der tiger tritt in das gebäude ein

und wenn die wände eben dreckig werden,
dann muss man sie eben nochmal streichen.
die krawatte tritt in die stiefel, in die wanne,
die robbe tritt ins tigergehege, die pedale
treten in den werkzeugkasten ein, die nato
geht ins bad, kickt die dame eine sanduhr um,
es reicht, rufen alle, es reicht, es reicht! und
reicht es nicht auch? das fahrrad kommt
ins museum, die krebse treten den himmel
ein, sie werden aber behandelt, der himmel
tritt neben die türkei, tritt ins fernseher ein,
je nach alter ein hakenkreuz, die mutter, die
wunde, die geballte faust, verlässt den raum
der gerechtigkeit, die gerechtigkeit verlässt
das gebäude, der krebs tritt ein, die feuerwehr
verlassen das gebäude, es ist ein melodischer
anlass, der manche halbtot zurücklässt, ein
sehr melancholischer bräutigam, nicht? die
einbahnstraße tritt in das regelboot ein, in das
große jahrestag, das dreißigste jahr, die pflaumen
sind ganz schön, die müdigkeit tritt in den himmel
zurück, gegen den kompass, der kompass, es schneit.
und gott liebt mich. heute ist mein geburtstag.
das containerschiff schlägt sich durch, tritt in
das gebäude ein, der tiger tritt in das gebäude ein.

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speichel. wägen. seicht.

ich liege mit einer geschwindigkeit von pro stunde, die früchte
müssen im fallen den herbst treffen, vom brunnen fliegen unent-
wegt die vögel, kühne verhältnisse: telegraphische wucht, die
vögel unentwegt auf. ballungsräume geben abendprogramm,
zuschauer spielen sich, was ihnen zukommt. die farben rollen

am himmel hinab. wir sagen manchmal, wir spüren das kräuter-
blut im kraut. es gehört dazu, die anderen für ein bisschen blöd
zu halten. nackte frauen und dämonen in fassaden gemeißelt, die
häuser sollen ihnen gesicht geben. diese werbung regelt ja jede
bewegung, das zupfen vom schopf, jeden speicheltropfen. ohne

türme wäre diese arbeit nicht zu bewältigen, sie rennen in die
türme hinauf und sie schauen auf das volk, plötzlich werden
strände frei geschabt. sätze können fallen wie gurken brechen,
diese bitten bleiben mir feucht am hals, habe ich gehört. juckreiz
außerhalb des körpers, falsche anordnung der straßen, woran er-

kenne ich eine situation? volles blickfeld, vermag zu wippen,
kuppeln quellen aus den flächen, aber nicht doch die verwandten
auch, ich verweigere mich bestimmten aussagen, verweigere
versuchsweise die aussage: kalte nocken lutschen bei gewitter,
frugal in die sprossen. ich mache so meine beobachtungen.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Hinterlasse einen Kommentar

LESUNGEN mit Rike, Linus und Tristan

Zwei wirklich schöne Lesungen stehen an:

Am Freitag geht Neuköllns neue Lesereihe Kabeljau & Dorsch in die dritte Runde. Es lesen: Lilian Peter, Florian Wacker, Ellen Wesemüller, Andreas Bülhoff und Tristan, der neues Material im Gepäck hat. Pünktlich um 20 Uhr geht’s los im „Gelegenheiten“, Weserstraße 50.

Am Samstag dann heißt es in der Literaturwerkstatt Berlin: „Junge Verlage stellen sich vor“, und zwar so ziemlich alle unsere Lieblingsverlage. Versteht sich von selbst, dass deshalb auch viele tolle Autor_innen lesen. Und wir wiederum freuen uns, das kookbooks-Aufgebot zu stellen: Rike, Linus und Tristan lesen irgendwann nach 22 Uhr. Los geht’s bereits um 16 Uhr.

