[rapsdrescher, schienen]

rapsdrescher, schienen, die vorm gartenzaun enden. wo wir
sind, wenn niemand spricht. wie weit kann eine farbe tragen?
selbst wenn sie gelb ist, kippt dahinter ein feld. in einem ort
wie zahna kann es sein, dass jemand wartet. wir aber haben
sehr viel zu tun. geradezu lässig hängen die stromkabel,
verbinden die masten, als ob am mittag kinder kämen zum
drüberhüpfen. ich bin zäh geworden. fahr leise meine wangen
entlang, prüf die flora auf allen vieren. bärenklau und
bockshornklee. lies mir wieder die regeln: bei einem kalb
meid nie die augen, leg die hand zärtlich an seinen huf.

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2 Antworten zu [rapsdrescher, schienen]

  1. Christopher Izgin schreibt:

    Hallo, Rike!
    Mir gefallen dir Bilder im Text ganz gut. Nur habe ich während des Lesens oft des Eindruck gehabt, dass du zu oft ins Abstrakte und Bildarme übergehst, etwas zu viel philosophierst. Zum einen hast du im zweiten Vers eine Frage, die als Aussagesatz formuliert ist („wo ist man, wenn man spricht.“), wobei ich dachte, dass du vielleicht die Wortfolge vertauscht hast („wo man ist, …“) oder von der unmittelbar anschließenden Frage („wie weit kann eine farbe tragen?“) ablenken willst. Grundsätzlich finde ich es stärker, wenn lyrische Texte nicht unbedingt Fragen stellen, sondern sie eher aufwerfen in einer Art stream of consciousness, also der Leser sich Fragen stellt. Der Gebrauch der Personalpronomina verwundert mich etwas. Das „wir“ taucht im fünften Vers auf und erschließt sich zu einem „ich“ (V. 7) und Du („an deiner hüfte“, V. 9); das „uns“ (V. 9) interpretiere ich zum ersten Wir gehörig und schließt das Du mit ein (könnte auch ein exklusives Wir sein). Davor hat man das „man“ (V. 2), eine zweite unpersönliche Wendung („es wird nicht mehr gesehen“, V. 3f) und „jemand“ (V. 4), was mir von allem am kryptischsten vorkommt und auch nicht aufgelöst wird. Aufgrund dieser ziemlich allgemeinen Figurenkonstellation (die auch anders interpretiert werden könnte) hängt der Text nach meinem Empfinden zu sehr im Allgemeinen und dringt nicht tief genug ins Besondere, das auch erst später im Text angedeutet wird. An zwei Stellen im Text wird nach meinem Empfinden zu viel sprachliches Material verwendet für nur jeweils ein Bild: „verhältnismäßig lässig / hängen die stromkabel, verbinden die masten, als ob am mittag / kinderbeine kämen zum drüberhüpfen, gummitwist“ und „an deiner hüfte hängt uns ein kompass, der jede / blüte und pflanze erklärt. bärenklau und boxhornklee. alles das, / was tiere fressen“. Diese Stellen wirken auf mich zu gedehnt (z. B. mit dem Bärenklau und Boxhornklee und allem, was Tiere fressen). An einer anderen Stelle stoße ich mich auch: „wir aber haben sehr viel zu tun“ vs. „ich bin faul geworden“. Ein bisschen viel Befindlichkeit und die erste wird auch gar nicht aufgeklärt, die zweite hingegen schon („fahr beständig meine wangen entlang …“).
    Ansonsten ein schöner sommerlicher Text! :)

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    hm, ich seh das nicht so, find das alles ziemlich stimmig. dass die bilder „bildarm“ wären kann ich nicht nachvollziehen, auch das verhältnis mit allgemeiner reflexion und konkreter situation scheint gut abgestimmt. nur zwei stellen find ich ein bisschen holprig: bei „hängt uns ein kompass“ komm ich mit dem „uns“ nicht klar – was soll das heißen? für uns? und das „jede“ vor „blüte und pflanze“ würde ich streichen, weil sich das etwas mit den beiden konkreten beispielen danach beißt.

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