[die beiden]

die beiden sind mir aufgefallen
überraschend steigen sie zusammen ein
bemüht auf meinem sitz zu bleiben
hab ich sie entzweit gesehen
das gefühl sagt ja
doch die erinnerung nicht wo
sie sehen abwechselnd herüber
mit gedanken was bei mir ankommt
aha da sitzt noch einer
und dann nehmen wir die reihe

sie reden aufgeregt
die anderen erschlagen schweigen
ein gepäckstück möglich ist gefallen
es ist unglaublich dass man mit leuten spricht
die anders als man selber sind
ich finde auch beobachte
die beiden stellen sich einander vor
ich bin nico
– und ich nikki

im fast leeren bus
der rest hört mit
nur wenig interesse im gepäcknetz
nimmt den knien platz weg
das gibt streit auf kleiner fläche
während einer busfahrt ist ein wenig interesse
so viel nützlicher als ein paar schlafend knie
– tu nicht so als würd es dich berühren
und die beiden merken nichts
ich frage mich wie sich die anderen beschäftigen
– mit sich es spricht ja niemand außer uns

sie sind äußerlich verschieden
legen ungleich viel wert auf erscheinung
blick von ihm und blick von ihr
zeigt ihnen ungleich wieviel
ansehen sie kriegen
er erzählt vor allem sie hört zu
wir kommen einmal alle siebzehn jahr zusammen
und das können viele nicht verstehen
wie man immer wieder abschied nimmt
beim nächsten mal wem andres zu begegnen

kein bejahen kommt zurück
ich sitze da und muss mich ärgern
dass es mit der ruhe aus ist
eine ader anspruch zieht durch meine stirn
die wenig widerstand in falten wirft

immerhin ich kann hinübersehen
sie ihm zugewandt
den rücken angespannt
ein fragezeichen das in jeder lücke
die er unvermittelt ließe stehen könnte
beide ignorieren meine blicke
ich will keinesfalls hinüberhören
doch es lässt sich nicht vermeiden
stell dir vor in siebzehn jahren
könnten wir hier wieder sitzen
wer wir dann inzwischen sind
– wir haben uns vorhin erst vorgestellt
ich weiß nicht wer du bist
vielleicht wirst du in siebzehn jahren
ganz der alte sein
ich weiß es trotzdem nicht

ich versetze mich nach hinten
in die letzte reihe mittig
um der ruhe willen
jetzt muss ich nach vorne blicken
wie auch sie sich umsetzt
die von mir geräumte bank bezieht
ich will mich wissen lassen
warum jetzt
wir haben uns nicht vorgestellt
in siebzehn jahren ohne wort
bleibt nichts für uns erinnerbar

ist es so als hätten wir uns
nie gesehen strahlt sie aus
im lichte ihrer lampe wartet
bis sie abruft wer von diesem stern

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[eigentlich ist dies ein brief an chodzinski]

0112

eigentlich ist dies
ein brief an chodzinski.

und dennoch befürchte ich mich
eines anderen verstandes zu bedienen.

ich liege unter einem laken
und jemand sagt dinge.

ich möchte die maschine des meisters
von innen zerstören.

langsam lasse ich mich
auf meine beute herab

ich hoffe man sagt mir ins ohr:
du bist an einem sicheren ort.

zwar zischt die heizung
aber ich zische lauter.

zehnmal hätte ich
beide beine verfüttert.

vielleicht bin ich ein myxomyzet
aus dem land der myxomyzeten.

und ich stolpere durch abenteuer
prozessionen von särgen

schwimme in einem pool, der ist schwarz
und bedeckt mit schwimmenden tüchern

und offenbar habe ich etwas berührt
das ich nicht sollte

und nie wieder will loslassen was sich
festgebissen hat an meinem arm und lacht.

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Erkenntnisse zu Ordnung und Fiktion I

Nehmen wir an wir wären ein Haus,
eine Reihe von Häusern, und wenn es nun so wäre,
dass wir uns verhielten als wären wir Häuser
Akteure im leerstehenden Partisanenkampf,
wenn es sich so verhielte dass wir ausharrten
an einem stummen stück Erde,
an einem Himmel der stumpf geworden ist vor Nässe,
eine traurige Pflanze die weint und weint.
Wir müssen die Pflanzen verstehen lernen
ihre Form als widersinnig und srukturlos erkennen
alles was wir einmal wussten geht in den Erdball
und kommt vom Erdball in den Mond zurück.
Wir beißen zu mit einer Härte
die die Krebse nicht kennen. indem wir sagen:
nichts von diesen Organisationsformen käme dem Menschen gleich.
Wir bitten die Riege um Verzeihung,
hängen Häute in den Wind und besprühen sie hin und wieder mit Most.
Das Heiligtum der Prozeduren liegt in ihrem Heiligtum selbst.
Und wahrlich es ist doch ganz erquicklich
kann man die Dinge auf diese weise besorgen.

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[ich habe aufgegeben]

0103

ich habe aufgegeben, aber ich kämpfe
zerpflücke schneeglöckchen, die lieben
langen tage und die zeit ist lang, wenn
man vermeidet, lang etc. wie soll ich
wieder hinausgehen und die leute anschauen,
denn sie schauen zurück. ich habe einen
mantel und einen rosanen hut und
ich schaue in bücher hinein und sollte
gedanken erspähen und abschiessen
die krähen, die rehe, die fasane, die rosen
aufgestellt, gestern abend, rosen
und wenn ich nur dieses bild betrachte
ist alles schon gut. mich erwartet mein leben
und ich, ich warte lang etc. vor angst aber worauf.

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Zwischenstand: Gescripted

haben wir unsere Arme aus dem Fenster gehängt
die letzten beziehbaren Götter
Draußen spielen Passanten Tetris
mit den Wegen der anderen
Ich suche dein Handgelenk
den Liveticker 85 Tippspiele pro Basiseinheit

Du glaubst schon dass man
dieses Fernwarten falten kann
bis zu einer gefährlichen Stapelhöhe
Sicher – was macht das
Was machen wir in dieser Stadt
mit den abgewürgten Fassaden
den weggeregneten Blicken

In Massenfestspielen bildgebender Anoraks
verzweigen sich draußen die Absichtsgrenzen
Aus flächig gestreuten Zielvorgaben
wächst unsere Realstruktur unser Besitz
und seine Loyalität zu den Mauern
Nur selten berichtest du von deiner Reise sagst
das Umland erkennt man am Schwund seiner Institutionen

Und um uns herrscht hartes Zeitinnen
und über uns irren die Breitengrade
Ich verstehe wenig fühle dein Handgelenk
will vorsichtig sein denn ab morgen
bin ich Zitat meiner Gehrichtung
und du der unscharfe Bildanker von weit

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Erkenntnisse zu Ordung und Fiktion (III)

Und drehen wir den Spieß noch einmal gänzlich um sich selbst.
Was herauskommt ist ein ebenso langer Spieß,
der gedreht ist und möglicherweise Locken hat.
In dieser Locke liegt die Erde und all ihr zukünftiges Sein.
Unter dieser Dachschindel verwahrt der Hahn sein Geheimnis zum ewigen Leben,
und richtig so, aller Anfang bin ich.
Weisheit ist mehr als Labilität.
Und ein Zeigefinger im Auge macht mehr als ein Daumen an der Hand.
Sehen Sie, wir wollen Früchte
wir wollen das leichte Leben des Freitagnachmittags unzwar umsonst,
wir wollen Rinderhüften die uns stark machen wie die Rinder,
wir wollen Klöpse, Einkehr und Anmut
spiegeln uns in kristallinen Gegenständen und wissen:
Das leichte Leben ist ein Spaziergang zwischen Trockenobstalleen und Weihrauch.
Himmel und Hölle sind zwei Planeten die immer nur die Guten bewohnen.
Und wenn es kratzt, ja wirklich ganz arg kratzt unterm Hemd,
dann stellen sie diese herkömmliche Lampe in ein völlig neues Licht.
Und es wird so sein. Sie werden überrascht sein von der Wirkung die eintritt,
stellen Sie diese herkömmliche Lampe in ein völlig neues Licht.

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erkenntnisse zu ordung und fiktion (IV)

Aber lassen Sie uns zuerst über etwas Anderes sprechen:
Herzverfettung, Panik, strebsame Schinken und innere Organe
Glanz und Herrlichkeit einer Epoche
Bauchumfang und Gegenwert
die einzig beständige Angst vor:
einer allumfassenden Ordnung die selbst zur Ordung wird.
Wo findet die Wüste ihre Knechte?
Wo findet der Magen seinen Sold?
Wir spreizen die Zangen in den Morgenstunden
grüßen unsere Götter mit den Mäulern der Werktage
sollten wir nicht besser Zähne verehren als Hüte?
Hießen wir verloren? Golten wir anders in Zeiten der Telefonzelle
schmiegten wir Kinder an die Seite der Märchenbücher?
Erfanden unsere Bibeln selbst, zimmerten Algorhitmen für jedes Tier?
Das Innenleben der Schnecke streift unsere Milz bedächtig und sanft
wir sind diesen Kreaturen ähnlicher als wir glauben zu sein
Speck um die Herzen ist die Liebe der Rollmöpse
die größte Zuneigung der wir habhaft werden können.

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