[du krümmst dich, fährst weit aus]

du krümmst dich, fährst weit aus, invertiertes
schneckenhaus, der sonntagsofen leergeräumt
sammelst den losen satz, der übrig bleibt und immer
diese anfänge die zwischen das gitter fallen, immer
fehlen dir die hände, mit denen man das fassen kann
mal was verwischen, mal wände anzukreiden
zu schreiben: ich schuhe einen tritt auf der leiter, ich
will hier nicht mehr. aber wie unbescheiden
an hasen zu denken, wenn einer von einem igel spricht

Veröffentlicht unter Tabea Xenia Magyar | Verschlagwortet mit | 8 Kommentare

fukushima von weit weg

vom kopf der seite die ich fortbeständig
öffne um der datenflut den anker vor
zu werfen prangt ein bild am wörterhaufen
auf den zweiten schreck die blumengaben in

verwehtem sand und nachdrücklich gebrochenen
geschwadern gischt die aufforstung vor nukleär
gefärbtem winter eines simulators spross
am strand der angehörigen vertreiben ihn

die windstoffbrisen aus dem wasser kommt das beben
alles was danach beginnt vor einem jahr von hier
sind ausläufer zu spüren auf der seite muss ich
atmen dass der sinn von flut erinnerung gewinnt

als überschwemmung
ein tsunami
alles was danach beginnt

Veröffentlicht unter Alexander Makowka | 2 Kommentare

bret.gähren.bestellt.

die metzgerei gottlos, niemand da
und die organe eingepackt. verhält
es sich umgekehrt mit der befruchtung
vergorener weingüter. dickglasige
lupen lassen sich nicht umrühren,

der baum knickt mittig, alles trug
und nachher angebranntes wild. ich
glaub, und da bin ich verschmitzt,
vieles auf umwegen, in schweißtüten,
zwischen der kaubewegung, à la „roh“.

woanders ein angang, schmiegsam
wie altes hautpflaster, verirrt sich in
üblichkeiten, etwa: mein bitte ist
dein danke und das möchte ich
schriftlich, die münder verweint.

Veröffentlicht unter Ilja Winther | Hinterlasse einen Kommentar

[leute treffen ist einfach]

leute treffen ist einfach. du schneidest den apparaten ins mark
und wartest. jede wohnung ist eine sekunde.
blindes verhalten im wetterbericht. wenn das mauseloch stumm bleibt
zählst du den schlag deiner beine. zeilen:
eine art bedeutungslose gegengewalt. schluckst du luft
ist das anzeichen für eine äußerung. anflug von taubem gemüse
der balkon ist nicht weit. du musst die piloten aus dem
blickfeld streichen, steileres suchen. birnen im fall.
der wind ist ein gutes maschinchen. zeig auf
galvanische ziegen und dreh dich im kreis.
begeh einen körper, von dem niemand weiß. hinterlasse beweise.
wenn du wartest weiten sich löcher und fallen in sich hinein.
dadrinnen wohnen leute. erschiesse jeden der zweimal kommt

Veröffentlicht unter Linus Westheuser | Hinterlasse einen Kommentar

PUBLIKATION, LESUNG: Max Czollek, „Druckkammern“

Ein ganzes Lyrikkollektiv jubelt: Der erste Debutband aus unserem Kreis ist da! Max legt mit „Druckkammern“ ca. 70 Gedichte vor, in denen „Dichtung“ wörtlich genommen ist: komprimierte Panoptiken einer immer schon lyrischen Realitätswahrnehmung, die vor Direktheit genauso wenig zurückschrecken wie vor ausladenden Metaphern. Oder wie es im Ankündigungstext des Verlags heißt: „Lyrik ist eine Spalte im Schädel, die distel auf dem hemd / die nicht explodiert. Geht auf Reisen, begegnet überall: sich selbst. In so einem fetten licht / hast du viehwaggons / noch nie gesehen. Alles liegt auf der Hand. Alles war schon immer da.“ Dabei bildet das Fremde im Eigenen bzw. das Eigene im Fremden immer den Fluchtpunkt ganz unterschiedlicher Themenbereiche: in der Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition und Gegenwart, in Reiseerfahrungen oder gleich um die nächste Straßenecke.

„Druckkammern“ ist als Quartheft 35 in der Edition Belletristik des Verlagshauses J. Frank erschienen und KANN HIER BESTELLT WERDEN. Wer reinstöbern mag, hier lang. Und eine Rezension findet sich hier.

Präsentation in der Literaturwerkstatt Berlin:

Mi, 18. 4., Literaturwerkstatt, 20 Uhr: Aufgefallen: „Druckkammern“ von Max Czollek, Moderation Jan Kuhlbrodt

 

 

Veröffentlicht unter LESUNGEN, PUBLIKATIONEN | 1 Kommentar

grundriss

dass ich ein zimmer nur für mich bekam war nicht gesagt
jetzt steht es geschrieben meine mitbewohner lesen wenig
sie kennen sich seit langem kommen miteinander aus
geht es um die haushaltskasse können sie auch lauter werden

mein fenster liegt nach norden doch in einem warmen land
gibt es schlimmeres als wenn das wohnzimmer die küche grenzen
an meine wände klirrt geschirr und aus dem film der krieg
dann vergesse ich das glück im bett mich unbemerkt zu wälzen

bei einzug stand die zimmertür als bloßer rahmen da
dessen plastikeingefasstes meinen aufpreis stets durchblickte
entsprechende büros vertreiben reisealben kostenlos
dank der schönsten bilder währt von nun ein erstes siegel

Veröffentlicht unter Alexander Makowka | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

lamed-waw zadikim

unter brücken sammeln
sich die toten errichten
ein lager aus zeitungen

lehne ich an einer bar
die jede zweite stunde
zinslos kredite vergibt

um den schlaf gebracht
suche ich ein sternbild
mit vergoldetem finger

eine nacht die gestützt
von sechsunddreißig gerechten
die dämmerung erreicht

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | 1 Kommentar

(er)mächtig(end)es träumen

her mit den blauen augen
wege werfen mit kippenden reissäcken
bis ans andere ende der welt
tanzen menschen atmen
wie luft flügel blühen lassen
zu papier bringen mein möglichstes
statt dieser kleinen ichkeiten
(er)mächtig(end)es träumen

Veröffentlicht unter Helene Könau | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

im dunklen park laufen
jetzt die äste da
wo mal der kopf war
sind sie lang genug
durch den beton gewachsen
brechen in den winter nun und
finden sich fußspuren
im nicht mehr flüssigen licht
der laterne darunter

Veröffentlicht unter Helene Könau | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

aber dann

weißt du noch früher da hatten menschen angst vor
dunklen ecken weil plötzlich was
passieren konnte. weißt du noch
weißt du?

wer wird denn heute noch
weise. wer will denn sowas noch
fragst du. berge aus staub auf
denen die luft knapp wird

aber dann regnet es einfach
ordentlich aus dem sinn

Veröffentlicht unter Helene Könau | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar