ballade von einem dünnen mann

ei heute geht ein aufschlag aus
von saiten vieler glocken zum empfang
der simse und mmse zu tisch sind wohl überall
die fenster weit gespreizt allein vor meinem
liegen in frieden der hof da und leer die marken-
discounter ein marken-discounter aus
achtlosen angeboten zum wieder geholten mahl

ich springe

immer auf wenn ich den vogel ferne
klingeln höre ach! noch ist noch gar nichts gar
niemals hörst du’s wenn ich am posteingang die schwitzigen
tasten kratze ganz hitzig das zwiebelnde herz zerlegt
zum quellenden zerlaufen:
die uhren die butter die uhren bis ich mich verzehre
und käue und käue ganz zart für dich

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

Wege der Betrachtung

Erneut mich auf der Näherung befindend, in den
Niederungen meines mir Zuhause angeheißenen
Vertrauens- und auch Lieblingsortes, hallt es
plötzlich eindringlich und ich, ich halte inniglich
auf meinem Weg ein Stück weit inne, sehe
wie um mich herum der Angeheißenen noch
weitere, ansonsten so Dazugestoßene es meiner
gleich tun und dazu den eigentlich auf Schultern
gänzlich wohl geruhten Kopf nach hinten in den
Nacken unverständig senken.

So auch ich und wo der Augen schräge Blick
jetzt umwegslos gen Himmel führt, visiert er
gleich die Quelle jenes nachträglich so wenig
nachzuahmenden Gehalls, welche fehlerfrei als
spitzenförmig zu umschreiben wäre, was die
mich Umgebenden nach immerhin noch kurzer
Rast jedoch an keine Nicht-Fortsetzung ihrer
vorbestimmten Wege denken, somit mich allein
nach anderen Betrachtung möglich machenden
Wegen sehnen lässt.

Denn gibt die Form der Spitze, was ihr bildlich
Sein am Himmel oder anders an der Erde anbetrifft,
ja selbst als früher Jäger teuerster Besitz nicht viel
zu denken, drängt sich gleichermaßen der Begriff
des Keiles auf und ließe umgekehrt, wie friedlich,
V wie Vogel sich im fernen Auszug lesen, dann sind
wiederum in Kampfesfragen alles beides Formationen,
wovon Erstere sich auf dem Boden und nur Zweitere
sich in der Luft einnimmt, genau wie jener Auszug
einer Spitze mich für ihn.

Und wenn ich darum nach wie vor nach Wegen
sehne und Geräten forsche, um zu sehen, dann
vielleicht, um mich Umgebende in Gängerzonen
oder Luftraumsphären, die da viel beflogen werden
von hochfliegenden Ballons und rotlackierten Enten
sowie einem niederfrachtenen Rosinenbomber, zu
bewahren vor dem Vogelschlag, der wohl dort oben
niederträchtig immer droht, ja vielleicht auch nur,
um mir die Vögel endlich näher anzusehen, denn
ich finde sie schön.

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

bilder VI

in der betrachtung
schnaubenden schlachtviehs
kein schauder!
keine neugier. algier.
anbei: es handle sich um
mehr als auf wand /
dinglich a line.

geistige kriegsonany (many)
in teurem exhibitio!
das warn noch männer
das war noch manufactum
das merkmalhaft-würdige große
der pinselwürfe würft

dem ross schweiß sowieso. darüber:
das übel lässt die wolken brechen
vielleicht auch ein gewitter
das sich regt. künstler belegt.
der artgenosse gast verharrt vermalt.
wisdom. endlich im wissen um.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

(wieder mit e)

und wieder stetigung tätigen im mundraum jedwelcher gegnung. wir
trafen uns trafen im luftraum bushaltestelle halt. geraumes durch, und
durch standen wir an. so wie geschehn. geschehn, dass passagen pass-
ierten. es ging so weit: samkeit gefeit. und: fühlung / fühlung. fürder-

dings, dass du als individuum durchgingst. station station. mit je-
dem mehrmals sagen gewann das sagen an gewahrn, sich zu bewahr-
heiten. zwei mal im monat skypen rückte mit nur einm ruck in den be-
reich des möglichen. lhasa / kinshasa: verschieden gleiches referenz-

gebiet. wir muteten: es werden irgend teilchen sich bewegen, wörter
werden irgend transportiert. wir siedelten im mundraum wie in nem
chat-bereich: geschlossen zwar, doch offen. gewisses physisches wie
zungenmuskeln war im spiel, doch auch gehörig matik: technisierte

pheromone, wohl emoticons. fremd irgendwie und ungelenk. doch
fehlte besseres behelf. und dann stand plötzlich holung wider holung:
das gefühlte am gefühl. bröckeln punkto echtigkeit. nach möglichkeit
die endstation erreicht. nur ausstieg aus dem ausstieg. da ließen die

alternativen sich an einer hand abzählen: dopplung trotz entkopplung /
mühsam ernährt sich, was sich eicht / auf dass man bis auf weiteres
beim du verbleibt / gesprächsqualität ungut zu beurteilen: quasi qual
/ dem berichtsjahr fehlt der schriftverkehr. alle angaben ohne gewähr.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

die tür ein spalt breit offen
die krümel auf dem boden
wie wir auf dem spielplatz
himmel und hölle
verdanken und sorgen
immer wieder kaffee
die dinge grund und boden
wie brot und spiele
salz in der suppe und bedingen
ich höre auf zu sprechen
wie wir die wolkenbilder
gesetzt und langsam
nun schritte zur
tür eine furche
alles folgerichtig
wie wir ringelrein

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

geige. baum. strahlemax.

hör auf mit befehl
dein bariton sei tief
aus der kehle ich meine seele

spuckt zahnfleisch auf jedes sätze
dass zunge und leid aufeinander treffen
ist eine frage von lunge und zeit

nein licht reißt ein
stottern zu schluchzen auf anlässe
die anfangen gehaben

verzweiflung ist möglich
zwischen modi-shuffle
tanzen wir ziemlich walzer

lustige violinen sind überall aufgehängt
die kann man pflücken wann man will
(you need the blues mit ibsen im schnipsen)

die augen aber machen sich stumm davon
wenn einer in die fidel bläst
und nicht leidet sondern:

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Leas „mach die kühlschranktür zu“ über „Paparazzi“ (Xzibit)

mach die kühlschranktür zu es wird kalt
sonst zu sehr vielleicht um noch eine
weile zu bleiben eine wenigstens müsste
sich noch füllen lassen mit unseren resten
von bier im flaschenhals schon das erste
kratzen einer beginnenden erkältung nur
von innerhalb denn draußen hat das tauen
schon begonnen unser schmelzen in die
überreste hinein wird letztlich dazu führen

dass wir die flaschen bewohnen wie müde
geister die es nicht mehr nach hause geschafft
und sich ein glasiges bett neben kaffeedosen
gebaut haben mal sehen ob die morgen früh
aufwachen vermutlich nicht vermutlich eher
später oder im überrestfall auch gar nicht mehr
aber für sowas ist es jetzt wirklich zu spät und
es wäre jedenfalls schön wenn du den kühlschrank
zumachen könntest bevor du schlafen gehst

Veröffentlicht unter BEATS & ZEILEN | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Marys „gestrandet im niemandsland“ über „Wenn der Vorhang fällt“ (Freundeskreis)

gestrandet im niemandsland
II

dies ist nicht irgendwo nur eine bar
vereinzelt die köpfe das wippen murmeln hinten
schlaglichter von nebenbei besudelung und wundenlecken
um stunden ein bisschen wühlen und suhlen den
nacken einducken und dann ein wenig bleiben noch

ein wenig horten in der wärme noch die körper die
achsen die blicke unverstanden so gewollt
hier drinnen bei fieberträumen und klarsicht
ein bisschen berührung auflauern, vielleicht warten
und später hier ein wenig bleiben noch

im sekundentakt die augen die paare
in den gläsern den bächen strömungen für
ein bisschen mehr sehnsucht und kopfschmerz
das bleibt für später noch ein wenig hier
ein wenig sein ein wenig bleiben noch

beileibe nicht bei sinnen hier drinnen
nur alte geister abgehängt an den
haken der angelegenheiten bleiben:
rauchverschallte möglichkeiten

___________von hier kommen wir niemals weg

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Iljas „auch rauch schlingert“ über „Underground“ (Necro)

auch rauch schlingert lüstern dazwischen
am tisch den die drückenden bäuche zerknüllen
wahrnehmung wird fürwahr nehmen
geteilte spucke und asche als spur
von irgendwas

in der gegnung bitte schnell verwendung
eine seele, oder was? kräht die synapse
innerer hahnenkampf wirft federn aus dem mund
(ein bett zum suhlen wird im nachvollzug gebaut)
unpünktlicher determinismus

naja ein lächeln war da auch und augen
vielleicht. das unterläuft dem
schwindel im gewohnten überbau
der hahn fliegt fort ganz ohne kopf
(der liegt vergessen da und singt und lärmt)

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Max und Linus über Saties „Gymnopédie No. 3“

Linus

gymnopédie no 3 variation

satie hört man
bei lauter stärke in den grund:
wie hinten türen sich öffnen und schliessen
ab im rauschen die schritte die den
kaffee machen gehen (wieder öffnen)
die augen: gerieben hundert mal
tausend dienstag ist ein missverständnis
das leben wird in der kneipe freibier
übermorgen und die ecken
so still die zeche und so klein
der wirbelstaub im atem die
drähte zehrend in armen und beinen
zu spüren immer im gang zu spüren

den kaffee machen gehen
alt umher die geister aus tassen und
ecken voll übergängen lent et grave
die blätter zu staub wie
für immer birnenblau geboren
für am fenster nur und kurz
hören die töne die einer anschlägt
in anbetracht eines rauschens den
geistern ohne eile und
gebeugt durch die tür ist noch
offen die fehlbarkeit der uhren

Max

gymnopédie no 3 variation
für Linus

satie hört man leise an einem sonntag morgen
den blick die entleerte straße hinauf
einer kleinen stadt dieser wirtschaft
die nach fett riecht (wie die kleider
der vergangenen nacht)____ich
steh am fenster dieses bild in den grund
alles schwarz und weiß dahinter ein baum
knorrig und kahl wird zu einem bruch
stück kindertag so klein und staunen
über die schönheit solcher gegenwart
(vom ganzen sekt) ein flaues gefühl
nach so viel vorwärts so kurz so flüchtig
geworden zu sein___________und fern
_______bloß die ruhe eines blicks der
mit den letzten nähten müdigkeit
am traum noch hängt

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