[bewegungsunschärfe]

das eigentliche problem ist, am ende erinnert man sich an die
wichtigen gesichter nur von fotos: bewegungsunschärfe, wie
dubstep in schneeflockengeschwindigkeit oder die federchen
aus überschüssiger kulitinte, manchmal bleiben sie hängen in
den punkten über umlauten. gründungsmythen zum ausschneiden
und sammeln. wenn man genug zusammen hat, kann man sich
eine begriffslandschaft vorstellen, in der es so früh dunkel wird,
dass man nie sicher ist, ob es sowas wie wege gibt, aber ständig
gegen berge läuft. in der regel kommt man da durch den notausgang
rein, aber das muss man ja auch erstmal wissen, und solange
immer noch keiner ein beweisfoto hat, hat es vielleicht mit dem
licht zu tun: mit der körnung bei zu großer filmgeschwindigkeit.

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4 Antworten zu [bewegungsunschärfe]

  1. Lea Schneider schreibt:

    work in progress, ich freu mich über kommentare! :)

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    es mag programm sein, aber wenn ja, dann stört es mich: bewegungsunschärfe ist hier ja mehr als titel, wird geradezu stilistisches prinzip. am anfang braucht der text ganze anderthalb zeilen mit vielen gewichtigen wörtern (eigentlich, problem, wichtig, erinnerung etc.) für eine kaum greifbare feststellung. das wird dann auf ein abstraktum zurückgeführt, dem ein ganz schön wilder vergleich anhängt (inkl. des längsten wortes, das ich seit langem gesehen habe :) ), dem noch ein wilder vergleich als variante anhängt. resultat: ein einstieg mit viel ballast und kaum etwas greifbarem; als leser hänge ich völlig in der luft. was dann folgt, arbeitet in meinen augen geradezu willentlich daran, dass das möglichst so bleibt. weitere abstrakta (gründungsmythen, begriffslandschaft) paaren sich mit jeder menge „man“ und weiterem ungfreifbarem wie „sowas wie wege“. all das führt, wenig überraschend, dazu, dass dieser text im vergleich zu deinen letzten in meinen augen ziemlich abfällt. klar ist er konsequent darin, bewegungsunschärfe zu kreieren, aber irgendwie scheinen mir formen von mehrwert (etwas, das mich anspricht, mit mir arbeitet, mich überrascht, mich berührt – whatever) auf den bildern stecken zu bleiben, die mir vorenthalten werden.

  3. Lea Schneider schreibt:

    danke für den kommentar, tristan! :) ich würde deinem einwand der ungreifbarkeit insofern widersprechen, als hier a) mit konkreten bildern gearbeitet (also nicht nur mit abstrakta) und (hoffentlich!) auch eine konkrete bildlichkeit kreiert wird; und b) diese bilder nicht beliebig nebeneinander stehen, sondern sich aus bestimmten wortfeldern speisen (nämlich hauptsächlich fotografie: die gesichter auf fotos, bewegungsunschärfe, beweisfoto, licht, die körnung bei zu großer filmgeschwindigkeit). was mich beim schreiben interessiert hat, war die (in)kongruenz zwischen der „echten“ erinnerung (an personen, gesichter, ereignisse) und der erinnerung, die auf fotos festgehalten ist, bzw. hauptsächlich die frage, ob es so eine „echte“ erinnerung überhaupt geben kann oder ob nicht langfristig das einzige woran man sich erinnert eben die fotos sind – nachträgliche konstruktion von erinnerung usw.

  4. Max Czollek schreibt:

    …also ich teile tristans kritik in diesem fall nicht. ich finde, der text kreist deutlich um ein thema und behandelt das auf eine art, die sich mir erschliesst und die mir gleichzeitig ein paar dinge zum nachdenken gibt. die einbettung passiert vor allem bei dem doppelten bild von „schneeflocken in… oder die federchen … kulitinte“. da wird eine sinnliche dimension mit einer intertextuellen zusammengefuehrt. und das ist dann auch das programm, welches mit „begriffslandschaft“ ganz gut zusammengefasst werden kann. die fragen denen sich der text widmet sind in meinen augen: was sind gesichter eigentlich („gruendungsmythen“)? wo kommen sie her, warum merken wir sie uns und auf welche weise („unschaerfe“)? und was machen die dann wieder im text („punkte um umlaute“)?

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