[kurze striche, haken, kringel…]

kurze striche, haken, kringel, krakel, knappe bögen.
ernstes nicken, blicke. ein karneval. seeungeheuer im nebel,
bauchige schlachtschiffe. vereinzelt massieren von schläfen,
das da ist blut. gedämpftes flüstern. füssler ziehen in die schlacht
kopfunter voran. historische dimensionen von feuerwerk durchdringen
kometen und flaggen – ausgehängte signale gesetzt wie kinderbücher
zum ausmalen. schwadrone verlaufen / rudern zu mintfarbener see.
davor bänke in kreuzformation, lautes husten / schüsse / schritte /
schreie. rudimentäre spuren von erinnerung. dann wieder geflüster,
flucht zu erklärenden gesten. im anschlag ansichtskartenandacht.

(für cy twombly)

Veröffentlicht unter Tabea Xenia Magyar | 8 Kommentare

w-o-a’s 1-6

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Duchamp has said two contradictory things — (1) that a w-o-a has a (short) life-span and (2) that the value of a w-o-a can only be established by posterity.
(Susan Sontag)

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die werften der welt sind traurig

unterm tag liegt etwas geschürftes
in nesseln ein restloses türkis
gequetscht von kinderhänden
am morgen: zwei abwesende anrufe
wir oder ich steigen in die kapseln
runter runter, die seeschlacht
ein memory aufgeklappter wunden im auto
im schalbau, rundweg- acryl in den augen,
den traurigen werften, im brustkorb federn
die beine aus filz

ich möchte dich anfassen
dir was hinstellen, das morgens
und abends goodbye sagt und stoff gibt
ein obenrum abgeschmiergelter cowboy
oder diese zwei kühe- sie tragen milch
in den zähnen, auf ihren rücken
liegen falsch transplantierte flügel

(und die datentürme, in den geschäften, usw.)
und dann vor der tür von den wolken befallen sein-wir
sind alles das, was wir vergessen haben
unser mund lagert schürfrechte ein
tausend ausgehöhlte blüten
aus den kanonen tropft die farbe die hand
fährt darüber und bremst

türkis, türkis

Veröffentlicht unter Linus Westheuser | 2 Kommentare

für die sonntage danach

langsamer träumen! du verschluckst zu viele fussel
im schlaf, prinzessin. läufst schon los als die füße
noch liegen, verhedderst dich im morgen, einem
ganz körnigen glück, in den laken. wimpernwünsche
hast du dir abgewöhnt, rückwirkend. aber einer
ist schneller, der nimmt deinen rucksack, hängt ihn
auf den rücken wie ein totes tier, das nicht verstehen will
und läuft los, trägt es dir nach zu den sonntagen,
wo ihr pupillen aufeinander drückt, vielleicht doch
wieder einschlaft und fehler zählt, die du vermieden hast.

Veröffentlicht unter Lea Schneider | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

zugprotokoll

will ich über schaffner reden
die selbstverständlich späne
von einer hobelbank reißen

über ordnungen meiner zunft
die sich zusammenzieht bis
alle fetzen pressholz werden

gedanken innwärts kreisen
wo es eng wird und dicklich
ich habe das auch versucht:

nach wochenlanger arbeit
mit dem hammer gelang mir
die fahrt nach nürnberg ohne angst

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | 2 Kommentare

LESUNG: Lea bei der writer’s night

Das darf auf keinen Fall verpasst werden: Lea Schneider liest am 5. 4. bei der writer’s night zusammen mit Mikael Vogel u.a.

Los geht’s um 19 Uhr im agoracollective ( www.agoracollective.org ), Mittelweg 50 (U8 Leinestraße) .

Veröffentlicht unter Lea Schneider, LESUNGEN, TEXTE | Hinterlasse einen Kommentar

vorab zum ausflug

                  der tour im april 2012

wie ich das sehe wird das eigene
wendelhaus mit krach verlassen
das die meisten bei sich tragen
welches hoch hinaus im gegenlauf
die tiefe fördert und auf welchem
wenn es gut läuft ausgeritten wird
von einem weggefährten fortbewegt
der zugangslos und ihren blicken fast
entglitten schien wenn einer reitet
müssen lange keine füße traben
schlürfen darf der fußersatz vom
anspruch eines heimes dessen fein
gesessener in seinem horn verstößt
das abermals aus sich entwunden
stark verwirrt und nicht zurück
verfolgbar ist

Veröffentlicht unter Alexander Makowka | 2 Kommentare

kragen.stahl.sakral.

es fühlt sich an, wie wenn sich
nachmittags ein sekretär trifft:
die drogerien schließen die äug-
lein und der wasserfall versohlt

eine sonate in d-moll mit lausiger
vorderhand. maria, joseph und
das kind stagnieren links der
kletterpflanze, während traurige

döschen im fenster eingebettet
werden, mit gespür für belange.
die wüste ist im grunde ein park-
platz für dinge, die anderswo

untergingen. dein dackel schleift
kataraktisch spuren um die häuser,
stößt laternen in scherben. nur die
erzählungen, auf die ist verlass.

Veröffentlicht unter Ilja Winther | 2 Kommentare

מַבוּל (sintflut)

ich denke an menschen
die sterben bei unfällen
wie wettervorhersagen

an bibeltiere erschöpft
nach abschnitten einer
ausgedehnten exegese

finde etwas über angst
und denke ich habe so
noch nicht geschrieben

vor dem fenster opfert
einer schnapsflaschen
preist das morgenland

Veröffentlicht unter Max Czollek | 5 Kommentare

tank man

paar reiskörner glück
schüsselwärts gestellt
mit stäbchen ausgemessen
stehst vor den 400mm
mensch, lauf-doch-los

durch helle korridore
und keiner sieht dich
mit geschlossenen augen
wie fühlt es sich an
über der gliederkette

winkekatzen rühren
luft, pack den regen
schirm aus dünner mann
sie malen dir tränen
auf wangenknochen

39,6 friedliche hektar
die formatierte fläche
makellos auf dem foto
wo du angehalten hast
tüten zur reise gepackt

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | 13 Kommentare