unapokalyptisches I

der gegebene fall ist fällig
und scheint noch anzuhalten
aber im garten glucksen die geranien
wenn der frühling kommt
nicht wahr?
eine deutige rechnung
x – haft und fakultativ
schwarz auf weiß
wie lyrik hörst du
para-diesdas
ja da findest du dann alles
was du brauchst
wenn die sonne wieder scheint
fall kennende (vögel)
greifen wolken an –
oh heilige maria gottes!
fugen, spalten, ritzen, rillken,
es wird alles fall
und faul. symbolisch
blatt der mund und leidend reiner
ab und zu ist dieser fall
bestimmt
der fall

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

diese kälte

diese kälte fies und ungewohnt und ungeahnt
dem verbannungsort sibirien um einiges zu nah
wer wird hier und überhaupt wohin verbannt
ist nicht nur der name noch von alters her genannt

himmelweites alter hält der wind und vieles mehr
wenn er lippen spaltet zu dem längs auch etwas quer
so denn alles abgefallen tote samt der kälte führt
dies zur frage ob das alles jemals wieder leben wird

längst schon sagen lippen hierzu unter viel geheiß
das mit der verbannung sei doch nichts als ein verweis
dass sie dabei eigenes unwissen wenig vorteilhaft
präsentieren hat sibirien erst wieder so prekär gemacht

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

8-bit-symphonie

das ist das ende der schatzkarten
schreist du in eine faschingskiste
ohne doppelten boden
eine augenklappe übergezogen
und nimmst mich lachend
auf ein früheres meer

wo leuchttürme unsere körper
und wir die pixel
unserer gesichtsgrammatik
eingehend studieren

liebe elaine marley ich will
dir ein geständnis machen
weil es noch lang ist
bis zum festland
und die sonne schon jetzt
meine kopfhaut wellt:

ich habe dir eine 8-bit-symphonie
komponiert ein paar zeilen dazu
und programmiere diese woche
noch eine hängematte für zwei

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

mach die kühlschranktür zu

mach die kühlschranktür zu es wird kalt
sonst zu sehr vielleicht um noch eine
weile zu bleiben eine wenigstens müsste
sich noch füllen lassen mit unseren resten
von bier im flaschenhals schon das erste
kratzen einer beginnenden erkältung nur
von innerhalb denn draußen hat das tauen
schon begonnen unser schmelzen in die
überreste hinein wird letztlich dazu führen

dass wir die flaschen bewohnen wie müde
geister die es nicht mehr nach hause geschafft
und sich ein glasiges bett neben kaffeedosen
gebaut haben mal sehen ob die morgen früh
aufwachen vermutlich nicht vermutlich eher
später oder im überrestfall auch gar nicht mehr
aber für sowas ist es jetzt wirklich zu spät und
es wäre jedenfalls schön wenn du den kühlschrank
zumachen könntest bevor du schlafen gehst

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

rollkragen


wir sehen uns den zirkus an,
nicht weil wir den zirkus
sondern weil wir das sehen gewöhnt sind

I.
was müssen das für bäume sein?

zu beginn die landschaft durchplant
den kartographen unter vertrag also
satelliten in stellung gebracht
mit einer militanten metapher
lyrische schrapnelle sozusagen
kanonen gegen eine herde
elephanten mit rollkragen

II.
ich höre einer flöte fernes sehnen
im schwarzen loorbeer lacht ein faun

kommt freunde! noch ist es nicht zu spät
sich ein segel aus der redundanz zu knüpfen
und obwohl wir nicht mehr die kraft besitzen
die einst george vor den winden her trieb
so sind wir dennoch, was wir sind;
noch immer helden, die wie kolumbus
vor amerika treiben also indien
wir pflanzten uns einen wald
aus eichenworten diachron:
flöte sehnen faun & loorbeer

III.
keine alternative auf der sternburg

den schwarzen kapuzenpulli übergezogen
die dunkelheit und du eine kreuznaht
geknüpft zwischen straßenlaternen
kegelgeister mit metallhälsen

von der faust zum innenraum
scheppert deine weltverglasung
5mm hornhaut mit einem rüsselhals
auf dem ein gänzlich unbegabter faun
trompete übt

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

verifikation in d-dur. der schwan, makulatur des unter-
gangs, fand unterschlupf im aufgesang. quasi botnang
als botengang: hier wird höheres vermittelt. was schrieb
im geiste der musik. berechtigung durch nächtliche

umnächtigung. dann ward der diskurs zum diskus: je-
der sprechzusammhang zum großen wurf: ich singe im
geiste der dinge. ich enthebe ihr sein. betätigung: maul-
wurf. ziel: mit klauen auf zum marxschen unterbau. denn

im grunde ist alles kultur. inkl. reim-struktur. so auch
botnang als botengang. paris als parasit und paradies
(ron winkler). sowie das rück-erlangen von klang im hin-

blick auf den abgesang. was schließlich hieß: man könne
von glück reden, dass man von glück reden könne. ent-
hebe. von und mit gespitzter mine. kadenz. da capo al fine.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

elegie vom trüben sonntag

erstes augenklappen notizlos
die antwort loser gedanken
im hinterkopf und dumpf

kochst du dir was heißes
wäschst weißgold von der zunge
die sich langsam motorisiert
und alle missed calls
vom display leckt

der rest bleibt waagerecht
die erste zigarette nahezu
nahtlos der übergang

zu dieser müden sonne
die jetzt schon fast
das ganze zimmer vermessen
hat und keine nachricht
auf die kissen schrieb

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

imprimatur, zu hören (ja, ‚es sei gedruckt’) und
ausdrücklich: ohren, gehorchen, oder: oben
ofterdings wolken, unten der boden, der tat-
sachen, und entzwischen zungen, unsere,
explizit geworden.

aussprache als eher ausordnung: (etwa) ob
komplize von kompliziert kommt, ob man im innern ex-
istieren kann, – und ausdrücklich, vegetativ –, oder:
aus äußern insistieren, explizit explizieren, intim oder
imprim?

und in erinnerung: zungen, die wie
ohren wolken sind, komplizieren (zu
komplizen werden), des bodenlosen, ex-
istieren, (oder insis-, in sich) intim
werden, und imprimatur.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Der zweite große wurf

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Der erste große wurf

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar