interimship

wenn einer sich den lebtag verdient
am gang der dinge orientiert
und ihn am ende einzufangen
nicht die mittel, materialien hält

wie wir die waren in der gegend tragen
unsere warmen körper darüber decken

von hintern blankgewischte sitzbereiche
spiegelperforanz der wartehalle
die kontaktzeit zu verringern kommen
mienenhalter, wächter der chemie
es ist jetzt eingeschossen
kugelmiene auf dem abschlusszeugnis
einen abdruck hinterlassen

nachsichtige mienenhalter
nicht zu sagen abgelenkt
vom instrument in ihrer hand
das alles außer richtig explodieren kann

kugelmiene länglichkeiten vorenthalten
zerren sitznachbarn vermittels leine
scheinwerfer in position – zwar ist er frei
pendelt aber von derselben decke
achtet, dass sich sphären überschneiden

in der auslegung von schaumstofffetzen
in der form von kontinenten
finden alle seiten ihren schluss-d’accord:
er verlässt den ort besinnungslos
für eine nacht
wird seine fernen schritte hören
sobald jede landmassenkante passiert

Veröffentlicht unter Alexander Makowka | Hinterlasse einen Kommentar

[mit halb offner schnauze ziele ich aufs nächste fenster]

mit halb offner schnauze ziele ich aufs nächste fenster.
regelfolgenhörig saufe ich die dicke kuh
schnapp noch nach den letzten tropfen.
sich die hörner stossen, grösste form des juckens –
wenns mir möglich wäre. mein kopf bequemt
in einer stumpfen eierform zu harren.
dass diese form den inhalt doch bestimmen muss
hätt ein ästhetischerer schöpfer längst gesehn.
ein schmücken der auslage, eine ausgabe
die sich dieser zwei-phasige behälter
eigentlich nicht leisten kann. er fasst die milch
fasst das protein als werbung auf. das prinzip der werbung :
hat man sie begriffen, hat man sie begriffen.
das wirkt nicht im untergrund, das trägt sich
flächig vor dir her, weiss jeder brezelmann.
ich schwenke ein paar hufe richtung ausgang.
das andere versucht noch immer zwischen feiner spitze
einen feinen sitz zu finden, trampelt ungeduldig
auf dem aktuellen kulturellen sahnehäubchen
schickt in meine richtung jodelnd laute des bedauerns.

Veröffentlicht unter Tabea Xenia Magyar, TEXTE | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

[fängt zu jucken an]

fängt zu jucken an, platte hüfthoch, du stehst mitten im tisch.
über dir flimmern, sichtbares sirren. hat sich licht eingenistet.

unten der in sich selbst verwandelte boden. dunkelheit, durch
schatten ersetzt. rücken nach oben. dazwischen der blickschnitt,

das holz. dir diktierte präsenz. dass beine eine funktion haben.
nicht die kraft, sie zu lassen. dass jucken heißt, es heilt. du greifst

nach den augen. betraust sie mit nichts als der aufgabe, schritt-
macher zu sein. betrittst dein sichtfeld, als hieße, den finger in

die wunde zu legen, von dort aus zu sehen: was unter den tisch
fällt. kleinlaute hoffnung auf ein maximum beine, du klopfst

auf holz. wünschst dir was, als hieße das: in ordnung ist, wenn
sich dein herzschlag in der zimmerlautstärke eingerichtet hat.

Veröffentlicht unter Tristan Marquardt | 2 Kommentare

REZENSION: „40 % Paradies“ im Münchner Studentenmagazin „Philtrat“

Studentenmagazine, die seit Jahren eine eigene Lyriksparte haben, verdienen vollste Unterstützung – erst recht, wenn sie sich dann auch noch der jungen Lyrik annehmen. Wir empfehlen also wärmstens das Münchner „Philtrat“ – in Sachen Poesie und überhaupt. Die soeben erschienene Rezension von Anna Hofmeister zu unserer Anthologie findet ihr: hier.

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[privatleben korrektur lesen]

privatleben korrektur lesen irgendetwas hat sich eingeschlichen
schokolade statt salat eine fehlerhafte interpunktion mit croutons
dass der tag nachts anfängt gelegenheit spielt chasing the dragon
außerdem diese intimität von vier wänden die abziehen die sich
entsättigen die an puderzucker erinnern rechtschreibung einer
farblosen sprache die küchenkacheln mit ihrer unentzifferbaren
zeichensetzung irgendetwas ist weggeschlichen vielleicht nach
der entblätterung der poster vielleicht beim eisessen vielleicht
mit dem nächtlichen augenschlag und neuerdings ein semikolon

Veröffentlicht unter TEXTE | 1 Kommentar

this is just to say

halt die zukunft für uns reserviert.
schnuppertickets, pflaumenschmiere, montag,
dienstag, wirst schon verstehn. ich hol dich ab.

und danach sehen wir uns nicht, drei lange wochen.
fertigpizza, wichsen vorher, die meisten rochen
bloß wie du. doch davon, darling, schweige ich.
du hast dir extra die beine rasiert. dazwischen zeit,
ein neues gesetz gegen waffenbesitz. ich will dich ja lieben.

deswegen auch die klarsichtfolie. muffins am morgen,
frisches obst. glaubst du im ernst, ich mach das für mich?
jeder winter schält mein befinden, ich schaffe mich ab.

Veröffentlicht unter Friederike Scheffler | 1 Kommentar

herdsanierung

ein baulärmstilles vergewissern
eine arbeit solidestenfalls
zehrt an den grundfesten meiner bebauung
mir zu wässern den mundraum und hals

von tragenden wänden wird samt abgehangen
vom gasfeuerstättengestein
ausgegangen mit backenden zähnen
nenne ich kratersysteme heute mein

zu hause gesperrt in die höhle des lärms
vom geist seiner vormieter entzückt
im zahnarztspiegel – die sonnenkonsole
in der mitte der stirn – erkennt es sich wieder
dem bakterium wird zu leibe gerückt

Veröffentlicht unter Alexander Makowka | Hinterlasse einen Kommentar

auszüge eines spurenkatalogs

spurensuche
1) sowohl das gegenteil von suchen als auch das gegenteil von finden. wer spuren sucht, findet in der anwesenheit einer spur die abwesenheit von etwas anderem: man sucht das, was nicht da ist. man findet nicht das abwesende, sondern seine abwesenheit.
2) sowohl die vergegenwärtigung von vergangenheit als auch die vergangenheit im gegenwärtigen. wer spuren sucht, will sagen: „ich suche mein gefunden haben.“
3) sowohl zukünftiges als auch vergangenes sehen. wer spuren sucht, sucht, was er nicht gesehen hat, und wird finden, was er nicht gesehen haben wird.

spurenfund
1) sieht man eine spur in oder auf etwas anwesendem, bemerkt man deshalb, dass etwas anderes abwesend sein muss, weil das anwesende anders ist. man sieht: hier ist etwas anders, weil etwas anderes da war.
2) nur weil man etwas anders sieht, sieht man, dass man etwas anderes nicht sieht. man sieht, dass man nicht sieht.
3) findet man eine spur, sieht man nicht nur, dass etwas anders ist, sondern wird auch selbst ein anderer: man gewöhnt sich daran, dass, was gewohnt war, ungewohnt ist.

spurenlese
zielt auf die lösung einer ungleichung: da man in der gegenwart nicht weiß, was in der vergangenheit da war, muss man in der zukunft wissen, was zukünftig vergangen sein wird. das vollzieht sich in drei schritten:
1. man weiß, dass man etwas nicht weiß.
2. man wusste nicht, dass man etwas nicht wusste.
3. man wird wissen, dass man es gewusst haben wird.

spur, ausdrucksformen
abdruck, in: abwesenheit von zwei körpern. bspw. der fußabdruck im schnee: er ist nicht fuß und nicht schnee.
abdruck, auf: abwesenheit von zwei körpern, anwesenheit eines neuen. bspw. der fingerabdruck auf dem fenster: er ist zwar weder finger noch fenster, aber abdruck.

eine spur legen
gegenwärtig für die zukunft hinweise auf die vergangenheit geben.

die spur halten
den hinweisen folgen.

neben der spur liegen
den hinweisen falsch folgen.

Veröffentlicht unter Tristan Marquardt | 5 Kommentare

Adorno im Schuhschrank – Nachbereitung zur Lesung in Göttingen

UPDATE: Auch das Göttinger Tageblatt hat inzwischen eine Rezension der Lesung mit dem vielversprechenden Titel „Autoren aus Berlin toben sich im Pools aus“ veröffentlicht: http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Kultur/Kultur-vor-Ort/Autoren-aus-Berlin-toben-sich-im-Pools-aus. (Das Eingangszitat habe ich übrigens zwar nie gemacht, aber dass alles erlaubt ist, finde ich natürlich schön und richtig.)

Wie vor einigen Tagen hier angekündigt, hatten Friederike und ich am Freitag die Ehre, die neue Göttinger Literaturreihe „Kellerkultur“ mitzueröffnen, und dabei auch mit dem Publikum über Allerlei Lyrisches-Literarisch-Politisches ins Gespräch zu kommen. Es war ein sehr schöner und auch inhaltlich gewinnbringender Abend. Auf dem Blog ramagens erschien dazu nun eine Rückschau, die in vielerlei Hinsicht auf den Punkt bringt, worum es uns (oder jedenfalls mir) an dem Abend ging: http://ramagens.wordpress.com/2013/01/21/theodor-w-adorno-erschlagt-am-pazifik-eine-biene. Und allen in Göttingen und Umgebung sei dringend empfohlen, nach den nächsten Streichen der Kellerkultur-Crew Ausschau zu halten!

(Linus)

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Text zur Performance „What do you really miss?“ von Marysia Zimpel

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