sowas wie ordnung

für den anfang sollbruchstellen, knäckebrot
du sahst das nicht gerne, wegen der krümel
zwischen den dielen, an die kamst du nicht ran

ich halte mich an schattenspiele, mittags
weiß ich nicht weiter als anruf vertagen
kanten messen, helle farben

im zimmer alles umzustellen, niemand
sieht mich mit zollstock und schleifpapier wie ich
mit allen vieren von mir unsere alten hits mitsing

bloß zur erinnerung, deine stimme als jingle
verfängt sich nicht länger bei mir in der decke
und von dir fehlen mir eh nur die finger

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6 Antworten zu sowas wie ordnung

  1. Tristan Marquardt schreibt:

    mal eben nen andern text ausm köcher gepackt, schön! hier mag ich den tonfall, die bedachtheit, das fassbare. der text nimmt mich mehr mit als der am mittwoch leider viel zu kurz gekommene. der ist irgendwie ein guter mix aus deinen empfindsameren und deinen ironisch-distanzierteren sachen. ein paar dinge nur: beim titel, den diskursen, dem liedtitel und vielleicht auch bei den wolken bin ich mir nicht sicher, ob das nicht zu fett ist. bzw. ob da was subtileres nicht subtiler wäre. :) und dann die wortschöpfung am schluss. ich kann diese entschuldigende geste des zusammenziehens sehr gut nachvollziehen, frag mich aber, ob du die wirklich so entschuldigend willst. oder ob auseinanderschreiben und weglassen von „ja“ und/oder „eh“ die fiesheit und das schmerzhafte nicht noch mehr zum ausdruck bringen. but i’m really not sure.

  2. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    hmhm also knäckebrot UND sollbruchstellen find ich etwas, wie soll ich sagen, …. wäre sowas wie solllbruchstellen im knäckebrot nicht besser? klingt allerdings weniger schön. ah, jetzt hab ichs: wenns heisst knäckebrot UND sollbruchstellen, dann suggestiert das, dass die sollbruchstellen auch anderswo sein könnten. sie tauchen aber als anderswo oder als sollbruchstellen anderer art nicht weiter im gedicht auf..
    die letzte strophe find ich sehr schön, weil sie diesen stark trotzigen ton hat. das mit der decke ist toll.

    allerdings bin ich mit alex darin einig, dass der titel und „lady marmelade“ problematisch sind. der titel deswegen, weil er m. Meinung nach das Gedicht total verharmlost. Da überall ausser in der ersten Strophe Binnenreime oder Assonanzen vorkommen, lässt sich das gedicht fast durchgängig als Abzählreim lesen. Der Titel legt einem nahe, dass dies die intendierte Lesart ist. Diese Lesart wird aber der melancholisch bis trotzigen Seite des Gedichts nicht gerecht. Sie verharmlost das Gedicht total.
    Für „lady marmelade“ gilt dasselbe. Ich denke, das kannst du nur stehen lassen, wenn du wirklich willst, dass die lustig-komische-abzählreimseite stark betont wird.

    ah ja und man könnte sich überlegen, in der letzten strophe das „sie“ zu streichen?

  3. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    ah ja und noch ein wenig produktiver kommentar. bei nachforschungen auf folgendes gestossen:

    „Die Abzählverse besitzen zusätzlich eine tabubrechende Funktion, die spielerisch aufgenommen und verarbeitet wird. Der deutsche Autor Peter Rühmkorf hat dies in seiner Sammlung von Versen dieser Art deutlich gemacht. Es werden sowohl gesellschaftliche als auch sexuelle Tabus, manchmal beides in einem Reim angetastet. Als Beispiele mögen dienen:

    Harry Piel sitzt am Nil
    wäscht sein’ Stiel mit Persil.
    Nebendran sitzt Mia Mai,
    schüttelt ihm das linke Ei
    und du bist frei.“

    (von Wiki)

    und (ich weiss auch nicht, wie das passieren konnte):

  4. Friederike Scheffler schreibt:

    merci, tabea xenia!
    ich lass mir was einfallen!

  5. Paula Glamann schreibt:

    ich kenne die zwischenzeitlichen versionen zwar nicht, aber dieser hier gebe ich einen hohen daumen. den titel mag ich und die „sollbruchstellen“ finde ich ein gutes bild für die situation, den ton,den anfang, ja nun, den text . das einzige, was für mich abfällt, sind die „diskurse“. „helle farben“ kommt für mich aber wieder richtig gut mit den „schattenspielen“ zusammen.
    aber ließe sich noch was anderes messen, als die „diskurse“?
    und vielleicht der punkt vor niemand, könnte der nicht auch ein komma sein? im „niemand“ vers bleibe ich auch noch ein bisschen hängen.

  6. Tabea Xenia Magyar schreibt:

    also jetzt nochmal die überarbeitung angeschaut, dazu kann ich gerade nichts sagen, weil zu analytischer blick – ABER, rike, die letzte strophe, die ist, das muss man nochmal sagen, einfach toll. richtig toll. so dass ich mit den zeilen im kopf durch meine wohnung spazier.

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