[träumerei in hellblau]

dicke luft in der landschaft, strommasten
füllen den schönsten zenit. windstärke? drei.
denkst das wetter, wie immer, mimöschen,
fühlt sich so schwach. all die hochhäuser,
schwimmer in dünnen hosen am see.
und weiter drin in der stadt zeig die stelle
am ellenbogen, wos mit uns hingeht.
was das denn soll, dieses wir vorzubringen,
eine kerze, dicht vors gesicht.
fahr zwischen die finger. rückbildung. ringe.
stehen sie zu nah? stehen ohne geräusch.
web deinen ehrgeiz in türme aus stahl.
und denk an die flauten, bitte, die sinken
verzeichne ihr hellblau, die rotierenden parks.

(mit georg heym)

Veröffentlicht unter Friederike Scheffler | 3 Kommentare

[stößt mit dem queue]

stößt mit dem queue gegen greifbares, rundes,
die kugel zittert, bis sie passt. im rückblick fast
wie von allein. hast dich dem spieltrieb hingegeben,
trotz bestem gewissen, theorie. prüfst deine bahn,
als sich was auftut, das nicht verworfen werden kann.
langst mit zwei fingern: hellgrünes filz. küsst jede kante,
fürs eigene glück. prüfst den abdruck derer, die vor dir
da waren. ständig verwechselst du taktik und handschuh.
puder. schielst und siehst: dein gegenüber zieht mit.
zufall? übermut? setzt nochmal an, wie zum letzten
protest. verlierst dich, und genießt das mächtig. später
wirst du behaupten, es lag am dämmrigen licht.

Veröffentlicht unter Friederike Scheffler | Hinterlasse einen Kommentar

aus dem zug

tiere in gefleckten ganzkörperanzügen
trinken sternbilder aus tümpeln lächeln
tischnachbaren in den händen proviant

ich spüre deutlich: alle salamibrötchen
der republik sehen mich an mit weißen
fettaugen von denen ich eines tausche

und plötzlich marschiert ein wald auf
mit wurzeln die in das erdreich greifen
wie zeigefinger durch diese geschichte:

eine kuh wird nervös auf dem holzsteg
zur melkmaschine verrutscht eine zunge
man bedenke bloß mal diese bremskraft

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | 23 Kommentare

stumpf.trott.schotter.

man möchte dem obststand
mienenspiel angedeihen lassen,
stattdessen wächst der müll
im hof und die milieustudie

wird zur kaffeefahrt, im grunde
knapp verpasst. wie siehst du
das: wenn der mittagstisch,
die nachspeise mal beflügelt

beiseite geschoben, beginnt,
ansprüche an dich zu stellen.
wenn die abreise so etwas ein-
führt wie wespen im strumpf,

nur offiziell unterzeichnet,
wenn und wir kommen in die
engere auswahl, der geist des
leichten jammers zu gram

übergeht und der grad der
verständidung mit der eigenen
bedürftigkeit in bezug auf,
sagen wir, späte tonscherben.

Veröffentlicht unter Ilja Winther | Hinterlasse einen Kommentar

LESUNG: Marquardt & Schmid in München

Die eine oder der andere haben es schon zwitschern gehört: Da tut sich was in der noch nicht vorhandenen jungen Münchner Lyrikszene. Walter Fabian Schmid und Tristan Marquardt veranstalten ab Juni eine Lesereihe für neue Lyrik mit je drei Gästen: MEINE DREI LYRISCHEN ICHS. Auf dass da was wachse. Dass die beiden auch selbst schreiben, ist nichts Neues, wohl aber, dass sie zusammen lesen. Und zwar zum ersten Mal diesen Sonntag, 13. 5., um 18 Uhr im Rahmen einer Ausstellung im Salon Lo Zoo. Herzliche Einladung!

