Erkenntnisse zu Ordung und Fiktion (III)

Und drehen wir den Spieß noch einmal gänzlich um sich selbst.
Was herauskommt ist ein ebenso langer Spieß,
der gedreht ist und möglicherweise Locken hat.
In dieser Locke liegt die Erde und all ihr zukünftiges Sein.
Unter dieser Dachschindel verwahrt der Hahn sein Geheimnis zum ewigen Leben,
und richtig so, aller Anfang bin ich.
Weisheit ist mehr als Labilität.
Und ein Zeigefinger im Auge macht mehr als ein Daumen an der Hand.
Sehen Sie, wir wollen Früchte
wir wollen das leichte Leben des Freitagnachmittags unzwar umsonst,
wir wollen Rinderhüften die uns stark machen wie die Rinder,
wir wollen Klöpse, Einkehr und Anmut
spiegeln uns in kristallinen Gegenständen und wissen:
Das leichte Leben ist ein Spaziergang zwischen Trockenobstalleen und Weihrauch.
Himmel und Hölle sind zwei Planeten die immer nur die Guten bewohnen.
Und wenn es kratzt, ja wirklich ganz arg kratzt unterm Hemd,
dann stellen sie diese herkömmliche Lampe in ein völlig neues Licht.
Und es wird so sein. Sie werden überrascht sein von der Wirkung die eintritt,
stellen Sie diese herkömmliche Lampe in ein völlig neues Licht.

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erkenntnisse zu ordung und fiktion (IV)

Aber lassen Sie uns zuerst über etwas Anderes sprechen:
Herzverfettung, Panik, strebsame Schinken und innere Organe
Glanz und Herrlichkeit einer Epoche
Bauchumfang und Gegenwert
die einzig beständige Angst vor:
einer allumfassenden Ordnung die selbst zur Ordung wird.
Wo findet die Wüste ihre Knechte?
Wo findet der Magen seinen Sold?
Wir spreizen die Zangen in den Morgenstunden
grüßen unsere Götter mit den Mäulern der Werktage
sollten wir nicht besser Zähne verehren als Hüte?
Hießen wir verloren? Golten wir anders in Zeiten der Telefonzelle
schmiegten wir Kinder an die Seite der Märchenbücher?
Erfanden unsere Bibeln selbst, zimmerten Algorhitmen für jedes Tier?
Das Innenleben der Schnecke streift unsere Milz bedächtig und sanft
wir sind diesen Kreaturen ähnlicher als wir glauben zu sein
Speck um die Herzen ist die Liebe der Rollmöpse
die größte Zuneigung der wir habhaft werden können.

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[in einem element, das kennen sie schon]

ich habe mir ein imperium aufgebaut
eine prise staaten, den hang zum brot
habe ich überdacht, eine gute idee, durst
mein vorgehen hat mit vergebung zu tun
man gebe, während sie alle tropfen schlecken
eine kleine kollektive ekstase hinzu
so können die flüsse beginnen zu baden
der absolute große zeh
meiner sollte hier als vorbild dienen
entzieht die ströme ihrem enthobenen prinzip
in einem element, das kennen sie schon, was fehlte
ich, ein bescheidener zusatz im einflussbereich
gleiches nun durch gleiches preisen, halten wir ein
wir hatten autarkie schon erfunden
bevor sie uns ins wort viel

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[gratulieren als form]

komplizenschaft, gratulieren als form, danke, dein gedanke
wir sind im raum, eine fraktion, die dinge mit uns
in ihnen die unmöglichkeit moralischen erscheinens
nehmen sich nicht wichtig, bananen im granulat
veranstalten teilchen, süße, obstiges gewöll
wir atmen, atmen ins rund, kern der totalen funktion
in der luftröhre wird die geschichte der dinge akut
im nackenbereich liegt der beginn unserer gleichsetzung vor
wangengruben als raum, affekt, frieden finden statt
dabei die affirmation, mus einer verirrten zugehörigkeit
wir ist im raum, um begnadigt zu werden, handwäsche
die dinge, die früchte, der richtige weg

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reisenotiz, freitag

straßenepilepsie: transportmittel
leitet anfall in die körper

aluminiumtüren, dahinter löcher
wo luft schwer ist wie ostsee

beifahrer, die wangen aus leder
sohn seit 1980 in hannover

heuballen mit kopfbedeckung
neun und ihr habt einen minian

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LESUNGEN IM HERBST

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Der Herbst wird lyrisch! Wir freuen uns über gleich drei Debütbände von G13-Mitgliedern: oh schwerkraft (Linus Westheuser), der rest ist resonanz (Rike Scheffler) und Invasion rückwärts (Lea Schneider). Und dazu gibt es in den nächsten Wochen jede Menge Lesungen, Buchparties und Performances, in Berlin und anderswo, im Dialog mit bildender Kunst oder Musik, mit G13-Autor_innen und vielen frischen Texten – seid herzlich eingeladen!

Kommende Veranstaltungen

27. November, 18 Uhr 30, Bayerische Landesvertretung in Berlin

Tristan stellt gemeinsam mit Christian Schloyer und Lydia Daher die Poesie und Musik aus Bayern. Das Ganze findet statt im Rahmen der Reihe „Poesie aus den Ländern“, die, organisiert von der Literaturwerkstatt, schon das ganze Jahr über läuft.

12. Dezember, 20 Uhr, ACC Galerie, Burgplatz 1+2, Weimar
Dritte Ausgabe der Kooperation von Babelsprech und ESP.international (hier). Diesmal mit Tristan Marquardt, Heike Fröhlich (München), Pablo Haller (Luzern), Florian Liesegang (Halle), Mario Osterland (Erfurt), Patrick Siebert (Erfurt) und Maik Pevestorff (Jena)

Vergangene Veranstaltungen

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7. Oktober, 20 Uhr, Volksbar, Berlin
Max und Lea lesen gemeinsam mit Juliane Linck und Lisa Eckart im Rahmen der Ersti-Tage an der FU Berlin. Es gibt neues, noch ungehörtes und im Anschluss ein Gespräch über literarische Orte und Anschlussmöglichkeiten in Berlin und Fragen wie: Warum eigentlich Lyrik und nicht lieber Ski fahren?

22. Oktober, 20 Uhr, Dock 11, Berlin
Die offizielle Debütparty! Linus, Rike und Lea stellen ihre Bücher vor. Was gibt es da? „a dancer convincing summer to stay“, einen Ort, „wo die kühe hingehen, wenn sie abgelaufen sind“, eine „kleine ente mit revolver voll glück“ und viele, hoffentlich viele Lichterketten. Kommt alle, es wird groß!

1. November, 18 Uhr, Neue Nationalgallerie, Berlin
Zusammen mit Bling Bling Recycling gibt Tabea einen Performance/Workshop in der Neuen Nationalgallerie, Berlin, im Rahmen des Festival of Future Nows des Instituts für Raumexperimente von Olafur Eliasson. Der Workshop basiert auf dem Langgedicht BLACK TRIANGLE der dänischen Dichterin Mette Moestrup. Der Eintritt ist frei, Vorkenntnisse und sind nicht nötig! Lyrik meets Performance – wir freuen uns auf euch!

15. November, 20 Uhr, Herbstlese, Lyrik im ORi, Berlin
Maria, Max und Lea lesen gemeinsam mit Lutz Steinbrück und einigen Überraschungsgästen im ORi – „mehrstimmig und wunschlos verdichtet.“

17. November, 20 Uhr, FC Magnet Bar, Berlin
Lea liest gemeinsam mit der österreichischen Lyrikerin Eva Schörkhuber beim Literatur Magnet, der neuen Lesereihe des Verlagshaus J. Frank, an einem der möglicherweise ungewöhnlichsten Orte für Lyrik: einer Fußballkneipe.

20. November, 20 Uhr, Einstein Kultur, München
Rike und Lea lesen gemeinsam mit Daniel Bayerstorfer bei Münchens Lesereihe für junge Lyrik meine drei lyrischen ichs, moderiert von Tristan Marquardt und Tillmann Severin. Der Raum wird, wie bei jeder Lesung, von einer Künstlerin oder einem Künstler bespielt, sodass die Texte mit einer temporären Ausstellung interagieren.

22. November, 20 Uhr, Literaturhaus Villa Augustin, Dresden
Lea liest beim Finale des Dresdner Lyrikpreis gemeinsam mit den anderen nominierten Lyriker_innen aus Deutschland und Tschechien und freut sich über Unterstützung und bekannte Gesichter vor Ort!

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[jetes nak]

jetes nak, wens algab schabt an leisen priseln, is tik
forchte oder schman. sieben deuchte zwi im fuseln,
schibte bibes, tu drauf tu. dann dote di zweigte, klüte
im sam, al raam. wanat dihl. zig ich zig, ban di zügle
einer piechen, tramdahnsünte partikal. spazi feichte,
dat es sperne keinte, kunte, oder bühnte, im fanal.

