LESUNG: Lea, Rebecca und Max am Poesiefestival

Auch am diesjährigen Poesiefestival wird G13 bei Poet’s Corner vertreten sein – und zwar am Samstag, 18. 6., ab 15 Uhr im schönen Marzahn:

Junge Dichter erkunden Marzahn
Marzahn-Hellersdorf, Lesegarten Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55. Bei schlechtem Wetter im Schloss. Es lesen:

Rebecca Ciesielski (G13)

Max Czollek (G13)

Lea Schneider (G13)

Kristoffer Cornils (Kreuzwort)

Isabella Vogel

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individualisierte hölle – 自我的地狱

Und noch eine Übersetzung von Hsia Yü. Mit Anhör- und Vergleichsmöglichkeit auf lyrikline.org – es lohnt sich!

individualisierte hölle
für jorge luis borges

ein schlafwandler und ein schlafwandler
streifen sich wie ihre träume treffen
wie wolken auf andere wolken
wenn es regnet und ein schlafwandler
wacht auf im regen in einem raum
öffnet er die augen und sagt: es regnet
und weiß nicht sein schlafweg ist
im raum eines anderen geendet
seine füße in den schuhen eines anderen
sind so identisch sein körper trägt
die kleider eines anderen er sitzt an anderen
tischen und isst mit ein paar anderen
und wird ich und fällt sich nicht auf
wie manchen freunden oder verwandten
aber die sehen seine seltsamkeit als teil
der ganz normalen surrealität die schuhe
sind der schlüssel denn man merkt doch
sofort wenn man falsche schuhe trägt oder
deshalb werden alle die morgens aufstehen
zuerst von ihren schuhen indoktriniert
und es fällt ihnen nie auf sie sind
schon lange nicht sie selbst seltsam
wie die schuhe anderer leute
an die eigenen füße passen es braucht bloß einen
der nicht aufsteht und alle anderen
leben im traum

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PUBLIKATION: „Ich häufe weiter Sehnsucht an“

OHJA! die JOKERS-Lyrikpreisanthologie „Ich häufe weiter Sehnsucht an“ ist raus. Und Max Czollek mit einem Gedicht vertreten (S. 26). Nebenbei gibt es viel Anderes zu entdecken, laut Vorwort auch zu so aktuellen Themen wie Rassismus, Afghanistan oder Fukushima. Das ist der Waaaahnsinn!
Checkt it out!

http://www.jokers.de/news/jokers/lyrik/Lyrikpreisanthologie_2011.pdf

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nachrichtenwelt

wenn die nachrichten beginnen
einen nachtrag vorzuziehen
und geschichten zu erzählen
aus dem kleinen faktum alltag
eine schwellende pointe stilisieren
dann ist viel geschehen in der
nachrichtenwelt zu der das fenster
zählt die dinge die vernetzen

dass sesam sich in syrien kein
ausweg nennt und auch noch
sterne über japan strahlen lässt der
sprecher wissen als er aufblickt ganz
als wäre alles nun gesprochen
nur wer weiß ob nicht das nächste
wort so schwer zu lesen oder
jenem doch die sprache noch zuvor
entkommen ist

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LESUNG: Ilja & Max im Hochparterre


…am Mittwoch, den 15.06.11
G13 füllt das Hochparterre.
Thema ist… egal. 20 Uhr!

und zwar zur Prinzessinnenstr. 7
(u-bhf. moritzplatz)

mit:
Lutz Steinbrück
Asmus Trautsch
Julia Trompeter
Max Czollek/Ilja Winther

das wird ein dichterfest!

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camera obscura

schau ich da am kleinsten fenster mit
unter der musik nein
manchmal ist man nicht immer da
man sagt die wäsche hängt einfach
bis sie einfach trocken ist
aber das ist nicht wahr

durchs fenster fallen
fahle umgedrehte strahlen
ins gesicht der wand:
der boden
mein schatten
die decke

ein unfall ich
sollte nicht hier sein manchmal
fühlt man man ragt an ein brennendes haus

es geht sich aus wenn man im stinketeich
nach unten geht manchmal
beißt man

in eine rote tomate und spritzt und sitzt dann
da und wischt
die schleimigen kerne vom boden
dann hängt man am fenster
herum verkehrt und nass wie in einer haut
die musik geht drüber hinweg und stoppt

und wenn man dann stillhält findet man
sich irgendwann wieder
falschrum
mit dem rücken
in einer zahnlücke der grinsenden wand

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die stadt geht unter

die stadt geht unter
der marlboro man
schlägt aufs pflaster im wind
platzen die blasen an der häuserfront

geh mit mir im dunkeln schlag
deine fersen in die drehende scheibe
am spielplatz ich schaukel daneben im sand
werf ich netze aus für einen

pfennig vom mond und die frau die
zwischen ihren hasenzähnen raucht
während das wilde personal schon
die bohrer ansetzt

und während die viertel glühen wie wale
mit angesteckten kippen in den barten
die blasen platzen in den kabinen
vom riesenrad denk ich noch

das sind mir alles ganz unbekannte leute
im feuer die rauchen und ausgehen
wie sand am meer vielleicht
hab ich sie mal beim zahnarzt gesehen
oder alleine in einem lästigen traum

jedenfalls muss ich sterben
die lunge schlägt auf der wind
geht schön und du drehst dich im kreis
während sie langsam die szene abschrauben
die stadt geht unter und alles ist wie immer
aber es tut mehr weh

 

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bauchreden – 腹语术

Mehr chinesische Lyrik für alle! Eine Übersetzung des Gedichts 腹语术  (Fuyushu) der taiwanesischen Dichterin 夏 宇 (Hsia Yü).

bauchreden

ich gehe in den falschen raum
und verpasse  meine hochzeit.
durch einen riss in der wand erkennbar
endet alles wie geplant: sie trägt weiß,
sie trägt einen strauß, die feier,
das versprechen, der kuss –
mit dem rücken dazu: schicksal wie
bauchreden habe ich mühsam gelernt
(zunge, dieses warme wassertier                           gezähmt
in seinem winzigen aquarium                                  windet sich)
und das tier sagt: ja, ich will.

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afterhour

der morgen legt sich
wie schnee auf das licht
fallen deine gedanken
auch wie kartenhäuser

nebenbei von einem
sonnengott getragen
der die dächer über
trumpft am morgen

fallen deine gedanken
wie schnee auf karten
häuser das licht auf
den dächern aus

getragen von einem
sonnengott fallen
karten nebenbei wie
gedankenhäuser

als schnee legt sich
der morgen auf licht
legt der schnee sich
auf das morgenlicht

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lobhudel.schuppen.garn.

abschaum waschgang. lang oder muld?
ich war selbst dabei: sie hülsten stück-
weis’ aus, zerrten die scheitelhaut, schopf
einer blutgruppe, der ich selbst angehörte.

dann wurde – ich kann’s bezeugen – schar-
wenzelt als gäb’s keine binnenkonjunktur
ohne duschvorhänge. ich hielt dagegen:
„wer von ihnen ist je in einem strickkreis

gewesen und hat den weibern wirklich auf
die finger geschaut?“ ich glaube: haube zur
selbsthaube. steht wie plüsch zu sprengsatz.
abwasch. und dass es rüscht, ist zu begrüßen.

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