kann nicht nach etwas pumpen, höchstens kann jemand im brunnen etwas pumpen. bzw. mir wird nicht so ganz klar, warum dieses bild so sein muss, da der text ja sonst nicht mit solchen mitteln arbeitet. vielleicht könnte man das bild also noch etwas aufdröseln oder aber eine bessere einbettung dafür finden, dass dieser brunnen nun eben mal nach himmel pumpen muss.

  4. Paula Glamann schreibt:

    wenn ich „pumpt“ durch „schöpft“ ersetze, sperrt sich bei mir was. was meint ihr dazu?
    ich mag das bild vom pumpen, weil es zu den kreislaufmotiven aus dem aztekischen denken, der kraftanstrengung des kreativen, und dem existentiellen in fridas bildern passt. alles ist museum im blauen haus, eigentlich tot, aber da pumpt noch was: das klassische motiv von der überlieferung/unsterblichkeit durch kunst, das weiterleben der person im werk und deren vermischung, aber mit kopfschmerzeffekt. ohne kopfschmerzeffekt fände ich das thema (und das bild) zu brav und abgegriffen, glaube ich.
    was sagt ihr?

    • Tristan Marquardt schreibt:

      über den kopfschmerzeffekt muss ich noch ein wenig brüten. aber „nach himmel schöpfen“ funktioniert auch nicht wirklich, richtig wäre doch „himmel schöpfen“, was ich aber auch nur so semi-toll finde, zumal das ja wiederum nicht der brunnen selbst tut. zudem: wenn pumpen irgendwie drin bliebe, fänd ich das gut. wie das am besten ginge, daran scheitert gerade allerdings auch meine online-brunnen-recherche. irgendwie sind artikel über brunnen sprachlich degeneriert. „Trinkwasser ist die Voraussetzung für das menschliche Überleben“, na super. :)

  5. Paula Glamann schreibt:

    ursprünglich hab ich das bild von pessoa geklaut: „wir sind zwei abgründe – ein brunnen, der in den himmel schaut“.

    brunnen der nach himmel schaut
    brunnen der himmel pumpt

    das „nach“ muss schon bleiben. ich häng mich da grad dran auf. erstmal ein butterbrot.
    was meint ihr zum rest? funktioniert der zweite teil besser ohne kursiv-zitate?

  6. rd schreibt:

    wieso diese präposition in kombination mit gerade diesem verb? wie soll ein brunnen (pah, der brunnen als agens!) nach etwas pumpen? das ist sehr sehr sperrig.

  7. Paula Glamann schreibt:

    der himmel steht für das blau als ziel von fridas schaffen, fühlen, leben. der brunnen ist das blaue haus, das museum, in dem fridas werk, ihre philosophie, noch weiterlebt, ihr herz noch schlägt, pumpt.
    der brunnen ist sowohl das haus, als auch ihr nachlass, die abgründigkeit in ihrer kunst und ihrem denken. im casa azul pumpt er weiter, der kreislauf als ihr motiv, dort wird ihre suche nach blau und gleichzeitig ihre extreme affinität zum abgrund, zum schmerz, nachvollziehbar gemacht. weiter auf ihren spuren nach himmel gepumpt. der brunnen der nach himmel pumpt.
    im casa azul ist also der abgrund, der brunnen, die gesamte kraft mit der frida nach blau gesucht hat am pumpen.
    ob jetzt frida, ihr werk oder der brunnen nach himmel/blau pumpt, kann demnach vielleicht gar nicht grammatikalisch sauber zugänglich gemacht werden oder vielleicht möchte ich das nicht, weil ich nicht in einer gesetzten klarheit über etwas sprechen möchte, das ich versuche als lebendig zu beschreiben: die frida-maschine :).
    vielleicht steckt die ambivalenz von fridas philosophie, die vermischung von person und ausdruck, extremen bedürfnissen und dem kreislauf des schmerzes und des scheiterns damit für mich in diesem bild.
    vielleicht.
    ich würde mich aber in jedem fall freuen, wenn der erste vers dich nicht am weiterlesen und -finden hindert, richard, und die kopfschmerzen dabei bestenfalls nicht anhalten. ich bin gespannt!

  8. rd schreibt:

    okay, nach dieser erklärung (und ehrlich: ein brunnen ist erstmal ein brunnen ist später das für etwas anderes stehende | ein haus, das nach etwas pumpt? der nachlass, der nach himmel pumpt? usw. geht alles paradoxerweise viel besser als der brunnen hier) hab ich mal weitergelesen. und abgesehen davon, dass mich das doch weiterhin nur irritiert: der sound des ‚pumpt‘ ist nicht richtig, das wort hat so überhaupt nicht den vibe des rests.

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