LESUNG: Rike, Linus und Lea bei Wortwuchs

Spontane Einladung: Heute feiert das Wortwuchs-Magazin das Erscheinen seiner siebten Ausgabe. Dazu gibts eine Release-Lesung mit den AutorInnen der neuen Ausgabe (Rike Scheffler, Lea Schneider, Anja Kampmann, Sandra Gugić, Niklas Lem Niskate, Linus Westheuser, Kathrin Bach, Robert L. Loth), und, laut Terminankündigung, „dem ein oder anderen Bier in Anschluss“. Lauter gute Gründe also, am 2. Mai (heute!) um 20 Uhr in der Lettrétage Kreuzberg vorbeizuschauen – wir freuen uns!

Mehr Infos und die offizielle Ankündigung gibts hier und hier.

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(vorerst ohne titel)

sagst: schwalbenfutter, autarkie der wanderer.
du, diese dick aufgetragene idylle
wolkenloser fettrand der ortsausfahrt.
denkst: heimatdichtung denkst: amboss
denkst ohne steine flössen die münder aller wilden zum bach.
etwas ohne melodie passierte die schranken
kroch dir im nacken sieben weltmeere zur brust
du, der einzige strauch dieser lichtung
reißt ihn heraus, kaust die wurzel, hast durst

Veröffentlicht unter Maria Natt | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

barcelona II

hätten wir ein café, sagst du
wir malten täglich einen ring
auf gefaltete besucherrücken

erfänden gespräche als form
der therapie wir säßen dazu
in zwei großen ohrensesseln

mit der weisheit der möwen
fühlten wir uns wie besucher
du meinst, das würde helfen

nicht der illusion zu erliegen
wir hätten uns als szene unter
laternen oder laken etabliert

(für Corinne)

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | 1 Kommentar

Mildura

ich setzte mir diesen ort auf wie einen hut
die hitze machte rosinen in den taschen
stellte im feld die farmer in ihren zwirn
wohl temperiert die geister in laken gehüllt
einer vertraute mir seine an
die ich bereits aufschrieb als er noch gärte

hier stickt man trauben von unten an die reben
es stimmt ich war frei wie ein kranich
und grad sehr südlich nur nachts
wenn ich einen sack für meinen kompass häkelte
lagen sie im schoß ihrer grossmütter und hoben die gläser
auf den wein auf die freiheit auf sklaverei

manchmal zog ich mich aus ihnen leere zu zeigen
meistens zogen sie mich aus donnerstag zahltag
ständig hatten die wochen laufmaschen
die keiner aufnahm sie blieben liegen
stattdessen zog ich rispen durch ösen
stach nadeln in jede einzelne traube gähnte

und die sonne gähnte mit zählte
knöpfe am saum zog sie auf leisten
allmählich schusterte man meinen abgang
zurrte die stränge noch einmal fester
ölte die alten peitschen erneut

ich packe meinen koffer und nehme mit
meine hosentaschen, eine handvoll rosinen

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | 2 Kommentare

fortitude valley

ein blankpolierter morgen
am bettdeckensaum
dämmern beine
in postkartenmanier verkürzt

etwas daneben erwacht
barfüßig auf schwarzen karos
kaffee in geöffnete schränke
ordinäres marmeladentoast

fächer des gesichts gegenüber
das schachfeld zugrunde
ein rest unter den nägeln und
in der kehle kleben spuren

einen atem in die luft gestellt
zwei wimpern in die spüle
die zugezogene tür
von sehr weit draußen

Veröffentlicht unter Nele Wolter | 1 Kommentar
grauer sagst du 
kann PVC kaum sein

doch wir sind seemannsgarn
türmen als inseln auf
und unsere suche strandet
im muster der sitze

nimm dein fernrohr freitag 
nach 364 tagen bleibt noch
ein dreiviertel schiffbruch
am ende der üblichen bahnsteige

berechne die route neu
was zählt ist draußen
häuserwände navigaten
drinnen nur dämpfe

stinkt einer nach rauch
nehm ich sein ja

 

Erstellt am von Nele Wolter | 1 Kommentar

Byron Bay

ein sandkuchen wie samt
auf angefangenen spielen
schwüle wuchert in kakteen

da draußen gilt ein horizont
als bewiesen vermutlich
vor anker eine kleine realität

im radio langweilen
sich die anderen länder
suchen liegen im weg

tage ziehen pilze leuchten nachts
mit blumen auf den großen zehen
gründlich geleckte wunden

hier kopulieren die palmen
das meer erbricht schamhaar
schürft die alte haut aus dem sommer

der sich über den nächsten schiebt
bald schon bewegt man sich anders
mehr seitwärts, mehr wie ein krebs

Veröffentlicht unter Nele Wolter | 3 Kommentare

[keine berge, saum]

keine berge, saum. lose kombo aus pflastern. hast dir die
finger aus dem leib geschrien, flugschneise, nun ja, für
die andacht. jeden abend bleiben hier die amseln stehn,
wipfel lassen ihre schatten fallen. dann ist das waldkleid
parka, mit einem trauerflor aus strahlen und wechselt sein
zweites gesicht. bleibt privat, wo du das feld betrittst. wie
die steine sich mausern. hörst das zischen, saum, ein klein-
tier aus asseln, wenn der verkehr sich aus dem verkehr
zieht, zerschneidet eine schere das gebiet. entgliederung
der achsen, nackt unter jacken, die du kaum trägst. zeig
mir die lebenslinie von grasnarben, komm, zeig mir um-
gehung. nur weil du rehe nie siehst, heißt das nicht, dass
sie wachsen. fontanellen am nullpunkt der naht. stopf die
lichtung, aus platzangst, wenn ein webstuhl an dunkelheit
bastelt. punkto dosis der stiche. punkto farbe des garns.

Veröffentlicht unter Tristan Marquardt | 3 Kommentare

BILDER: Tourauftritte in Zürich und Freiburg

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Bilder: Adam Magyar (Zürich), Christian Beller (Freiburg)

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ausweiden.tropfen.kalb.

und das war ihr gutes recht. die ablage
trug schale sowie schüssel, von oben
stürzte die bedienung herein. ausgewei-
dete rehe, gesäugte kälber, der pächter

hing am tropf. nach der entdeckung des
telegraphen kam alles anders. blasmusik
ertönte hin und wieder an feiertagen, aber
das war nicht das entscheidende. jeder

applaus wurde ausgespielt und stürzte
zu den soldaten. die parteiführung hing
am tropf, als die suppe zu spät kam. die
blasmusik, von oben ausgeweidet, säugte

die bedienung während der feiertage. der
klare pächter entdeckte die stellungen, an
denen schüsseln hingen. die kälber waren
entschieden und bezogen schalen. alle

karten waren ausgespielt, da kam der
applaus. die parteiführung bezog zu spät
nicht klar stellung, soldaten erwarteten
suppe, ihr gutes recht. und das während.

Veröffentlicht unter Ilja Winther | Hinterlasse einen Kommentar