plagiat nr.3

„weil draußen der herbst den sommer vögelt“
(Maria Natt)

ziehst dir die mütze über den abend
atmest wolken in laufrichtung,
wetterminiaturen, der nase nach

im hausflur schlafen lakunen,
vagewörter für die leerstellen
im briefkasten: weiterwarten

bis der sommer keine lust mehr hat
das klingelschild abschraubt
und nach süden fährt, weg hier

gibts bloß kekse und kerzen,
telefonbücher gegen die einsamkeit
die kommt vielleicht, vielleicht

hast du dich aber auch nur
kurz verfangen im festnetz
eines hartnäckigen herbstbeginns

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

NEWS: Linus im Poetenladen

„(…) ich sah / einen blick der dir in einer völlig verzettelten / wurstigen angeschmierten / überfischten halb angezündeten welt / abzuliefern / vor die zähne vor die pumpen unterm gesichtsfleisch / wäre (…)“

Trommelwirbel für Linus: Der Poetenladen ist um ein Gesicht und eine Sichtweise größer. Die Seite findet ihr hier.

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plagiat nr. 2

„manche dinge macht man
und weiß von anfang an
die sind scheiße“
Max Czollek

In einer minute ist der ofen wieder aus
————————————- vergiss es
du hast gerade eh etwas unpassendes gedacht
weil draußen der herbst den sommer vögelt
der nicht mehr mit dir gehen will
nicht mal vielleicht

dann suchst du alte liebesbriefe
in deiner fotokiste von neulich
die hat dir immer so ein gefühl gemacht
——————— –  itzibitzi besenlaub
vorm fenster ziehst du die handschuh aus
als wär die scheiße von anfang an geplant

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

post-it

am besten ist du stopfst
den sommer in kisten
zu den anderen fotoalben
manche dinge macht man
und weiß von anfang an
die sind scheiße

vor dem fenster vögelt sich
kühle luft über den innenhof
am besten du vergisst das
denkst etwas unpassendes
und stellst in einer minute
den ofen wieder aus

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

[ein segen, freilich, aus dem ruder]

ein segen, freilich, aus dem ruder. zweites tischgebet noch,
willst abwischen, die ganze fläche räumen. faltest auf: dich,
eines mittags auf dem sprung richtung fahrlässigkeit, nur hin-
weg / zur kasse, und die agb, die du umschiffst, zimperlich,
schaffst das nicht. oder anders: du nimmst an einem ausflug teil,
hast füße und kiemen, musst laufen und atmen. die blasen. eine
gruppe nadelträger am horizont, undefiniert, wanderst drauf zu,
plötzlich überall lämmer. fleck in der landschaft, nein, mehrere,
wer hat die da hingemacht. ausflüchte, flossenschlag. und das
hätte doch spross sein können: kreuzung fremder arten, das
ganze kognitive potenzial. talentschmiede, heißes eisen. musst
nur den mund aufmachen, willst du was sagen. hände falten,
wenns soweit ist, nicht schlucken, kein nachgeschmack.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

kapitulation

drähte spulen zwischen den blicken
die feuchten gräser ab
übergehalfterte stauden
schauen mit blütigen augen ins land

das sollte in vasen stehen sichtbar
ausschlagen an allen ecken
fehlen glaser (zufall?)
die raben verschweigen etwas
entscheidendes

gespenstische maschine:
die fahrigen züge der landschaft der raps
versprüht in himmelsrichtung
mit geschlossenen augen

dass bloß summen auf den spulen bleibt
ein schäferhund nachdenkt vorm leeren ast
und die blitzer in sicherheitswesten
seufzen hinter der scheibe