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Rike im Deutschlandradio Kultur

Am 23.08 hat Rike ein langes Interview für das Deutschlandradio Kultur im Rahmen des Lyriksommers gegeben. Zentrales Thema ist G13 und das kollektive Schreiben. Auch die Funktion des Autors und Fragen materieller Selbsterhaltung wurden diskutiert. In der Mitte der Aufnahme liest Rike dann sogar einen eigenen Text, den nur findet, wer sich den Mitschnitt vollständig anhört. Es lohnt sich also in jedem Fall:

 

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[man erkennt ihn leicht auf standbildern]

ein flackern, nervöses licht in stand-by. auf dem sofa erkennt ein
protagonist den ausdrücklichen trost von gegenständen: ihre
alternativlose loyalität in wohnungen, wo man sie aus schachteln
holt, ding um den gegenstand herum, das ein möglichst dünner
rand ist, wie bei guter pizza (aber auch die kommt in schachteln).
in solchen räumen ist man weder hilflos noch handlungsfähig, das ist
eine andere frage. vom protagonisten sieht man nur, was wichtig ist:
hände, die auspacken. weil das sicherste versteck an der oberfläche liegt,
finden sie nichts. die wirklichkeit begreift sich dort als ablageoption,
als möglichkeit eines frühstücks, das der protagonist erstmal stehen lässt.

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PUBLIKATION: G13-Cut in der Bella Triste 36

1012825_381776088589638_105402407_n Jede Bella Triste enthält einen „Cut“, in dem eine Redaktorin oder ein Redaktor Material eines Autors oder eine Autorin collagiert. Bei uns war das anders: Auf die Bitte hin, selbst einen Cut zu verfassen, entstand unser erster kollektiv verfasster Text, der teilweise zwar auf schon vorhandene Texte zurückgegriffen hat, diese aber sowohl bearbeitet, als auch viel Neues hat einfließen lassen. Unsere Freude darüber wollen wir nicht verbergen und schon mal ankündigen, dass „das war absicht“ ein Vorgeschmack auf unsere nächste größere Publikation in wenigen Monaten ist, die wir ebenfalls kollektiv verfasst haben und auf unserer vierten Lesetour im Oktober präsentieren werden.

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Renaissance

I

Ein schöner dicker Mann, von Kindern
ausgemalter Buchstabe, solange er steht,
nimmt er einen Apfel in die Hand,
erscheint die ganze Arbeit, die zu seiner Erzeugung
notwendig war. Die alltäglichsten Gesten
der Pflanzen machen uns mit einem Mal reizbar.
Und siehe: auch er er umfährt, wie wir es tun,
die Lippen. Schon stehen wir im Slalom, schon fängt
eine Drüse zu zischen an.

II

Das Köpfchen kriegt Flügel und schmeißt sich herum,
die Frauen stemmen die Felsen beiseite –
Triebe und Vakuum, dass Jauchzer entweichen,
Dem entlegenen Feldherren Stöhnen, ein Stöhnen und Druck.
Dass Männer gehen würden am Pier, vor einem
Laden die Kamera halten, stramm
in die eigene braune Tüte Papier,
in einer so schwindelnden Stadt.

Würden. Und der Turm blinzelt.

Grinst ein Junge, er schwenkt wie verrückt
eine Fahne, sein langes Banner. Die Pausendose ähnelt
ganz plötzlich dem Dom, der in der Ferne blitzt.
Noch einmal durchs süße Gestrüpp,
schon bei Schritt eins fühlt die Berührung
im Rücken sich irgendwie ewig an.
Wir werden in den dunklen Räumen
immer wieder glücklich sein.

III

Die Muttergottes geht zeitig ins Bett,
zwei Frühchen und Vögel, sie essen die kleineren
Äpfel, schlackern die Köpfe nach links. Flüsterte
der Walkman vom Abzug: Schmiegen. Sie trug
den Topf als Helm auf dem Kopf. Die Köpfe
mit weißen Lippen, Lupinen, der Lohn kommt morgen.
Hinten beginnt die Ausrottung des Wassers.

Eine weiche, mongolische Zeit. Ich habe früher
die Zeichen gelesen, das ist aber jetzt vorbei.
„Ungewöhnlich“, sagt sie, „lass mal sehen“.
Ich grinse, biete ganz unpassend Trauben an.
Die heiße Luft aus ihrem Mund. Wo sie schläft
hängt ein Foto der anrollenden Welle. Trophäe,
war ich schön für. Aber dann nicht mehr.

