tagelang (nächtelos)

tagelang (nächtelos) wolltest du mir erklären,
dass du existierst, tagelang (nächtelos)
schlief ich in deinen erklärungen und
schlug schließlich vor, wenigstens 100g resignation
abzuwiegen, ein halbes butterpäckchen oder
etwas weniger wäre das gewesen,
und im kühlschrank war platz dafür aber
du wolltest mir zeigen, dass du existierst,
ein bisschen wenigstens: und das lag außerhalb
meiner wohnküche, hinter den waldgrenzen,
zu denen ich nur aus höflichkeit mitkam,
an denen ich betreten stand während
du mir beweisen wolltest, dass du existierst, ausgerechnet
unter lärchen, diesen vogelbäumen im norden eurasiens
und seltener auch amerikas sagte ich aber
wie immer ging es dir ums prinzip und
nicht um die geographie, und darum froren wir
unter lärchen, tagelang (nächtelos).

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

12/09/10, Anatolien

die oliven werden weich es ist
gerade erst sommer geworden
im radio trifft das saxophon
eine note die dich mitsummt

neben dir lacht einer und du
schaltest in den fünften gang
den blick auf der horizontlinie
eine aufgezogene hügelkette

dahinter ist mehr zukunft
als dir brauchbar scheint
eine quietschende ölpresse
leere flaschen für danach

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

jetzt die sache mit dem einstieg sein lassen, auf dass die lücken
klaffen: wunden, überwunden, drastisch, und das etwas zu-
gesteuerte in die richtung unsrer mitte sein lassen, dem gefühlt
schaft-artigen der leiden land schaffen: emo-, sensa- und migra-
ins innere ende des lateins samt schein, etwas unbeholfen zu

sein. zweiter einsatz mit widersprüchlickeit als gewisser prämisse
der sinnlichkeit, sich zu zweit zu wissen/zu müssen, und über-
haupt müßig zu äußern, dass die erinnerung nicht kopflos trost-
sein wird und nicht brotlos kunst, wie das o, im grunde des mun-
des, unter solchen umständen nur -halber einen andren ton haben

kann. aber dann: wissen wir zu fristen, zwischen a und o, als den
ausufernden ausrufen unseres inneren, und immerhin: haben wir
drei mal statt gefunden, waren nicht -lich und sind aus malen der
bewunderung verschwunden, ausgestiegen an der letzten möglich-
keit eines unterschiedes zwischen: verwundung und verwunderung.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

shanghai

ist eine hure sagtest du ich nickte aber
eigentlich meinten wir wohl uns damit
nachts vor den türmen
die mir den kopf nach hinten drückten

bedeutungsschwere subtropen und wir
so substanzlos darin, abgelenkt von farben
die punkt 11 ausgeschaltet wurden
vom dunst vor den fenstern

an besseren tagen weiß
wie hochzeitspaare im park
die ihre fotos wochen zuvor machten
einem aberglauben trotzten, ohne wissen

hätten vielleicht auch manche geister
um ecken gehen können
und die vielen winkel der brücken
wären ganz umsonst gewesen

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 9 Kommentare

(gedicht)

Später (er)stickten die Gesichter (auf)einander die (An)lagen (er)froren (in) die Menschen auf dem Hof zogen (sich) längere Striche (an) Bodenfrost knirschte auf (den) Wegen an Bahngleisen entlang Drahtkreise begrenzten (sie) oder machten den (Ein)druck (durch) die Landschaft zu ziehen wie Kinder(schlitten) aneinander gebunden (ver)fiel schließlich der Tag in (die) Neige nach vorn zum Abend (hin) waren manche Umrisse schon (un)sicherer wie (warmes) Essen das es (nicht) geben wird

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

(überarbeitete version)

immer dem titel nach: moslems, nazis, schnitzel. dreifaltig
erhitzte artikel: die, die, die, und noch nie so viele leser wie
in diesem sommer – hauptsache der sache auf den grund/
magen gehen/schlagen. das so genannte ground-zero-
verfahren. denn auf dem boden der tatsachen wächst
bekanntlich die nahrung. da stopft die causa das loch. z.b.

das und ob man so was bloggen dürfe, mehr bedürfe als da
wäre: +bacon als effizienteste waffe der anti-islam-sphäre.
prinzip anheizen & fleisch zeigen. und: es gebe keinen grund,
hier in der nähe eine moschee zu bauen
. ground zero. wie sagte
doch schon robert de niro: er könne auch ein schnitzel spielen?
recht hat er. link: es steht geschrieben. so wie im grunde

auch das letzte glied im unterbetitelten: denn nazis hätten
auch kein recht, ein schild vor das holocaust-museum zu stellen
,
hätte auch ein recht auf redlichkeit. dass: was auch immer
stimme. mit anspruch auf. meinungsfreiheit. all you can eat.
und/oder mehrdeutigkeit. dass: was auch immer dass heiße,
sich erhitze. in diesem sinne: dass: der text webt. weltweit.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

einzug der einsichten/der städtische umbruch
im bau, etwa: ihr bleibt die maulwürfe und für uns
die körbe. der einsatz des realen tiers. hier: jemand
hat den bau eingerichtet und doch ist nur ein loch
sichtbar. das aber zusehends an sinn gewinnt.
den satz erhöht für freie sicht auf bildungen der

andern art, etwa: der kranich an sich. weckt vorerst
mal gar nichts. und wissen sie warum: der kranich
(grus grus) ist der einzige vertreter aus der familie der
kraniche.
alles weitere setzen wir ins nest. steht fest:
in der dichtung wird der kranich symbolisch für etwas
„erhabenes“ verwendet
. das habe statt. da wären wir:

überhaupt beim überbau. wildem einbilden. und
dem existieren von tieren. oder: investorengerechter
blockbebauung inkl. optionalem luftschloss plus ross.
und doch: den anklängen bleiben wir treu. auszug:
es sei in uns der drang verdrängt zu sagen: betreff:
RESPEKTIERT DEN BAU. anliegend anlagen.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

update (kein titel)

schlaf war es nicht, vielleicht π, im bad, als der unaufhörliche wert einer
ausdrücklichkeit, die nach dem aufstehen aufstand war bestimmt, und
verdeutlicht, sprich: ein deut licht vielleicht, hinterm komma, wo kein
schatten war, nur zahnpasta, bereit, sich darauf einzulassen, was es
heißt, sich ein bad zu nehmen, und was, bei aller voreingenommenheit,

nicht. auch umstände kamen nur gelegentlich zu tragen, bademäntel
und fragezeichen, punktuell. und die umständliche geriebenheit
beim auslass in die trockene verantwortung rieb sich vielleicht nicht
so sehr an den augenblicken vor dem spiegel auf, als an dem, was
dahinter sein konnte, denn: schlaf war es nicht und nicht ich, nur

die ahnung von unaufhörlichen werten der ausdrücklichkeit. so, oder
ungefähr so, dürften sich zielgruppen fühlen nach dem verfehlt sein:
dennoch, namentlich, so getroffen, dass all das, worauf ein morgen
verwies, nicht mehr bestimmbar war, wie das π nicht, und als schei-
dender doppelpunkt vor dem satzbau eines kommenden tages stand:

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

ohne titel (the spanish armada)

am ende haben wir gefrühstückt in einem gefalteten schauer
unterirdisch weit drinnen im august mit seltenem licht und
dem summen eines kühlschranks wir tauchten

immer wieder auf in gesprächen von touristen a lot of growing
has been made on debts
oder figuren aus hartem
kaugummi am boden draußen lehnten noch linden bloß

unsere blicke waren von der autobahn oder
fährschiffen sie landeten wie gelegentlicher abfall in einer
laune einer temperatur zwischen den tassen

bis alles berührt war und wir nicht bleiben konnten
nur geräusche machten wie jemand der keine geräusche machen will
in den hinterhöfen hatte sich der sommer eingenistet

ein langsamer zug fuhr um zehn after the spanish armada
had plundered cornwall they held a mass and then
escaped
das wäre ein besserer anfang gewesen

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

Tel Aviver Elegie

ich habe sehnsucht nach den
regengüssen grauer himmel
die grüntöne tropfen in ritzen
kopfsteinerner straßen wo ich
den parka hochgeschlagen
gesessen habe bis zum kinn
mit einer flasche altem bier
zwischen den schenkeln
das blau meiner hosen

dieses herbstgefühl da alles
langsam endet und die neige
in den gläsern wird so schwer
darin die pegelstände steigen in
die obersten regale wo die röcke
heißer sonnentage lagern –
den arm auf die schulter und
das wenig regenklar im glas
aus dem vollen geschöpft

mein mund weiß sich von
allem bilder zu atmen und
weißes wasser rauch ich in
den duft von straßen die im
schatten fremder häuser sich
träumen die wärme eines müden
sonntagmorgens zweier körper
wachsweiche brötchenwärme
den regen vor dem fenster

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 8 Kommentare