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 10 Kommentare

[die infektion des raumes zwischen den präsenzen]

doch als die horizontlinie knoten schlug
graue geräusche aus ihrer kontur flossen
und eine große klebrigkeit machten“
(Maria Natt)

wundentbrannte, koloniebildende einheiten
entzündeten rudelhygiene
tränendrüsenresistent gestreckte streitigkeiten
durch unzählige nasen/ohrenpartien verwanzt
unter den kernfarben des kollektiven chamäleons
entkeimten den mottenkisten stechtiere
die geteilte krankenakte, legte notaufnahme brach
humantoxische behandlung von schlecht heilenden wunden
oder fußpilz, fäulnis und gärung
es wuchs der versuch, sporen keimunfähig zu halten
die sensibilisierung gegen erhöhte allergenexpositionen
bis auf weiteres könnten plasmageräte für den hausgebrauch
desinfizierende tinkturen, salben oder sprays ersetzen
eine in geschenkpapier eingelegte lösung sickert nach
ein körnchen amok für das rückgrat, antiseptisches substrat
für den anfall einer zweckgemeinschaft
wird totes wahlweise lebendiges material
in einen zustand versetzt, den es nicht weiter infizieren kann

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Verlieren Teil V


doch als alle sachen nur noch sachen waren und
die farben (die vorherigen) in die zweisamkeit verfielen
als die horizontlinie knoten schlug graue geräusche
aus ihrer kontur flossen und eine große klebrigkeit
machten dass den scharen an den ufergrenzen die
atmung eindickte ihnen lange bärte wucherten und
sie sich ins gewöll der haldhalden zurückzogen (um
zu sterben) als von norden her gegenstände einfielen
und gegen ihre innere verhärtung anliefen lange rillen
durch alle körper schnitten dass sich stahlpfeiler aus
den knochen schälten die rostverbrämten rippen
bünde mit dem tageslicht schlossen und alles nur
 noch
ein geflecht aus gaspipelines und gesichten war
die schmutzigkeit der maschienenränder tiefe
kerben blindlings in alle minen biss die schmierwülste
der kolben sandige filme aus den lungen speierte
dass ihre züge verrohten und die einste feuchte
niederschlag in den schwefelpfützen gewann die
auf ihrer gelbheit bestanden bis die hummelnden
grillenkörper an den lachen zitterten und die
substanzen um fieber anflehten um die blasen der
rinnsääle aushaltbar zu machen die abwesenheit
der farbe in sich aufzunehmen wie die schwarzen
aggregate die es den sachen nicht gleichtun konnten

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

NEWS: Tristan im Poetenladen

Zweites G13-Mitglied im werten Poetenladen –
und so viel Geflüster muss sein:
Schon bald sinds mehr.

 

Bis dahin: hierhin.

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LESUNG: Bordsteinsurfer IV

Max Czollek & Lutz Schumacher im TIK-Nord. Lutz Steinbrück als Very Special Guest.
Am Sonntag, den 23.10 um 20 Uhr, Riagerstraße 77.


Nach dem Motto „Lyrik wegen Berlin, Babylon & Co.“ gibt es Bordsteinsurfer seit Februar 2010. Neben zwei Gastgebern treten in wechselnder Besetzung Gastlyriker_innen auf. Im vierten Teil kehren wir nun zurück zu unseren Wurzeln und einem Stück G13 Geschichte: das TIK-Nord. Wie zuvor geht es um eine ersprießliche Lesung mit Musik, Text und Papier. Für alle, die schon immer wussten, dass man mit Lyrik auch Spaß haben kann.

Biographien (eigentlich fürs TIK, fand ich aber irgendwie witzig!)
Lutz Steinbrück ist ein junggebliebener End-30er, der mit „Fluchtpunkt:Perspektiven“ (Lunardi, 2008) & „Blickdicht“ (Verlagshaus J.Frank, 2010) zwei Lyrikbände veröffentlicht hat. Für Preise fühlt er sich schon fast zu alt, aber Gedicht-Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften kommen immer wieder vor. Seit 2004 lebt und arbeitet er als Autor, Musiker und Journalist in Berlin. online unter: http://www.belletristik-berlin.de/index.php?id=231

Lutz Schumacher ist bekennender Lutzist, Generalist, Lyrist und Liederist vor allen Dingen Unwiederstehlich. online unter: http://www.myspace.com/lutzschumacher

Max Czollek, geboren 1987 in Berlin. 2009 Gründung des Lyrikzirkels G13 (https://gdreizehn.wordpress.com). Diverse Lesungen, Projekte, Workshops. Gelegentlich auch Studium. Veröffentlichungen in der Belletristik, Poet, Randnummer. online unter: http://www.poetenladen.de/max-czollek.htm

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