Landstreicherlyrik VIII

Der Sommer zieht Linien,
wahlweise
über Felder oder Autobahnen
während ich meine Kreise ziehe,
oder wahlweise
alle Register
just take over this bridge na los
500 km hinter dem Daumen
und noch kein Stück dümmer
ist das nichts?
als wenn dies die letzte Ausfahrt wäre
vor der Dämmerung
mit den Rauchschwaden
von Industriegebieten und
Filterkippen
die machen den Weg auch nicht schneller,
über den Daumen gepeilt
zieht der Sommer bloß Linien
wahlweise
zwischen den Meilensteinen
auf denen ich Kreise zieh

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

Landstreicherlyrik VII

Die Schilder nach Straßburg Nord waren blockiert
die Füße schon etwas verdreht
vom Richtung suchen,
überall die Streikenden
und Papiermüll
hier könnte ich bleiben
zwischen Happy Meal Tüten
und abgelaufenen Fahrplänen
wenn es sie nicht stört Herr Wachtmeister
hier ist mein Visum
ein wenig Spucke im Gepäck
und schon ist das Pflaster nicht mehr ganz so heiß
für Dilettanten wie mich

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Landstreicherlyrik VI

Es ist gleich vier Uhr
und der Kaffee noch nicht getrunken
was heißt das auch,
unter dieser Nachmittagssonne
sind nur Rentner auf Korbstühlen
ich kenne diese Stadt nicht
nur den Gestank aus meinen Stiefeln
auf dem Rathausvorplatz,
und wer würde den nicht gern
zum Kaffee serviert bekommen

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

schließlich küssten sich die Hände und der Tisch
neben den Tellern und dann waren da Augen
die tanzten mit den Tönen im kartierten Mantel
mit dem Etikett ‚verrückt‘ (der Mantel) damit die anderen
ruhig ihr Leben leben können kommen solche Worte
aus den
Mündern
ein Telefon genügt dazu ein Satz das Klingeln dann
Straße, Taxi, Regen und das Etikett ‚du‘ das
dann Krankheit meint jetzt und sowieso

 

Veröffentlicht unter Helene Könau, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

wittgenstein und re-entry

erkenntnisrücksprungstellen an letztelementen wie
gedanken oder zellen und worte im zwischenbereich
der individuen die mit sinn operieren und schaubildern
in form von welt gegossen aus der kategorie alles
engere horizonte schnallen und mit content beschriftet begehbarkeit schaffen
irgendwas ist da draussen aus verschiedenen gründen oder nichts im aussen
auf ähnlicher basis das gefühl der jeweiligen jahreszeit in epidermisnähe
in zugehörigen kanälen aufgestellte weltausschnitte entspiegelte pupillenreize
over the top aufgenommen auf tape veraltet
autopoietische waschmaschinenelemente mit ähnlichkeit
zur faltwand zwischen dir und mir kognitive systeme mit körperbedarf
prognostizierbar worüber nichts zu sagen ist

ist nicht zu denken unter gewissen humanstandards
brichst du deinen abmachungsteil unseres schweigens einspruch
bleibt möglich mit oder ohne sicherheitslücke auch
für die einzelakteure des konstrukts

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Gestrandet

GESTRANDET
Vielleicht ist es das
gestrandet an den Bordsteinkanten dieser zu späten Nacht
an den versandeten Uferzonen längst verebbter Euphorien
nagt meine Gischt an Rinnsteinen
NICHT HINSEHEN
auf die Welle hinter der nächsten Hausecke
da warten auch nur Spätkäufe und Bier
warten auf Flut warten auf
Abwarten und Bier trinken
Bier trinken ist wie Mantras beten
NICHT HINSEHEN
auf den Wasserstreifen zwischen Kneipe und U-bahn
der könnte gefährlich werden
ich hab Schnaps im Kopf und
brauche mehr Luft zwischen meinen Kiemen
so fühlt es sich an
GESTRANDET
Ich bin einsam und am Meer
die Welt zieht Schlieren auf den Straßen
wären die jetzt nass
ich wäre glücklich
Bier trinken ist wie Mantras beten
wären diese Straßen nass
ich wäre glücklich
Bier trinken ist wie Mantras beten
wären diese Straßen nass
ich wäre glücklich

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

sojus / troubadour

wir haben alles freigelassen auf der türschwelle heute nacht
wir haben die verschlüsse geöffnet die gürtel gegurtet
ich bin nicht vorbereitet gewesen auf deinen geruch

unsere sprünge gehen in halben umlaufbahnen
von einem falschen lampion zum nächsten
mit geduckten tieren am straßenrand und der scheisse von wolken in deinem bart

was kann ich noch sagen?
du bist mir zugefallen wie ein gewitter aus punktwolken
man sollte die koordinaten deiner wangen ins all weitergeben ja

ich klatsche für dein schweres atmen deine schuhe
was du gemacht hast mit meinem gesicht was da sagen
du hallelujah aus dem mund eines okapi

dein schal ist so lang wie die straße und so lang werde ich springen
mit der wackelnden kamera und einer ausgetretenen kippe im mund
und dann zum friedhof und lauschen bei den ferngesprächen

im teleshop wo die fahnen wehen am rand auf der straße
und ich kann mein schweigen nicht mehr halten die sterne nehmen überhand
in einer kneipe küssen dich ein arbeiter und seine frau

und du trägst eine oper aus gerüchen auf dem kopf ich schreibe:
du bist mir zugefallen wie ein gewitter aus punktwolken
schuld sind verdrehte galaxien und fernmasten

zwei drei falsch berechnete krümmungen im kopf

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

(indes leicht überarbeitet)

kalk war es gewesen, kalt, denn immer wenn ich ab-
spalt suchte, ergingst du dich in varianten: der abend-
überlieferung, handschriftlich ungesichert, oder: nur
im äußern unter fittiche genommen, außerdem vor

dächer, und hintertüren, ränke und spiele sine qua
non, obschon: du zogst die waffe aus und daher rühr-
te auch das missverständnis: ich verstand waffel, du,
dass ich einen an ihr hätte und was denn, darüber hinaus.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

to: singapur

schwankende stunden
als hätte einer
meine decke verschifft
im herbstblattmassaker die straßen
waren noch nie so überflutet

ich kaufe in läden
kuchen und salzfisch

die ganze helligkeit ist
zu früh für den abend
der in briefkästen wartet

man hängt in einem treibnetz
die hände an der kaffeetasse
meiner dunkelheit to go

Veröffentlicht unter Max Czollek | Verschlagwortet mit | 10 Kommentare

BILD: Can bei Kreuzwort

Kreuzwort vom 11. 10. 10.

Veröffentlicht unter PRESSE & BILDER | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar