[wisst ihr es ist so]

wisst ihr es ist so: manchmal weiß ich nicht wovon ihr redet
ich schwenke flüssigkeiten in trinkgefäßen – das ist sicheres terrain
setzte einen fuß auf den boden – hier auch
entschuldigen sie ich habe dieses hemd an ich muss mal da durch
immer wenn ich im badezimmer bin sind die fliesen weiß
wenn ich wieder herausgehe auch
und dann ein weißer faden quer zur raummitte gespannt (keiner siehts)
jetzt dürfen alle wieder atmen ich beschließe das
ich beschließe alle dinge immer dann wenn sie richtig sind
ich beschließe auch dass jetzt alle wieder sprechen dürfen
da ist dieser stuhl ich sitze darauf, das ist richtig

Veröffentlicht unter Maria Natt | 4 Kommentare

marie

schulter, marie, von unten nach oben
erwartung die ich abschreiben werde
wie letztes feuerholz

rufe aus der erde, axthohe geräusche
laufen wir durch den park, sag grün
die farbe des unheils

könnte ich mit diesen augen wurzeln
marie, schriebe dir keiner mehr sein
zeichen auf die stirn

hat dich ganz verwirrt das ziehst du
einen strich. deine schritte im schnee
belichtetes fotopapier

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | 2 Kommentare

PRESSE: Lob für Rebecca von der jungen welt

Lobende Erwähnung findet Rebeccas Auftritt bei der Abschlusslesung des diesjährigen ‚Treffens Junger Autoren‘ in Malte Abrahams Rezension für die junge welt. Zustimmend und in alter Rechtschreibung wird sie dort angeführt als eindrücklichstes „Beispiel […], daß sich die Leiden der jungen Werther verwachsen werden“. Wir hoffen es.

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Zeitkunst am 24./25.11.2012

Nach Auftritten in Frankreich und Brasilien kommt das Zeitkunstfestival nun nach Berlin und feiert dort sein Finale. Am Samstag zunächst um 19:30 Uhr mit „The Human Voice“, einer Zusammenarbeit zwischen den Lyriker_innen Birgit Kreipe, Tal Nitzan, Ricardo Domeneck und Björn Kuhligk und dem Ensemble Meitar. Stücke zeitgenössischer japanischer, amerikanischer und israelischer Komponisten/-Innen treten dabei in einen Dialog mit den Dichtenden.

Am Sonntag, den 25.11 um 19:30 Uhr dann mit dem Programm „The Tourist Attitude« – A Tribute to John Cage“, einem performativen Dialog zu Ehren von Cages 100sten Geburtstag. Von der lyrischen Seite mit dabei sind Maya Kuperman (Israel), Ricardo Domeneck (Brasilien), Johannes Frank und Max Czollek (Bild unten), von Seiten der Musik Caspar Frantz, Julian Arp und Gustavo Carvalho, live-Visualisierung Dieter Puntigam (siehe Bild oben), Regie Lilly Jaeckl. Beide Tage wird das Festival in der Villa Elisabeth stattfinden (Invalidenstraße 3). Fotos von den Auftritten in Paris und Brasilien gibt es schon einmal hier.

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Rebecca liest bei Perspektiven 2.0 im Haus der Berliner Festspiele

Samstag, 24.11.2012 im Haus der Berliner Festspiele (Kassenhalle). Der Eintritt ist frei

Es lesen ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger des Treffens junger Autoren (tja) aus unterschiedlichen Jahrgängen.

MIT Rebecca Ciesielski, Franziska Gerstenberg, Margarita Iov, Florian Kessler, Laura Naumann, Felix Stephan, Julia Wolf
MODERATION Rabea Edel
INTERMEZZI Charlotte Birkenhauer (Vibraphon)

Mehr Infos

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[wüste suchen im filz]

wüste suchen im filz. von beiden seiten schlafphasen,
beißt dir in die wange, die finger verhakt. lippen, beine,
uneinheitlich. blut ist am kussmund, alte spucke im laken.
schiebst nen geruch von zwiebeln unter den nägeln,
die feine linie straßendreck. heute ist leer, weil du das
so wolltest. von gestern noch ein paar klamme geräusche:
fremde, die ihre ärmel abwetzen, eine im nebel verfangene
stimme, märchen, dann nichts. vielleicht dieser binnenreim,
verpackt in der winterjacke, geduldig behüteter unfall
von angst. baustelle vorm haus, gründe für misstrauen,
beschließt wie auf knopfdruck: wüste. dünne art von exil.

Veröffentlicht unter Friederike Scheffler | 2 Kommentare

etüde

Veröffentlicht unter Linus Westheuser | 3 Kommentare

[muss das blenden sein]

muss das blenden sein, schlag ins gesicht, wenn ich mir
überschüssiges licht aus den augen wische. brennt sich aus,

verfolgt die gelichtete sicht: farbe als schale über dem tisch.
gruppieren sich stühle daneben, um lücken im zimmer, die

immer weit ins holz verreist sind, bis jemand kommt und
sie verschiebt. steht auf der stelle am boden ihr vergangenes

stehen. und wieder lücken dazwischen, kriechen richtungen
raus, suchen fluchtwinkel zur untermiete für den blick. als

gälte es, sich von selbst bis blind zu verstehen, bricht in die
statik der farbe schwerkraft ein, wirft schatten aufs parkett,

sichtreste. und sammelt sie ein: haufen aus blendflecken als
geschichte des blicks, im dunkeln, beim schälen des tischs.

Veröffentlicht unter Tristan Marquardt | 10 Kommentare

frühstück: kalter hase

die unweigerlichen drei wahrheiten für diese woche:
zähneputzen ist die einzig maßgebliche struktur
gewürzgurken sind niemals in der überzahl
die kiste hat nichts mit der liste zu tun.
frühstück: kalter hase. alles was hilft ist ein dickes tongefäß
in das ich hineinlange, immer wieder hineinlange
alles was hilft sind milchkörper, beutelmasse und froschlöffel.
bevor ich gehe setz ich die große gefährlich brille auf
und betrachte meine großen gefährlichen kiefer in bewegung (yeah).
wenn ich frühs auf der straße bin, find ich´s krass, dass die bäume sich das trauen,
wenn ich spät auf der straße bin, haben die partikel zugenommen
bin ich ein wolfskrokodil, eine schaumstoffwanze
bin ich eine einzige fließende bewegung unter der absperrung
und die liste? hat damit nichts zu tun. ich wiederhole, die tür hat damit nichts zu tun.

Veröffentlicht unter Maria Natt | 6 Kommentare

anleitung zum rausgehen

achte auf die anderen, auf die vielen möglichkeiten eines unfalls.
sei schnell genug – die meisten einbahnängste sind so eng, dass
du drinnen nicht wenden kannst. aber eigentlich gefällt dir das,
die verlässlichkeit des vagen risikos hinter dir: ein soundtrack.
betreten auf eigene gefahr, zwingt dich niemand in diese musik,
in deine definitionsgrenzen mit offenen schnürsenkeln. die sind
eher nickelig, wie ein meerschweinchen. muffeln nach heu und
gehen kaputt, wenn man zu fest drauf drückt. achte immer auf
dein abtropfgewicht, liegt es konstant bei fünfeinhalb gramm?
achte auf den taktschlag. auf schuhe, in denen du rennen kannst.

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | 8 Kommentare