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PUBLIKATION: Leas Debütband „Invasion rückwärts“ ist da!

Photo: Das ging schneller als gedacht: Leas Debütband "Invasion rückwärts" ist seit eben aus der Druckerei! 85 Seiten neue Lyrik, die ein bisschen so funktioniert "wie Lösungsvorschläge für einen Rubik's Cube" – wunderbar illustriert von Andreas Chwatal und ebenso wunderbar gestaltet von Andrea Schmidt. Bestellen könnt ihr dieses schöne Buch hier: http://www.belletristik-berlin.de/invasion-rueckwaerts/

Das ging schneller als gedacht: Leas Debütband „Invasion rückwärts“ ist seit eben aus der Druckerei! 85 Seiten neue Lyrik, die ein bisschen so funktioniert „wie Lösungsvorschläge für einen Rubik’s Cube“ – wunderbar illustriert von Andreas Chwatal und ebenso wunderbar gestaltet von Andrea Schmidt. Bestellen könnt ihr dieses schöne Buch hier.

Update: „Invasion rückwärts“ wurde für den „The Beauty and the Book“-Award der Frankfurter Buchmesse nominiert. Wenn euch Gestaltung und Illustration gefallen, könnt ihr hier für das Buch abstimmen.

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34 x h; 10 x [ts]; 1x bewegung

die bewegung gelangt erst zum ende wenn sie
flächig wird: zur stoßzeit von kopf bis fuß jubel
die brandung im supermarkt an und aus: preise
glänzen über die verpackungen hinweg als wären
die flüssigkeiten zu greifen und die haushaltsware
ein braver sohn: regen steigt auf die straßen laufen
nach der uhr lauter wände laufen aus der sicht
hinein: es öffnet sich ein himmel ein zweiter: die
bildschirme sind uns ganz ausgeliefert sie lesen
die stadt wie eine reihenfolge: tausend baustoff-
farben in gleise geflüstert: stieben kinderschwärme
bei anbruch ins licht geht ein chevrolet auf hinterm
horizont: was kann den mieten schon im weg
stehen: falsch ausgelegte straßen entdeckungen
die zurück schauen: bricht sich urin schillernd
unter sirenen: am rande der arbeit ist die metro-
pole am äußersten rand der anfreundung: wo
sonnen einer lokalen arithmetik folgen desinfektion
das parterre flutet: lack auf den blüten wie höcker
flackern die narzissen im verkehr: wer am meisten
pflanzt kann anspruch geltend machen: propaganda
sagt du: hüte die nachtschlafenden wagen ausgänge
weisen alle richtungen: es bleiben genug übrig.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Hinterlasse einen Kommentar

not much is needed, she said
if you’re an artist you rent a studio
she said. an empty white room
where the time passes accumulates
lists stained sheets of paper that represent
the impossible amount of things
you earnestly plan to do every day.

If you extend your sensorial awareness
through the walls your fingers
leaf-like in the wind and the sun
you reach your blood-lines find
true identity in the conceptual thought
of the 60s and this will be your art (yeah).

But when your lover leaves you
you discover the clouds in your coffee
and the vortex at the end of the cup
you become obsessed with the void
and you paint your fingernails black, all but one, black –
and this will be your art, she said.

You found one of these glass-prisms
on a flea-market and you use it
to channel the colours into a stream
of stubborn and solid disinterest.

Once, you brought the unfinished things
to your studio and piled them up in a corner.
there it was your installation, finally threatening
to fall and you looked at the friendships
you’ve left behind your families
in different countries there was no other option
or so it seemed at the time then to stop speaking.

Once again, you’re inclined to identify
with the solitary man wandering the streets
of new york roaming an illegal migrant
a serious artist like you but a real person
leading a life you can never live
because you do own a studio
and were born in the midst of a dreamy continent
where life is full of potential 
whose actual weight you do not carry yourself,
blood-lines, indeed.

After all, you’re capable of reproducing
the material feeling of a nightmare
you frequently had as a child. a large white room
with a bed so small stuck far away in a corner.
there you lie try to open your eyes
but all you can do is open one so now
everything atteins monstruos, strangely
distorted proportions and you can see
barely see the dark tiny door
at the other end of the room.

Veröffentlicht unter Tabea Xenia Magyar, TEXTE | Hinterlasse einen Kommentar