Veröffentlicht unter Linus Westheuser | 1 Kommentar

[träume, ich könne nicht schlafen]

träume, ich könne nicht schlafen, bin, als ich erwache,
eingenickt. stapel kisten, jede sekunde einzeln auszu-
misten. jemand hat vor mir hier gewohnt. es dauert
stunden, seine aussicht von den fenstern zu wischen.
papa zu sagen, mama zu grüßen. mein gesenkter blick,
keine sorge, ist keine scham, hat was mit der position
der webcam zu tun. zwischenlager fürs nimmermüde
kindchenschema, in dem ich seit tagen a) stehe und
b) stillleben male. hier z.b. sieht man einen strauß aus
strukturen. paste da hinten. meine entscheidung, sind
die wände weiß, geht das handy kaputt, ist alles vorbei.
ich schließ den fernseher an, auf arte paaren sich zwei
seltene tiere. der kameramann hat das gut gemacht.

Veröffentlicht unter Lea Schneider, Tristan Marquardt | 9 Kommentare

(ohne titel)

eine flasche in den händen, ja
nach den schiffen zu schauen

im treibholz das überwintern
erwartbarer kunstgriffe nass-

bauten die wir bewohnen bis
wieder das altern am morgen

ausgeräumtes inventar all die
zerstörten glasmöbel, wolken

klamme flagge im wachraum
überlandleitungen vom meer

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | 1 Kommentar

REZENSION „Druckkammern“ in der Zwischenwelt 30

„Ist sie noch immer sichtbar, die untrügliche Spur? Liest einer noch den Schatten der Halme? Was wird er sehen, wenn er den Weg durchs Gelände nimmt? An einer Wand die Schrift? Unter dem Pflaster das Gras? Natur hat kein Gedächtnis, das kann man wissen. Gedenken und Gedanken liegen ihr fern. Erst der Blick in die Geschichte macht die Narben offenbar. […] Schon im Titel seines Erstlings, „Druckkammern“, macht einer der Jüngsten deutlich, daß er Anlaß und Willen hat, nicht auszuweichen, sondern der Spur zu folgen. Der Druck ist ja spürbar vorhanden, und er kommt von den Kammern her. […] Damit erinnert der Autor an etwas, was leicht vergessen wird, wo man sich bloß der Erinnerung hingibt. Die Spur ist untrüglich, wenn man die Spuren nicht verwischt“

Bereits vor einigen Monaten erschien eine Rezension zu Czollek’s Druckkammern in der Zwischenwelt, der Zeitschrift der Theodor Kramer Gesellschaft. Verfasst von Matthias Fallenstein ist der Artikel leider nicht online zu finden. Ein Blick in die Zeitschrift lohnt sich aber, schon allein für dieses wundervolle Ende:

„Ich stelle mir einen sehr alt gewordenen Theodor Kramer vor, dem, nachdem er beschlossen hat, selbst nicht mehr zu schreiben, die Gedichte Max Czolleks in die Hand fallen. Vielleicht würde er anfangs noch ein paar Zweifel hegen. Zu groß der Abstand der Generationen. Abbrechen würde er die Lektüre aber nicht, die Genauigkeit der Bilder würde ihn fesseln. Und spätestens auf Seite 73 (warum, kann man sich fragen, fehlen jetzt plötzlich die Seitenzahlen?), wenn kurz vor dem Ende des Buches Moyshe Leyb Halpern auftritt, der jiddische Dichter, der „in die städte gekommen“ ist, nach Wien und New York, um „als fremder sich auftrieb zu / suchen“, Moyshe Leyb Halpern, „grün und glücklos durch / den boden einer flasche“ blickend, „moyshe leyb / den rauschen macht / die angst im glas“: spätestens hier würde der uralte Dichter vielleicht vor sich hinmurmeln: ja, wenn ich jung wäre… Gras, auseinandergeschrieben. Die Spur liegt frei, sie ist untrüglich. Nichts, nichts ist verloren.“

Veröffentlicht unter PRESSE & BILDER | Hinterlasse einen Kommentar