Für den Poetryletter Nr.
265 hat Asuka Grün ein Gedicht von Lea Schneider illustriert – zu finden sind dieser und auch alle früheren auf Fixpoetry.
Für den Poetryletter Nr.
265 hat Asuka Grün ein Gedicht von Lea Schneider illustriert – zu finden sind dieser und auch alle früheren auf Fixpoetry.
translation and voice: Muhammad Aurfali, Damascus
original from Druckkammern (Verlagshaus J. Frank 2012)
nachts, ich laufe nach hause nach draußen. boden hat ohren, wo meine
sohlen sind. hören, wie es um mich bestellt ist. horchen, aufs leiseste
laut. großes ja, mit dem finger in die luft getippt, zu sagen, ja, dieser
außenraum ist mein innenleben. und nächtlich geisterfahrer, die kaffee
trinken als ihr einziges, trauriges zitat. zu sagen, ja, ich habe straßen
gesehen, alpen aus haar. porsche und büsche, erwachsenes gras. ihr
nicht gehen, nichts sehen. meine augen auf ihnen wie die aussicht auf
eine sechste jahreszeit. ferne war da, ferne als maßeinheit. schüler war da,
lehrer. zu sagen, wer krank ist, wird vom sinn des lebens nicht geheilt.
sanft die kuhle meiner hand auf seine stirn zu legen, dieses gratis gefühl,
fantasielos und warm. mich zu erwischen in kontemplation. was war es
gleich, dass die mücken verharrten im flug für eine sekunde, tags, als die
zeichen zu scheiden mein auftrag nicht war. dass ich ging und ich geh.
zu sagen, schatz, heute nacht ist ein großes passieren, es feiern die
mücken ein bisschen am see. und immer herzschlag, wenn eine streife,
und meine hände in die höhe schnellen, als sei es, der last einer jahr-
hunderteschweren schönheit etwas entgegen zu halten. gewissheit
vielleicht, häuser stünden nicht. sind stehen geblieben. oder zweifel,
ob jedes fenster aus künftigen scherben besteht. dann sagen, ja, ich
weiß nicht, welches spiel hier gespielt wird. ich weiß nur, es steht 1:0.
ziegen. es gibt sie hier überall, wie einen geruch, der aus dem boden kommt.
zwischen ihren hörnern verstecken sie je ein schwarzes loch. an dieser stelle
sind sie nicht besonders tief und können ohne offizielle genehmigung betrieben
werden; man sollte sich ja auch nicht an fakten halten, wenn es nur so wenig
davon gibt. die lokale bevölkerung weiß, wie man mit lücken umgeht, kapital
aus ihnen schlägt: die futterbäume in der näheren umgebung wurden bereits
von der vorletzten generation abgeräumt, daher das ziegenmonopol. wie jede
etablierte ideologie legitimiert es sich durch das allgemeine vergessen seines
eigenen werdens. die gegenwärtige situation entspricht also unveränderlich
dem naturzustand, der eine lücke ist, die man mit ziegen füllt. einmal im jahr
werden alle zusammengetrieben, ein großes erntefest für die materie, die sich
in ihnen verfangen hat, und ansonsten denkt man eher wenig darüber nach.
sagt ein lehrer zum schüler, die letzten werden die ersten sein.
sagt der schüler, wer krank ist, wird vom sinn des lebens nicht geheilt.
in sirrenden weihern, die gase im atmen, die niemals schlafen,
sie liegen am boden, ächzend voll lust schleppt sich jung
und alt in seine schale, verschmiert das lied die grenze
von blatt und blatt und bräutigam, wo wir mit offenen
mündern stehen: ich habe dich gesehen, wir sehen
ein vor uns fliehendes tier. das neue schiebt sich in die welt.
dass einer hier alleine gewesen ist, mit tönernem mund, ein
zimmer hatte, ein herz, das mit flügelndem material warf, um sich
schlug, mit reinem tau beschwerte und schwieg und weiter nichts.
dass einer die töne nahm, lutschte und trat, bis sommer wurde,
mit verbundenen augen das reh in sein wappen sprang
und die kinder sich küssten in den straßenschluchten.
und die balken flogen uns über, schlossen uns ein, war
pfingsten, stolperte fast in der mitte der luft, ich stand.
und schrieb: „ich sehe dich. gemeinsam sind wir gealtert,
wo man fern werdende flügel im schlagen sah. im stau noch,
im zug über thüringen war ich froh, dass es so war.“
und wann ich konnte, winkte ich, in das gewendete feld,
die seen, die sich aus der kette lösten, schüttelten vor wild durch-
sickerter, erdbeerreicher zeit. das reizgefühl unterm auge
ließ mich nicht gehen, die heillosigkeit, die plage: ich habe
dich gesehen in dieser welt, bitte, ruf mich zurück.
es regnet, regnet, reg dich nicht auf, wir gehen
mitten durch den schnee. um uns stehen narrative,
füchse schmiere, exzellentes personal.
für liebe sind wir groß genug. wie das? na, einfach:
ja zu dingen mit gesicht. zu andern nicht. teilhaben
an restbeständen. ich würd die gern ändern- du,
schussel mit dem honigohr, wirfst mein ego,
dummes mono -fast wär die struktur aufgegangen,
da kommt der vorhang- wischt, wischt.
wir schreiben den 13.13.2013
um 13:13 und 13 sekunden
es kann jetzt nur noch besser werden
nach den übertragungsrechten
suchen wir nicht mehr und schalten live
nach peterschwuz zum grünen platz
den halten kobolde besetzt
sie sehen aus wie welche
und verhalten sich auch so
die digitalanzeiger zwinkern wahllos
prinzenpaare mit insignien des tages
wirken aufgebracht seit ihrer einfahrt
dass im nächsten jahr die übernahme
nicht zur farce geraten soll
das war in diesem jahr schon so
wenn erst das reich die kirmes darstellt
schlägt der kirmesapfel schwer zu magen
die belagerung wird bisher abgewehrt
vom bürgermeister der den schlüssel festhält
um ihn tanzen kleine kinder
die einander an den händen haltend
keine sprungversuche unternehmen
wegen rückensicht auf ihre rüschen
was das ist sei ihnen erst im stillen
dieses morgens zugeflüstert worden
sie benähmen sich seither
dornrüschen-auf-der-erbse-mäßig
ließen niemand an die ballgestalt
in ihrem drehmoment heran
die prinzenpaare melden sich zu wort
sie finden selber existenzgefahr darin
als anwärter der krone der besetzung
dass ein dicker fetter schuldenschnitt
die allgemeine rechnung zieren wird
zu viele taler in der kasse sind
als sie für ihr von existenzgefahr
gefährdetes begehren zu verwenden
und sie finden es sei schändlich
dass vereine selbst in diesem jahr
die tradition zu grabe trügen
nach so langgehegter tätigkeit im untergrund
wer hört noch auf den einzelnen
und wer gestattet über kinder
ihren bürgermeisterandrang zu verfügen
ich merke, dass ich mich wiederhole. irgendwo weiter vorn,
wo sich der archetyp-modus eingeschaltet hat: weben und
auftrennen, tausendundeine verschiebung. zeit gewinnen,
in der ich fäden lösen kann, die legosteine, plattenbauten,
stück für stück auseinanderrupfen, die burg schleifen, abtragen
bis zur hartplastikbasis, auf der sie baut, und dort, in diesem
zeitraum, ein schutzgebiet einrichten, standheizung inklusive.
sofern eine black box das braucht: wärmezufuhr. ein mittel zur
fixierung, wie prittstift oder redundanz. die schachtelgeschichten
bis auf schulterhöhe stapeln und dann sofort wieder rückgängig
machen, unerfüllbarkeit als erweitertes kriterium ihres gelingens.
worauf es ankommt: kein ende zu finden, sondern leerstellen,
räume in der luft, wo der wind wartet, getarnt als stille. ein
versteck im cliffhanger, im ständigen verweisen, vor und zurück.
wenn ein tier einen mythos trägt
als kette, federn um den eigenen hals,
geht es dann stolzer, oder beschwert?
ich bin der schwan, der topflappen klöppelt.
wenns eng wird für die hand, dreh ich die spitzen
in jede richtung, verdreh mir den hals.
man kann nicht erkennen, ob ich per hand
oder per maschine klöppel. ich bekomme nur
zu hören, dass das ergebnis beeindruckend ist.
ich knüpfe, kreuze, schlinge die fäden, finde
die kanten dekorativ. bis sie mir zu nah kommen,
mich verspulen, zum rand, ufer vom kissen.
kürzlich wurde ein spaziergänger in münchen
mit einem schwan erschlagen. die täter? unbekannt.
ihre hände sind bestimmt immer noch weiß.