LESUNG: Linus bei „meine drei lyrischen ichs“ am 18. 07., 20 Uhr

Münchens Lesereihe für neue Lyrik präsentiert drei Mal im Jahr Lyriker_innen, die erst einen oder noch keinen Band veröffentlicht haben. Diesmal mit: Linus Westheuser, Mathias Traxler und Tobias Roth. Die Lesung findet im alten Bierlager des Unionsbräu, dem heutigen „Einstein Kultur“ statt. Der Gewölbekeller wird jedes Mal von einer Künstlerin oder einem Künstler gestaltet, diesmal Andreas Peiffer, der seine Säge im Gepäck hat. Moderation von Tristan Marquardt und Tillmann Severin.

Alle Infos hier: http://meinedreilyrischenichs.wordpress.com/

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[Der Anfang eines Körperromans]

Der Anfang eines Körperromans: Blitzschuhe, die nicht zugehörig sind. Als am Ende des geschlauchten Zimmers Licht durch eine Tür fiel, verwandelte sich der Rest der Dunkelheit in ein mildes Addendum, die Bewölkung, die einer Tasse zustößt, die meilenweit entfernt in einer kaum auszuhaltenden Frische steht. Das ist ein und dasselbe. Wir halten beide Arme nach oben und senken sie gleichzeitig ab, hielten wir zwei sehr schwere Kugeln in den Händen. Dies ist der Anfang der modernen Erzählung, deren mildes Addendum der Name ist, der Person, die die Kugel zu halten passierte. Mein Unwillen ist keine Gefühlsregung, sondern eine Verworrenheit des Materials, ein so kleiner (oder großer) Faden, dass die Auflösung des Knotens keine praktische Frage mehr zu sein scheint, sondern eine andere Ebene des Möglichen. Ebenso ist es, ein Kind zu sein. Die Blitzschuhe stellen den Keller auf, d.h. eine Achse des Möglichen verirrt sich in ein schon reales Gebäude, die Person erwacht unter Einfluss von Sonnenstrahlen und verirrt sich, der Rest der Dunkelheit wird stückweise in die Tasse gekippt, bis wir die Geschichte aushalten, und so weiter. Dann tritt ein Weißer auf, er ruft He! Wer ist da? sagen wir die Strecke von einem etwas zu aufgerissenen Auge wird hier gestoppt, die Sehnen und so, das Gehäuse der Tränen, das alles wird von uns jetzt unmerklich verwandelt in eine Trabrennbahn, über die sich in diesem Moment das alles entscheidende Tier bewegt, Hufe fliegen, der Stern tritt beiseite, verheddert sich, man rutscht herbei, um zu helfen, kurz: man ist bereit sich hier aufzuheben, zu halten, bis der Brustkorb zu schwer wird und die glanzvollen Einheiten des Sichtfelds in Provinzen zerfallen. Wer aber trug den blitzenden Schuh? fragt der Weiße, ein sehr kommerzieller Genosse. Ich aber blitzte ihn mit der Zunge an und warf alles bereit geschaffte vor seinen Augen in den Müll. Als ginge man in einen Raum, um sofort auf den Stein zu schlagen, ein Wippen verblasst, es bleibt aber sichtbar, dass hier jemand abgesprungen ist. Dies ist der Anfang einer Geschichte meiner Freude, die eigentlich eine Türklinke in deinem Inneren ist, die ich wie eine Waffe halte. Wir sträuben uns also weiter in die eigene Handschrift, ins Werfen der Arme oder Heben, die Kugel ist vielleicht das Eisenerz der westlichen Hemisphäre, selbst dann würde man einem Typen den Hut aufsetzen und ihm einen Namen geben, damit er herumläuft und allen erzählt Ja Ja, ich habe gesehen und gehört, ab hier war das dann, oder so und so, außerdem war ich mir meiner eigenen Fehlbarkeit in schrecklichen Momenten durchaus bewusst. Das entzündet sich im besten Fall, oder man legt es halt ab, ditscht es in die Ecke, zieht so ein Rauschen über die kleinen Kügelchen am Hals, die sich im Sommer vor den Gedichten bilden. Die Wiederholung ist noch einmal dieses Pferd, ein mildes Addendum einer Insel, über die der Harn und die Haare gehen, das außerdem schönerweise seine eigene Regierung wählt, herauf treten an dieser Stelle die Vertreter. Das Material verknüllte sich nun, tüllt mich ins Herzeleid, kugelnd wie Error an tippender Spitze. Sie sehen Verstehen ist kein Problem, das Kinder haben, zumindest nicht, seit sie nachts noch als Nachtigall schuften. Und dann? Und dann? Und dann?

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REZENSION: „das amortisiert sich nicht“ bei radio eins

In der Sendung vom 16. 6. ist Tristans Debüt in der Sendung Literaturagenten rezensiert worden. Thomas Böhm und Lydia Herms sprechen begeistert über die grafische Gestaltung, die Kataloge und die Gedichte und haben mit Tristan telefoniert. Die Rezension ist der zweite Beitrag der Sendung und beginnt bei 08:30:

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[die unfähigkeit die verhältnisse zu begreifen]

die unfähigkeit die verhältnisse zu begreifen
inmitten von leisigkeit, ach, fanden sie
am hang ein paar chips und warfen sich ein

im vorhang ein ausflug, die provinz legte sich
flach auf die erde, wir trugen dazu ein heimliches
geweih, die kleider, blinkten: prozente und flachs

zum basteln. jemand gebe ihnen eltern, die sich
am halligstrand in den stein eintragen, mit sicher
sitzenden zwickern im bein, jemand schlage ihnen

beizeiten puzzle in die geneigte außenwand,
ein einziges mal zum sammeln, säumen, sublim
in den dummen augen, und wie die liebe

gewonnen wird. es bleibt ja zum anfassen, die
ernsthafte beschäftigung, im wandeln durch
institutionen schleift sich der kleine tod in die falten

und sie sagen dann: so sangen sie und sanken
und der tod ist viel am start. kurzes schweigen.
dann aber zurecht: sea-weed, uh, und zischen!

jemand anderes machte sich zugleich mit einer
pistole zu unserem zeitgenossen. geht das nicht
auch einfacher? nein, das geht es scheinbar nicht,

man lockert einmal den raketenschild, schon stehen
zwei jungs in der fußgängerzone und verursachen
ein herzzerbrechen. die gleichheit ist das, was

wir im grunde gar nicht kennen, wir tun und lassen
die wüstesten stümpfe und die alten reden dummes
zeug. das ganze hat mit dem internet übrigens überhaupt nichts zu tun.

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Lesung & Ausstellung: Tabea bei Call & Response EXTENDED

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Morgen Abend 2. Juli geht die Ausstellung Call & Response in Verlängerung. Für das Projekt haben Lyriker_innen und Fotograph_innen kollaboriert (nicht: kollabiert!) und sind in einen Dialog getreten – u.a. Tabea und Lotti Thiessen. Ausstellung & Lesung & Konzert ab 20h im Strahler, Raum für Fotographie an der Pflügerstrasse 15 in Berlin! Kommet in fröhlichen Scharen!

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[nachts, aus der straße ausbiegen]

nachts, aus der straße ausbiegen, gedankenstriche
in der mitte, ich tue nichts. große schritte, die in kleinen
denken, kennt ihrs? antrag ungezeichnet abgelehnt
ein ultimatum stellen, sich darin rückwärts überholen
oder die haufen wäsche mit kreide umranden, brot essen
vorm schmieren, weil der hunger kommen muss, d.h.
mein linker, linker platz, hat was, ich lass das
messer in der rechten, bewaffnet schmeckts besser

da ist der wunsch, die straße nichts anderes, als anderes
zu verbinden, eine fixe idee, blödsinn, allen forderungen
gleichzeitig den boden zu entziehen – ist das bloß deko
oder eine version von: mir fallen so viele regeln ein
ihr findet, rhizomatisch sollte maximal eine sein
bevor ich zählen kann, lass ich das unkommentiert

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Tabea im Poetenladen

Tabea ist die sechste im Bunde, seit heute ist ihr Poetenladen-Profil online, zu finden HIER. Nebst Kurzportrait gibt es fünf Texte zu lesen.

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Handlesen mit Friederike

Seit einiger Zeit studiert Friederike nun schon am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.
Die Gemäuer haben Spuren hinterlassen, das Ausmaß ist noch nicht erkannt, aber gemeinsam
mit Lene Albrecht und Marlen Pelny liest sie sich selbst und ihren Texten die Zukunft.
Sei dabei, bring Freunde mit, komm am Sonntag, d. 23.06.
in die Grimmstr. 23 zu Fatimas Hand. Los geht’s um 20 Uhr.
Und so wird es in etwa klingen:
https://gdreizehn.com/wp-content/uploads/2013/06/trailer_for_email-1.mp3

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REZENSION: „das amortisiert sich nicht“ in der FAZ

Unter dem Titel „Suchmaschinenverse“ ist heute eine Rezension zu Tristans Debüt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen. Zwei Auszüge daraus:

Amor steckt auch noch im „Amortisieren“ [….] und wenn in Tristan Marquardts Gedichten Zufall und Ordnung miteinander kämpfen, spricht darin ein lyrisches Ich der Internetgeneration trotzdem auch von Liebe.

Das Private liegt Marquardt näher als „der arabische volksaufstand“, und neben den vielen Medienzitaten steht ein begrenztes Bildvokabular mit Elementen wie Baum, Blick, Hand, Hund, Schatten, Tisch. Erstaunlich bleibt, wie die drei Texte „blickinsassen“ […] aus dem scheinbar schlichten Repertoire die Grundlage einer „geschichte des blicks“, seiner Selbstreflexivität und seiner Potentiale zu schaffen vermögen. Wo zum Ich ein Du ins Spiel kommt, gelingen dichte, assoziationsreiche Texte, die synästhetische Qualitäten entfalten und mit gewissem Recht auf Widmungsträger wie Ulf Stolterfoht und Andrej Tarkowski verweisen. Hier wird der Jargon klangsensibel eingesetzt und mehrsinnig gebrochen.

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HÖRSPIEL-PERFORMANCE: „Maßlose Anwesenheit“

Am Donnerstag, den 20. Juni um 19:30 Uhr findet die Uraufführung von „Maßlose Anwesenheit“ in der Villa Elisabeth statt. Die Hörspiel-Performance aus Texten von Linus Westheuser und Ilja Winther mit Musik der Komponistin Lisa Streich führt durch Stimmengewirr und Straßenlärm, durch Häfen, Märkte und Bahnhöfe. Die Sprecher Pascal Houdus und Chiara Ceeh treten dabei in Auseinandersetzung mit einem Violincello und dem Forseti Saxophon Quartett. In Gesprächen über Datentürme, Pflanzenmark, Alltagslogistik entgleitet die Sprache aber zunehmend der Kontrolle, Stadtraum und Sprachraum lassen sich nicht mehr unterscheiden. Das Hörspiel ist als einer der drei Realisierungswettbewerbsgewinner zum deutsch-argentinischen Clang Cut Book-Festival für Neue Musik und Poesie eingeladen worden. Das gesamte Programm findet sich hier! Sollte man sich nicht entgehen lassen, ehrlich.

Konzert I: Mit Gabriel Santander, Harald Muenz, Florian Neuner, Andrew R. Noble, Martin Bauer u.a. Donnerstag, 20. Juni 2013, 19:30 Uhr, Villa Elisabeth, Invalidenstraße 3 (Nähe U-Rosenthaler Platz), Eintritt 8,-.

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