[man erkennt ihn leicht auf standbildern]

ein flackern, nervöses licht in stand-by. auf dem sofa erkennt ein
protagonist den ausdrücklichen trost von gegenständen: ihre
alternativlose loyalität in wohnungen, wo man sie aus schachteln
holt, ding um den gegenstand herum, das ein möglichst dünner
rand ist, wie bei guter pizza (aber auch die kommt in schachteln).
in solchen räumen ist man weder hilflos noch handlungsfähig, das ist
eine andere frage. vom protagonisten sieht man nur, was wichtig ist:
hände, die auspacken. weil das sicherste versteck an der oberfläche liegt,
finden sie nichts. die wirklichkeit begreift sich dort als ablageoption,
als möglichkeit eines frühstücks, das der protagonist erstmal stehen lässt.

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6 Antworten zu [man erkennt ihn leicht auf standbildern]

  1. Lea Schneider schreibt:

    dieser text ist noch sehr in arbeit und freut sich über kommentare!

  2. Tristan Marquardt schreibt:

    was du grad im kommentar zu unserem text geschrieben hast (https://gdreizehn.com/2013/08/06/traume-ich-konne-nicht-schlafen/#comment-2953), scheint mir eine spannende und vertretenswerte position, sie muss sich ihrer gefahren aber bewusst sein: wenn ein lyrischer text stark zu narrativen mitteln greifen will (was meiner meinung nach bei dir allerdings eher ein essayistischer ton ist), macht das die langen satzeinheiten, die reihung von längeren wörtern und dazu vor allem die vielen stellen, die statt rhythmus, klang oder starker bilder auf ihren gedanklichen gehalt setzen, nicht sexyer. anders gesagt: wenn diese mittel, die einen text erstmal spröder machen, eingesetzt werden, muss das irgendwie kompensiert werden, und ich bin mir gerade bei diesem text nicht sicher, ob da alles so nötig ist:
    – mit einem „man“ direkt einzusteigen und das dann durchziehen, setzt die verallgemeinerung schon voraus, bevor man als leser teil davon ist; das didaktische dahinter lässt sich gar nicht verhindern, auch wenn ironische elemente dazukommen
    – „ausdrücklicher trost von gegenständen“ und „alternativlose loyalität in wohnungen“ sind zwei wendungen, die ich gerade in ihrer direkten aufeinanderfolge ziemlich aufwändig finde, ohne wirklich griffig zu sein
    – „ding um den gegenstand“ ist schon ganz schön krass. hier verabschiedet sich der text ja quasi offiziell davon, dass man sich noch irgendwas konkretes vorstellen kann, was aber doch schade ist
    – gegen mitte häufen sich die „ist/sind“ enorm, warum so variationslos?
    – „tatsächlich interessant“ finde ich auch eher kompliziert als ironisch, ebenso die „eventuelle möglichkeit“
    – und beim langen weil-satz dazwischen, wirkt die syntaktische verschachtelung auf mich deshalb noch zu sehr konstruiert und zu wenig elegant, weil sie in diesem essayistischen ton so laut ist

    also das sollte jetzt alles gar nicht so haudrauf-mäßig klingen, ich dachte nur, ich bin mal ausführlicher, wenn du dir rückmeldung wünschst!

  3. Lebensmelodie schreibt:

    Interessanter als ein interpretatorischer Zugang zum Text wäre doch zunächst die Frage, unter welcher Prämisse die Poesie hier verstanden wird.
    Auffällig sind die zahllosen Modi der Fokussierung, das daraus hervorgehende Inbezugsetzen konträrer Systeme und Denkfiguren. – Aber welchen Effekt haben jene Operationen? „Weil hinter dem Außen kein Innen ist“ – so könnte die Antwort auf die Frage lauten, warum es uns immer wieder zur Kunst hinzieht. Dieses „Innen“ wird vom Dichter geleistet, wenn er individuell-geistige Prozesse in sprachliche Bewegungen überführt. – Doch weshalb schlagen sich diese Verfahren in unzähligen verschiedenen Stilen nieder? Weshalb tritt das Profane ins Feld der Kunst? – der Text mag mir darüber keine Auskunft geben, weil er seine Machart nicht dahingehend reflektiert.

  4. Lea Schneider schreibt:

    Habt vielen Dank für eure Kommentare! Wie ihr seht, sind sie in die Bearbeitung eingeflossen. Ich finde das „man“ als Akteur in Gedichten aber durchaus verteidigenswert; gerade der Versuch, scheinbar distanziert und gleichzeitig mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit für alle zu sprechen, kann ja spannend sein – und wenn er am Ende nur spektakulär gegen die Wand gefahren wird. Und ich finde es grade angenehm, eine Form zu benutzen, die sich dem*der Leser*in nicht so offensiv anbiedert wie ein „ich“ oder sogar ein „du“ – nicht jeder Text muss/soll überwältigen. Und hier geht es ja auch wirklich überhaupt nicht um Subjektpositionen, sondern eher um einen Versuch, sie mal sein zu lassen (vom Protagonisten, der nicht einmal namentlich benannt, sondern nur Funktion ist, sieht man dann auch nur das, was für diese Position wichtig ist) – das entspricht dem „man“ auf grammatischer Ebene doch sehr gut.
    Was die „innen/außen“-Problematik angeht, habe ich sie erstmal rausgenommen. Eigentlich ist die Eingangsfrage von Lebensmelodie nämlich genau eine von denen, die sich mir beim Schreiben auch stellte und unter der ich den Text gern betrachtet gesehen hätte – aber mit einer ganz anderen impliziten Antwort. Es ging mir um eine Verabschiedung des Innen bzw. der Vorstellung, das Innen sei wichtiger als das Außen, die Tiefe wichtiger als die Oberfläche – und genau nicht darum, dass die Kunst oder die Dichtung die Aufgabe hätte, dieses Innen zu leisten, im Gegenteil. Dass das aber dann trotzdem so lesbar wurde, zeigt wohl, dass in der Ursprungsversion viel zu viel für so einen kurzen Text gewollt war, darum die Entschlackung.

    • Tristan Marquardt schreibt:

      ich finds echt schön und unterstützenswert, wie du schwierige lyrische entscheidungen so stark inhaltlich legitimierst. das bedenken, das ich dabei habe, ist im prinzip immer das selbe. das bsp. „man“: meine kritik beruhte auf einem spontanen leseeindruck, dem verspüren von distanz. deine legitimation hingegen ist aus einer ex-post-position formuliert à la „wenn man sich überlegt, dass…, dann ist das auch richtig und wichtig“. selbst wenn diese legitimation dann durchaus berechtigt ist, ändert das nichts am spontanen leseeindruck. was letztlich zwei optionen offen lässt: entweder man scheißt drauf. oder man versucht zu vermitteln, ist sich der schwierigkeiten des man-gebrauchs bewusst, gebraucht es trotzdem, aber möglichst so, dass selbst der härteste man-kritiker sich dem reiz des texts nicht entziehen kann. und zweites wäre mein plädoyer. weil sonst die gefahr besteht, dass die texte nur für solche leute interessant sind, die wesentliche postionen schon teilen bzw. sich schon ähnliche gedanken gemacht haben. dabei wärs doch toll, wenn der text gerade zu solchen gedanken anregen kann.

      • Lea Schneider schreibt:

        ja, darauf können wir uns einigen! das ist dann allerdings wirklich die königsklasse – etwas widerstrebend-ungemütliches so gut machen, dass sich niemand dagegen wehren kann. ich arbeite dran :)

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