Veröffentlicht unter LESUNGEN, Tristan Marquardt | Hinterlasse einen Kommentar

[tatlin]

tatlin, eine woche in der alles wehtut. alles einmal
angeschlagene trägt. wenn man wartet unterm lichtfeld,
bei einer wasserwand versteckt in der art, könnte man sagen
wir fälschen athen oder sparta. avantgardisten sind shootingstars,
sich schnell verbrennende visionäre. kochlöffel in männerpullis,
in frauenpullis. was bleibt. subversion kommt von silbernen fischen
im bad, ich hab da inzwischen nicht mehr so hohe ansprüche. türmen,
schmerzen, ein zweites mal woanders suchen, ich danke dir. tatlin.
kleine ente mit revolver voll glück. elf minuten einer rakete zuschauen,
dann dreht das boot zum hafen zurück. wie stückweise licht im koffer,
egal ob du das warst oder jemand anders. weiter. alles in trümmer
gerafft, ein billiges frühstück im hagel, von oben nach oben
zurück. durch die zufallswolken, die über die erde spuren.
und kaum sind wir draußen, bricht ein schlingern
in meine wohnung ein gefühl von zeit.

Veröffentlicht unter Linus Westheuser | 7 Kommentare

[schließ die schädeldecke atme]

in meinem kopf spielen die sieben welten wunder versenken
später kurze luftraumlücken ich wende alle blätter

an den bäumen schließ die schädeldecke atme
karabinerhaken lautsprecher hängen in wipfeln

und sprechen laut: ich möchte hier geschichten abgeben
es waren einmal übergänge nächste ausstiege du hattest

das sonnige gesicht von menschen auf bierbänken
wenn ich nicht aufpasse ordnen sich kriege tabellarisch

dann kentern regime im abfluss die zeit ist eine wechselstube
für minuten abends wenn alles überstanden ist sitze ich im café

lese passanten den wasserstand ihrer augen ab

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 6 Kommentare

[verrat sie nicht]

verrat sie nicht, sie stoßen auf
wenn niemand hinguckt geraderaus
von ihren balkonen tropfts
ein ziegenbart, akkordeon
schweiß auf die abendlichen, zum glück
hält haut ihre knöchel halb beisammen
wenn sie unten leckt am grund
noch einmal den mundstand entspannt
bleibt etwas an der lippe kleben
zögert die zunge, feuert es aus ihr heraus
bodenständer all die anderen, gemütliche
erdäpfel, rohkostbesonnen
spargelkind, verrat sie nicht, bist unverdaulich
meinst sie säßen durchgekäut
im synaptischen jedes kuhauges
gib ihnen, ab und an, einen handkuss der trägt
setzt zusammen, gestatte gesten, feinstaub
witzel kleine fee, ein gemäßigtes summen, gelbwut
angefixt verdrehst du deinen händedruck, riechst luft
die gewitterfliegen sind stolz, ihr lächelt klug

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | 1 Kommentar

„Druckkammern“ in der Literaturwerkstatt Berlin

Ein Mitschnitt der Präsentation in der Literaturwerkstatt Berlin vom 18.4.12

Veröffentlicht unter LESUNGEN, Max Czollek, PUBLIKATIONEN, TEXTE | 3 Kommentare

LESUNG: G13 – Das Tourprogramm. Lyrik & Musik in der Lettrétage.

Endlich steht G13 wieder gemeinsam auf der Bühne, diesmal begleitet von Elogios und Cantica des Gitarristen Julius Helm. Zurück von einer zweiten Tour durch Süddeutschland und die Schweiz zeigen wir diesen Samstag um 19:30 Uhr in der Lettrétage den Berlinern, was wir mitgebracht haben: Eine Lesung, die sanft verstört und am Ende alle Träume zu 40% wieder zusammenflickt.

Es lesen: Tabea Xenia Magyar, Lea Schneider, Can Pestanli, Tristan Marquardt, Rike Scheffler, Max Czollek, Rebecca Ciesielski, Linus Westheuser und Ilja Winther.

Musik von Julius Helm: www.bogomilen.de

Samstag, den 5. Mai, 19:30 Uhr, in der Lettrétage, www.lettretage.de , Methfesselstraße 23-25, 10965 Berlin-Kreuzberg (U6/U7 Mehringdamm oder U6 Platz der Luftbrücke)

Eintritt 5 /erm. 4 €.

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