Textkette 3 – Biesenbrow

Und noch ein Teil einer Textkette, die während der zwei gemeinsamen Schreiburlaube von G13 in Biesenbrow in der Uckermark 2015 entstanden sind. Die Zahlen vor den Texten dienten nur der Zuordnung und stehen in keinem Bezug zu den anderen Reihen. Jeder Text reagiert auf den unmittelbar vorhergehenden. An dieser Kette mitgeschrieben haben bis jetzt Lea, Tabea, Paula, Kowka und Max.

3.1

ein baum lädt mich zum fürchten ein
mein blick kann sich nicht lösen
er gesellt sich zu ihm auf die wiese
kommt ein mensch zum ersten mal vorbei
nimmt ihn gefangen der getürmte riese

als einziger so weit verpflanzt
von vögeln oder winden beigegeben
steht er mahnend an der kreuzung
früher war er gut geeignet
körper weithin sichtbar aufzuhängen

als nächstes diente diesem zweck
der einschläfrige galgen
stamm gezimmert äste abgenommen
als er fertig stand herausgeschält
hielt sich der schreck in grenzen

der zweischläfrige galgen stand aus stein
wer eine säule bauen konnte baute zwei
und fürchterlich die überreste
landmarken auf wanderpfaden
niemals wurden einzelne entschlafen
bei den vielen anderen zu ihren füßen

3.2

weithin sichtbar: körper, die üblichen probleme und schlaf, an dünne fäden gehängt. eine einladung zum aufgeben, von der man wissen muss, wie man sie nicht annimmt. die schwierigkeit variiert, verhält sich aber niemals linear. spätestens bei level 35 hat der endgegner urlaub, was das ganze noch komplizierter macht. schreck in grenzen, diese aber weit gefasst. mit bäumen am rand (also: ziemlich weit weg). transportable bäume allerdings, eine landschaft bei fuß. als körper, der ihr widerspricht. als kleinteiliger, kombinierter schlaf in der postproduktionsphase, da, wo die erzählung langsam das gefühl hat, sich verteidigen zu müssen. wo sicherheit lauert, abgemäht und eingelagert, nährboden sämtlicher strategien für den moment, in dem dein albtraum aufwacht und feststellt, du bist immer noch da.

3.3

wo sicherheit lauert
abgenäht und eingelagert
pflege ich einen nährboden
für schweigen.
ich habe die bäume in der hand
habe sie an den rand transportiert.
exponiert wollte ich deinen körper
wollte ich deinen körper in dieser fläche
wollte ich deinen körper sehen.
weit gefasst das terrain.
die kahlen äste
die aus dem sumpfgras ragen.
die hüttchen am rand
die das anvisieren erleichtern.
mich quält der kleinteilige albtraum des tages.
eine horizontale, humane dramaturgie
die zum aufgeben einlädt.
wie alle tiere sollte auch dich das gefühl treffen
jemanden oder etwas verteidigen zu müssen.

3.4

was sie gewollt hätten sollen
futterrationen, ein schnupfen
vor stille am offenen ausgang
auf laute laute zu setzen
weil sie sich schwer taten
den tieren einen anlass zu geben
bewohnten sie möbel aud metall
die halten über tage, haften
als sie sich lieblich gaben
wuchs im keller ein potenzial
auf vertikales knattern der drehbank
am rande der beteiligung
blieb ein hörbarer ort

3.5

futterrationen stille
im knattern der beteiligung
hörbarer keller

sie bewohnten ein möbel
gewollt als ausgang
setzen den ort

auf laute aus metall
schnupfen sich was
hätten sie einen anlass

halten sie am rande
auf tieren wuchs
der tage lieblich potenzial

weil schwer taten sie sich
zu über geben
die vor laute drehbank

blieb ein zu vertikales
haften am offenen sollen

(wortanagramm von 3.4)

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